„Dieser Weg ist alternativlos“

Saison-Fortsetzung ab September – Vereine reagieren skeptisch bis ablehnend

Die Plätze bleiben weiter verwaist – auch im Rotenburger Ahe-Stadion. Fotos: Freese
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Die Plätze bleiben weiter verwaist – auch im Rotenburger Ahe-Stadion.

Rotenburg - Die Idee des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV), die aktuell unterbrochene Saison in seinen Spielklassen ab der Oberliga abwärts zum 1. September fortzusetzen und sie nicht abzubrechen, stößt bei vielen Vereinen auf Unverständnis und Kritik.

Ein Fürsprecher ist allerdings Uwe Schradick. „Dieser Weg ist alternativlos“, positioniert sich der Zevener nach der Videokonferenz des NFV-Vorstandes, an der er als Vorsitzender des Kreises Rotenburg am Freitag teilgenommen hatte. Für ihn und seine Kollegen in den 33 Fußball-Kreisen geht es nun darum, die Vereine zu informieren, möglichst zu überzeugen und ihr Votum zu ermitteln. Am Dienstag- und Mittwochabend bittet Schradick per Gruppenchat zum Online-Meeting. Eile ist geboten. Bereits Freitag, wenn der NFV-Vorstand erneut tagt, dürfte der Beschluss getroffen werden.

„Es ist noch gar nichts entschieden“, betont Schradick. Er muss aber einräumen, dass die Vereine zwar gehört werden, es jedoch zu keiner Abstimmung in den Kreisen kommen wird: „Das hätte juristisch auch keinen Bestand.“ Wie es weitergeht, beschließt also allein der NFV-Vorstand. Schradick erklärt, warum er für eine Fortsetzung der Saison plädiert – und es seiner Einschätzung nach viele Kreisvorsitzende ähnlich sehen: „Ein Saisonabbruch ist ein heikles Thema und wurde vom Verband juristisch geprüft. Es könnte in diesem Fall zu Schadensersatzansprüchen höherklassiger Mannschaften kommen und hätte nicht einzuschätzende finanzielle Folgen.“ Der bayerische Verband sieht es übrigens genauso und pocht deshalb ebenfalls auf eine Fortsetzung.

Dass die Spielserie nach den Statuten am 30. Juni endet, stellt für Schradick kein Problem dar. „Das ist doch ein von Menschen gesetztes Datum, das in vielen Köpfen eingebrannt ist, das aber verändert werden kann. Außerdem wissen wir gar nicht, wann wir wieder Kontaktsportarten betreiben dürfen. Wir gehen erst mal von August/September aus. Aber es ist auch ein Szenario möglich, dass wir diese Saison nicht bis zum Dezember zu Ende spielen, sondern erst bis zum 30. Juni 2021.“ Was eine Verlängerung der Saison für Auswirkungen auf die kommende Serie hat und ob diese überhaupt stattfindet – „alles Spekulation“, meint der Kreisvorsitzende. In puncto Wechselfrist sei angedacht, diese bis nach dem Ende der Saison zu verschieben. Auch im Frauen- und Jugendbereich sieht er keine Probleme: „Das ist alles im Gleichklang zu machen.“

Doch etliche Vereine aus dem Kreis äußern ihre Bedenken. „Es ist eine große Sauerei, wie das bestimmt wird“, vermisst Thomas Holzkamm, Fußball-Boss des Bezirksligisten TV Sottrum ein Konzept. „Diese Lösung finde ich absolut schlecht. Die hätten die Saison abbrechen und dann eine neue starten sollen, wenn es wieder geht.“ Er denkt dabei auch an die Jugendteams und an Trainer, „die ihre Mannschaft im Sommer abgeben wollten“. Ein gutes Beispiel hierfür ist Kreisligist FSV Hesedorf/Nartum, wo Vitalij Kalteis im Juli für André Petersen übernehmen soll. Beim Kreisliga-Spitzenreiter VfL Visselhövede muss wiederum Leistungsträger Drilon Demaku nun wohl in die „Nachspielzeit“ gehen. Er wollte seine Karriere eigentlich zum Saisonende im Sommer beenden.

„Ich glaube, im Endeffekt wird es so eine größere Baustelle, als wenn man die Saison für beendet erklärt hätte. Ich sehe nur Nachteile“, outet sich auch Fabian Knappik, Trainer des Kreisligisten SG Unterstedt, als Gegner der geplanten Regelung. Beim Ligakonkurrenten TuS Bothel überwiegt ebenfalls das Misstrauen: „Finanziell hat das keine Auswirkungen für uns, nur was passiert, wenn die Pandemie weitergeht oder wieder ausbricht? Aber das wird uns der NFV schon vorschreiben und wir müssen uns danach richten“, glaubt Abteilungsleiter Hans-Jürgen Schlifelner. Uwe Schradick merkt hingegen an: „Wenn die Vereine sagen, wir hängen euch auf und wehren sich mit Händen und Füßen, dann nehme ich dieses Feedback da auch so mit rein. Ich gehe aber davon aus, dass ein Großteil der Vereine das verstehen wird. Ich finde diesen Weg jedenfalls gut.“

Doch auch der am höchsten spielende Club des Altkreises, Landesliga-Spitzenreiter Rotenburger SV, geht nicht unbedingt mit Schradick konform. In Abstimmung mit Präsident Peter Grewe erklärt der Sportliche Leiter Torsten Krieg-Hasch: „Wir stehen dem sehr, sehr skeptisch gegenüber. Natürlich wollen wir regulär aufsteigen, aber ich hätte es besser gefunden, wenn die Saison zu Ende gewesen wäre und man die Tabellen wie beim Handball über den Quotienten berechnet hätte. Wenn es am 1. September wieder losgeht, müssen wir doch mindestens fünf Wochen Vorbereitung haben und dann Ende Juli ohne Auflagen ins Mannschaftstraining einsteigen können. Das sehe ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht.“

Schradick wird bei einigen Vereinen also noch Überzeugungsarbeit leisten müssen, wenn er mit einem Votum ganz im Sinne der Verbandsspitze in die Videokonferenz am Freitag gehen will.

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