Diskussion um Kunstrasenplatz: Grindel schreibt an Bürgermeister Weber und kritisiert ARS-Chef Ludwig

Jetzt schaltet sich der DFB-Boss ein

Nicht per Handy, sondern schriftlich teilte DFB-Präsident Reinhard Grindel dem Rotenburger Bürgermeister Andreas Weber seine Meinung hinsichtlich eines möglichen Kunstrasenplatzes auf dem Ahe-Sportgelände mit. - Foto: Freese

Rotenburg - Von Matthias Freese. Die Diskussion um den Bau eines Kunstrasenplatzes auf dem Rotenburger Ahe-Sportgelände nimmt weiter an Schärfe zu. Mehr noch: Inzwischen hat sich sogar der ranghöchste Vertreter des deutschen Fußballs eingeschaltet. DFB-Präsident Reinhard Grindel, Mitglied des betroffenen Rotenburger SV, hat sich in einem zweiseitigen Brief mit offiziellem Briefkopf des Verbandes an Bürgermeister Andreas Weber gewandt.

Darin übt er harsche Kritik an Rolf Ludwig, den Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Rotenburger Sportvereine (ARS) und des TuS Rotenburg. Ludwig ist vehementer Gegner eines Kunstrasenplatzes.

Bürgermeister Weber wollte auf Nachfrage zum Inhalt des Schreibens keine Stellung nehmen, gestand aber: „Ich bin ein bisschen verwundert, dass sich der DFB-Präsident persönlich bezüglich des Themas Kunstrasen gemeldet hat.“ Und er ergänzt: „Es gibt einen ganz klaren Auftrag des Stadtrats, den ich auch sehr ernst nehme. Wir werden alle nötigen Daten für eine Prüfung zusammentragen und vorstellen, damit eine sachgerechte Entscheidung getroffen werden kann. Natürlich muss – wie bei den Sporthallen – auch der tatsächliche Bedarf nachgewiesen werden.“

In dem Schreiben vom 16. Mai, das unserer Zeitung vorliegt, bringt Grindel seine große Verwunderung über eine von Rolf Ludwig erwähnte „DFB-Studie“ zum Ausdruck. „Ich möchte Ihnen auf diesem Wege mitteilen, dass es eine solche Studie nicht gibt. Nach Auskunft unserer zuständigen Fachdirektion verbieten sich auch allgemeingültige Kostenangaben“, schreibt der in Rotenburg lebende DFB-Präsident. In der Tat gibt es keine Analyse des Verbandes, wie von Ludwig auf der Mitgliederversammlung der ARS behauptet. 

Als „pure Frechheit“ bezeichnet es ARS-Boss Rolf Ludwig, dass sich Reinhard Grindel nun in die Rotenburger Diskussion eingemischt hat. - Foto: Goldstein

Er hatte sich bei seinen Äußerungen auf Harald Meyer, Vorsitzender von Fortuna Rotenburg und Mitglied in der DFB-Kommission für Prävention, Sicherheit und Fußballkultur, bezogen. Dieser erklärte wiederum auf Nachfrage: „Es gibt vom DFB Unterlagen für den Bau von Rasen-, Tenne- und Kunstrasenplätzen, aber der DFB macht zu den Kosten keine Angaben. Allerdings gibt es genug Untersuchungen von Fachleuten, die auch Zahlen nennen.“

Grindel erklärt dazu: „Vielmehr hängen die Kosten für einen Kunstrasenplatz von der Situation vor Ort ab. Es macht eben einen großen Unterschied, ob ein Kunstrasenplatz auf der grünen Wiese neu entsteht (...) Die Umwandlung eines bereits bestehenden Spielfeldes in einen Kunstrasenplatz kostet dagegen je nach Unternehmen zwischen 500 000 und 600 000 Euro. (...) Wichtig ist sicherlich der Hinweis, dass die Pflege eines Kunstrasenplatzes mit 10 000 Euro nur 50 Prozent von den durchschnittlichen Pflegekosten einen Naturrasenplatzes (20 000 Euro) beträgt.“

Ludwig zweifelt nicht nur diese Zahlen an, sondern bezeichnet Grindels Schreiben als „pure Frechheit und ein Unding. Er meint, von weitem die ARS anzugreifen, soll aber mal an frühe Zeiten denken, als er die ARS und mich noch gelobt hat.“

Auch Grindel wählt in Bezug auf Ludwig die scharfe Klinge und findet es „mehr als grenzwertig, dass Herr Ludwig als TuS-Vorsitzender und ARS-Chef seit Jahren zwar eine mehr als üppige Ausstattung der Stadt Rotenburg mit Sporthallen betreibt, aber dem Fußball einen Kunstrasenplatz verweigert“. Und weiter: „Bei dieser Gelegenheit frage ich mich ohnehin, ob die Stadt aus Compliance-Gründen weiterhin dulden kann, dass der ARS-Vorsitzende gleichzeitig der Vorsitzende des größten Sportvereins ist. Angesichts der beachtlichen Summen, die die ARS verteilt, würde man sich wohl eher eine unabhängige Person in dieser Funktion wünschen.“

Ludwig kann diese Kritik nicht nachvollziehen und schießt zurück: „Es ist beschämend für einen DFB-Präsidenten, dass er nicht mal die ARS-Satzung kennt. Vorstand und Beirat haben bei uns gar kein Stimmrecht“, sieht es seine Doppelfunktion deshalb auch nicht kritisch. Peter Grewe, Vorsitzender des RSV, schüttelt darüber nur den Kopf: „Wenn ich mit so vielen Falschaussagen und nicht angekündigten Abstimmungen aufwarte, dann ist das ganz klar Meinungsmache Ist das sinnhaft für den ARS-Vorsitzenden? Dann drängt sich für den RSV die Frage auf: Warum müssen wir noch in der ARS sein?“

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