Trainer schreibt ein Fußball-Buch

Duray kennt keine Langeweile

Kurz nach seinem Aus in Grosny schaute Benjamin Duray (M.) im Oktober beim RSV vorbei. Im Ahe-Stadion hatte er zwei Jahre lang als Trainer gearbeitet. Freitag trifft er seinen alten Verein wieder – die Rotenburger sind seine Probanden bei der TGLR-Veranstaltung in Westerholz. 
Foto: Freese
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Kurz nach seinem Aus in Grosny schaute Benjamin Duray (M.) im Oktober beim RSV vorbei. Im Ahe-Stadion hatte er zwei Jahre lang als Trainer gearbeitet. Freitag trifft er seinen alten Verein wieder – die Rotenburger sind seine Probanden bei der TGLR-Veranstaltung in Westerholz. Foto: Freese

Rotenburg – Freitagabend darf Benjamin Duray mal wieder das tun, was er am liebsten macht – auf dem Fußballplatz stehen. In Westerholz zeigt er auf Einladung der Trainergemeinschaft Landkreis Rotenburg (TGLR) neben einem theoretischen Teil auch in der Praxis, wie sich das Passspiel und das Zusammenspiel verbessern lässt. Zuletzt war der 40-jährige Bremervörder jedoch seltener auf dem Rasen, als es ihm lieb ist – und das liegt nicht nur am Coronavirus. Seit seinem Engagement als Co-Trainer von Rashid Rakhimov beim russischen Erstligisten Akhmat Grosny, das im Oktober ein jähes Ende fand, stand der A-Lizenz-Inhaber bei keinem Verein mehr an der Seitenlinie.

Duray, der inzwischen in Stade wohnt, ist in dieser Woche als Quereinsteiger in den Schuldienst zurückgekehrt – dort, wo er schon mal vor seiner Zeit als Coach in China und Tschetschenien gearbeitet hat. In Bremerhaven ist er als Sportlehrer angestellt, nimmt momentan aber „eher Aufsichtspflichten“ wahr, da noch kein Sport unterrichtet werden darf. Er hat sich gut damit arrangiert und sagt: „Natürlich würde ich gerne wieder als Fußballtrainer arbeiten, aber ich bin ganz entspannt. Und man muss realistisch sein und sehen, dass der Fußball derzeit brach liegt und es auch nach Corona nicht einfacher wird. Da wird eher Personal abgebaut.“ Anfragen gab es trotzdem schon. Ein erfolgreicher Klub aus der Regionalliga West bat ihn zum Gespräch – „aber da ist der Funke gegenseitig nicht übergesprungen“.

Also nutzte Duray die freie Zeit für andere Dinge – etwa für Fernreisen, als es noch problemlos möglich war, für Hospitationen – oder, um zusammen mit Rainer Müller an einem Buch über spezielle Trainingsmethodik zu arbeiten. „Ich hoffe, dass wir es noch dieses Jahr veröffentlichen können“, sagt Duray und betont: „Langweilig wird mir nicht.“ Ihm selbst geht es darum, immer wieder auch seine eigene Arbeitsweise zu verfeinern, sich upzudaten. „Es entwickelt sich alles weiter, ich mache quasi aus einem iPhone 8 ein iPhone 11.“ Ernährung, Athletik, Analyse, Leistungsdiagnostik, Regeneration – all diese Felder beschäftigen Duray, der sich als „multifunktionaler Trainer“ sieht und glaubt: „Diese Bereiche alle zu verknüpfen – das ist die Zukunft.“

Horizonterweiterung in China und Russland

Wo das sein wird? Er weiß es nicht. Hauptberuflich oder nebenberuflich? Beides denkbar. „Da muss man aber differenzieren. Ich schließe auch den leistungsorientierten Freizeitbereich nicht aus, wenn es spannend ist. Wenn ich es aber wieder hauptberuflich mache, geht es um meine Existenz, da muss ich vorher bestimmte Dinge schon genau abstecken und mir dir Sache gut angucken. Da habe ich in der Vergangenheit auch Lehrgeld gezahlt“, findet er.

Seine Jobs im Nachwuchsbereich von Hebei China Fortune – im Auftrag von Schalke 04 – und zuletzt in Grosny meint er damit nicht: „Das war für mich die beste Entscheidung, die ich in meinem beruflichen Leben getroffen habe, eine absolute Horizonterweiterung und so bereichend. Die Erinnerungen sind so erfüllend, dass ich es mit Sicherheit noch mal machen würde.“

„Rotenburg ist eine besondere Adresse“

Aber auch an die Zeit, als er beim Rotenburger SV gearbeitet hat, denkt Duray gerne zurück – von 2012 bis 2014 war das in der Oberliga, dort also, wohin der Verein nun voraussichtlich zurückkehrt. „Rotenburg ist immer noch eine besondere Adresse, wir haben damals mit bescheidenen Mitteln etwas Tolles gemacht“, sagt der Trainer. Mit Coach Tim Ebersbach tauscht er sich regelmäßig aus: „Wenn er Hilfe braucht, weiß er, dass er mich immer anrufen kann.“ Regelmäßigen Kontakt pflegt Duray auch zu seinem damaligen Schützling Marcel Costly (1. FC Magdeburg), mit dem er in der Corona-Pause sogar individuell trainiert hat. „Ich würde ihm wünschen, dass er noch mal wieder in die zweite oder gar erste Liga reinrutschen kann, weil er ein absoluter Vollprofi ist. Da strahlt das Herz als ehemaliger Trainer, wenn man sieht, wie er sich entwickelt hat. Er verfügt über phanstatische physische Voraussetzungen“, urteilt Duray über den Konterspieler.

Durays Stationen

TuS Heeslingen (Co-Trainer/Juli 2006 - Februar 2009), SV Drochtersen/Assel (Co-Trainer/März 2009 - Juni 2010), Einheit Rudolstadt (Juli 2010 - Januar 2011), VfL Stade (Januar 2011 - Juni 2012), Rotenburger SV (Juli 2012 - Juni 2014), Hallescher FC (U17/Juli 2014 - Juni 2015), Hallescher FC (Co-Trainer/Interimstrainer Juli 2015 - Juni 2016), TSG Neustrelitz (Juli 2016 - November 2016), Hebei China Fortune (Jugend/April 2018 - Februar 2019), Akhmat Grosny (Co-Trainer/März 2019 - Oktober 2019).

Von Matthias Freese

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