Nach Online-Meeting: Viele Vereine gegen Fortsetzung

NFV droht der Denkzettel

Kreis-Boss Uwe Schradick informierte im Online-Meeting die Vereine über die geplante Saisonverlängerung.

Rotenburg - Von Matthias Freese Und Michael Brinkmann. Scheitert der Niedersächsische Fußballverband (NFV) mit seinem Plan der Saisonfortsetzung doch noch am Widerstand der Basis? In den ersten Umfragen der einzelnen Kreise haben die Amateurvereine fast überall mehrheitlich für einen Abbruch der Spielzeit 2019/2020 gestimmt und dem Verband damit einen Denkzettel verpasst. Im Kreis Rotenburg haben die Klubs nach zwei Online-Meetings am Dienstag und Mittwoch, an denen die Presse nicht teilnehmen durfte, noch bis Donnerstagvormittag die Möglichkeit, per Mail abzustimmen.

Andere Kreise sind schon einen Schritt weiter – etwa der Nachbarkreis Verden, in dem sich die Vereine mit 27:3 Stimmen für den Abbruch der Saison ausgesprochen haben. Im Kreis Stade sah das Votum ähnlich aus – 24:9. Der niedersächsische Verband plädiert vor allem aus juristischen Gründen für die Wiederaufnahme der aktuellen Saison ab September, weil er ansonsten Schadensersatzansprüche höherklassiger Vereine fürchtet. Doch mit dieser Argumentation scheint der NFV bei der Basis auf nicht allzu großes Verständnis zu stoßen. Aber auch Gründe der sportlichen Fairness werden genannt, weil noch sehr viele Spieltage ausstehen. Der NFV-Spielausschussvorsitzende Jürgen Stebani führte außerdem an, dass in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie eventuell gar nicht mehr gespielt werden könne, aber möglicherweise im Frühjahr und so in diesem Fall wenigstens eine Saison beendet werden könnte.

Im Kreis Rotenburg hatten der Vorsitzende Uwe Schradick und der Spielausschuss-Boss Frank Michaelis das Online-Meeting moderiert und die Vereine (rund 40 waren es am Dienstag) informiert. „Die beiden können ja nichts dafür, aber ich sehe sehr viele Fragen, die nicht beantwortet wurden“, bleibt Thomas Holzkamm, Abteilungsleiter des Bezirksligisten TV Sottrum, bei seinem Nein zur Fortsetzung. Aus dem Nordkreis hat sich nach dem Meeting auch der TSV Karlshöfen in Person von Fußball-Boss Guido Specht für einen Saisonabbruch ausgesprochen und das Votum dem Kreisvorstand übermittelt. Vom TSV Gnarrenburg mit seinem Vorsitzenden Helmut Riggers heißt es: „Wir stimmen für einen Abbruch mit Wertung der Saison. Da waren wir uns einig“. Der Bremervörder SC mit seinem Vorsitzenden Jörn Augustin hatte sich hingegen bereits Anfang der Woche für eine Fortsetzung der Saison entschieden.

Auch der Landesliga-Spitzenreiter Rotenburger SV wird seine Meinung nicht mehr ändern. Der zweite Vorsitzende Thorsten Nitz hatte nicht nur zugehört, sondern auch Fragen gestellt. „Es gibt zu viele ungeklärte Dinge. Dann lieber jetzt einen Cut machen“, sagt er und denkt unter anderem an die Wechselfristen. Der RSV hat zudem ein spezielles Problem im Jugendbereich, ist doch die Auflösung des JFV Rotenburg zum 30. Juni beschlossene Sache. Künftig wird der RSV allein für den Nachwuchs zuständig sein. „Bei einer Verlängerung müsste aber der JFV wahrscheinlich solange bestehen bleiben, bis die Saison zu Ende ist“, gibt Nitz die ihn wenig befriedigende Antwort aus der Runde wieder.

Ob auch die anderen Vereine mehrheitlich für einen Abbruch sind, vermochte der Rotenburger nicht zu sagen. In der rund einstündigen Sitzung „haben sich vielleicht zehn Prozent der anwesenden Vereine geäußert. Das war sehr komisch. Eine Tendenz konnte ich da nicht ausloten“, meint Nitz.

„Es gibt viele offene Fragen, die zum aktuellen Zeitpunkt nicht geklärt werden können. Wir plädieren für den Abbruch“, erklärt auch Fabian Knappik, der für Kreisligist SG Unterstedt teilnahm. Das Ergebnis der Vereine ist übrigens nicht bindend, doch Knappik meint: „Wenn die Tendenz anders ausfällt, sieht es wohl so aus, als könnte die Entscheidung überdacht werden.“ Carsten Tietjen ist da skeptisch: „Ich denke, die nehmen das zur Kenntnis und machen es trotzdem“, vermutet der Vorsitzende des SV Rot-Weiß Scheeßel und Abbruch-Befürworter. Womöglich fällt eine Entscheidung schon am Freitagnachmittag, wenn der NFV-Vorstand (zu dem die Vorsitzenden der 33 Kreise gehören) erneut zu einer Videokonferenz online zusammenkommt.

Eine Entscheidung fällt womöglich schon am Freitagnachmittag, wenn der NFV-Vorstand (zu dem die Vorsitzenden der 33 Kreise gehören) erneut zu einer Videokonferenz online zusammenkommt. Sollte die Fortsetzung tatsächlich vom Tisch gepustet werden, wäre der Bayerische Fußball-Verband dank Zwei-Drittel-Mehrheit weiterhin der bisher einzige, der ab September weiterspielen will. Brandenburg hatte mit 75 Prozent gegen die Verlängerung nach dem 30. Juni gestimmt, der Westfälische Fußball- und Leichtathletikverband gar mit 88 Prozent für das sofortige Saisonende, zu dem auch in Sachsen eine Mehrheit tendiert. Dem föderalistischen System im Fußball droht damit womöglich ein großer Flickenteppich.

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