RSV unterliegt beim Oberliga-Comeback mit 0:2 in Emden

Drewes nimmt‘s auf seine Kappe

Christoph Drewes war ganz schön gefordert: In dieser Szene klärt Rotenburgs Routinier vor Tido Steffens. Das 1:0 des Emders leitete Drewes aber ein. Und vor dem 2:0 der Gastgeber verlor er das Kopfballduell.
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Christoph Drewes war ganz schön gefordert: In dieser Szene klärt Rotenburgs Routinier vor Tido Steffens. Das 1:0 des Emders leitete Drewes aber ein. Und vor dem 2:0 der Gastgeber verlor er das Kopfballduell.

Emden – Ein Argument führte Abwehrspieler Christoph Drewes dann doch noch zu seiner eigenen Verteidigung an. „Der Rasen war schon sehr stumpf und hügelig. Auf einem anderen Feld wäre der Ball besser angekommen“, war sich der Routinier des Rotenburger SV sicher. Doch im Ostfriesland-Stadion des BSV Kickers Emden verhungerte sein Rückpass. Am Ende war es die spielentscheidende Szene, die in der Auftaktpartie der Fußball-Oberliga in der 16. Minute zum Rückstand geführt hatte. „Ich suche aber keine Ausrede – das nehme ich ganz klar auf meine Kappe“, betonte Drewes, der auch am zweiten Treffer (83.) zum 0:2 (0:1)-Endstand beteiligt war und so – ein wenig ironisch gesehen – zum „Man of the Match“ wurde. Auf Emder Seite war das wiederum der Doppeltorschütze Tido Steffens.

Tim Ebersbach musste im Schlusskreis schon ganz schön laut werden. Nicht etwa, weil der Rotenburger Coach sauer auf seinen Aufsteiger war. Er schrie quasi gegen die Emder Fans an, die wenige Meter weiter den Auftaktsieg ihres Titelaspiranten mit Jubelgesängen feierten. Und zwar so, wie es die rund 30 hart gesottenen Anhänger unter den 300 im Stadion auch schon während der 90 Minuten zuvor getan hatten – eng beisammen stehend. Mit den Abstandsregeln in Corona-Zeiten nahmen sie es im gesamten Rund der Seehafenstadt ohnehin nicht ganz so ernst.

Die spielerisch überlegenen Gastgeber von Coach und Ex-Profi Stefan Emmerling machten derweil auf dem Feld Druck. Der RSV versuchte, sich mit einer Fünferkette dagegen zu verteidigen und über Konter Nadelstiche zu setzen. Ebersbach hatte Youngster Luca Althausen ins Abwehrzentrum beordert und Tobias Kirschke trotz seiner Wadenprobleme als zweiten Sechser neben Lucas Chwolka aufgeboten. Ein Risiko, das sich bezahlt machte, denn vor der Abwehr räumte das Duo ordentlich ab. „Das System ist sehr gut aufgegangen“, fand Ebersbach.

Zweimal reagierte der neue Keeper Fabiano Curia im ersten Durchgang überragend – erst gegen Heiko Visser (12.), dann im Eins-gegen-eins gegen Steffens (22.). In der Zeit dazwischen passierte allerdings auch der verhängnisvolle Drewes-Rückpass. Kurz zuvor hatte zudem der neue RSV-Kapitän Stefan Denker die vermeintliche Führung erzielt – ehe die Fahne wegen einer angeblichen Abseitsstellung hochging (14.) und Referee Tobias Waldmann (SV Wietmarschen) die Szene abpfiff. „Das hätte ich nie im Leben gedacht, dass es Abseits ist“, betonte Ebersbach. „Die nehmen uns das 1:0 weg“, meinte auch der eingewechselte Björn Mickelat.

Zwei dicke Chancen zum 1:1 besaß der RSV: Erst Arthur Bossert frei vor Keeper Jannik Wetzel (21.), dann Lucas Chwolka, dessen Schuss Emdens Schlussmann noch zur Ecke um den Pfosten lenkte. (43.). „Da war mehr drin“, stellte Karol Karpus – dieses Mal nicht in der ersten Elf – bereits in der Pause treffend fest. „So weit waren wir nicht weg“, resümierte nach dem Spiel auch Mickelat.

In der Tat waren die Unterschiede zwischen den Protagonisten auf dem Feld längst nicht gravierend, die Rotenburger ließen sich jedenfalls nicht so leicht verspeisen wie der „Kickers-Teller“, der neben anderen „kulinarischen Genüssen“ in der Halbzeit vom Stadionsprecher angepriesen wurde. „Die Jungs haben sich nichts vorzuwerfen. Ich bin überrascht, dass sie die Intensität in der Oberliga schon so angenommen haben“, bemerkte Ebersbach. Die Niederlage gehe „in der Summe“ aber in Ordnung. Neben Curia zeigte Neuzugang Sämi van den Berg als rechter Innenverteidiger, dass er ein Gewinn für das Team ist. Auf der Außenposition hatte sich Marcello Muniz schnell an die neue Klasse gewöhnt, Ebersbach attestierte auch Yannick Chwolka auf der anderen Seite „ein starkes Spiel gegen den Ball“, wenngleich er es mit dem schnellen Yanic Konda nicht immer leicht hatte.

Der Unterschiedsspieler stand mit Goalgetter Tido Steffens aber bei den Ostfriesen unter Vertrag. Beim 2:0 entschied er nach einem Freistoß das Kopfballduell gegen Drewes für sich – der Ball segelte als Heber über Curia hinweg ins Tor. „Der kam mit einer Wucht von hinten und köpft ihn natürlich überragend“, meinte Drewes, der die Niederlage mit einem weinenden und einem lachenden Auge sah: „Auf diese Leistung können wir aufbauen. Vielleicht müssen wir noch mutiger sein und vorne mehr draufgehen.“ Die Umstellung auf eine offensivere Viererkette wagte der RSV aber erst zehn Minuten vor dem Ende. „Wir hatten noch abgewartet, um den Lucky Punch zu setzen“, erklärte der Routinier. Den setzten dann aber die Emder.

Aus Emden Berichtet Matthias Freese

Fabiano Curia bewahrte den RSV in der ersten Hälfte mit zwei starken Paraden vor einem höheren Rückstand.
Trotz Trikotzupfer: Sämi van den Berg (r.) ist schneller am Ball als Gabriel Bamezon.

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