Plattform bringt Kicker und Vereine zusammen

Mit der virtuellen Wechselbörse „Poacher“ benötigen Amateurfußballer keine Spielerberater mehr

Das sind die vier Gründer von „Poacher“: Yannik Jaeschke, Marcel Andrijanic, Noel Below und Oliver Ioannou (von links) posieren im Leimbachstadion der Sportfreunde Siegen – beim Fünftligisten spielt Below seit 2018.
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Das sind die vier Gründer von „Poacher“: Yannik Jaeschke, Marcel Andrijanic, Noel Below und Oliver Ioannou (von links) posieren im Leimbachstadion der Sportfreunde Siegen – beim Fünftligisten spielt Below seit 2018.

„Suche Linksverteidiger, nicht älter als 25, mit Landesliga-Erfahrung und Qualitäten bei Standards.“ So könnte es ein Verein formulieren. Oder aus Spielersicht: „Klassischer Mittelstürmer mit körperlicher Wucht und Kopfballstärke möchte mindestens in die Landesliga, gerne im Landkreis Rotenburg oder der näheren Umgebung.“ Wer suchet, der findet nun auch im Amateurfußball. Eine neue Internet-Plattform hat sich genau diese Vermittlungen zur Aufgabe gemacht.

  • „Poacher“ bringt wechselwillige Spieler und Vereine zusammen.
  • Die neue Plattform macht Spielerberatern ab der Regionalliga abwärts Konkurrenz.
  • Vier Amateurfußballer stecken dahinter.

Spielerberater ist im Profifußball längst ein sehr einträglicher Job. Bei den ganz großen Deals räumen die Agenten selbst Millionen ab. Zudem investieren die Vereine nicht gerade wenig Geld in ihre Scoutingabteilungen, damit ihnen möglichst keine Talente durch die Lappen gehen – und sie wissen, woher sie wen und wann holen können. Innerhalb und vor allem unterhalb der Regionalligen fehlen meistens die finanziellen Mittel für aufwendige Beobachtungen. Je niedriger die Spielklasse, umso unwahrscheinlicher sind intensive Sichtungsaktivitäten. Und nur wenige Aktive in der fünften, sechsten oder siebten Liga leisten sich eigene Berater. Genau dort setzt die Plattform „Poacher“ an: Vier Fußballer haben einen Online-Tummelplatz für die Amateurligen entwickelt. Spieler finden Vereine, Vereine finden Spieler. Und zwar kostenlos – auch für die Clubs aus der Region sicher eine interessante Geschichte.

„Vereine von der Regionalliga abwärts bis zu den Kreisklassen, die kein professionelles Scouting haben, können dort suchen und filtern – bequem von Zuhause aus“, sagt Yannik Jaeschke: „Und die Spieler, die sich präsentieren möchten, können ihre Profile mit Fotos, Videos und Statistiken anreichern. Wir sagen immer: Es ist quasi eine Mischung aus Xing und Facebook.“

Der 27-Jährige gehört zu dem Quartett, das im Juni 2020 das Start-up-Unternehmen offiziell gegründet hat und mit dem Projekt seit dem 5. Dezember online ist. Zumindest in der Beta-Version, was bedeutet, dass das Angebot noch erweitert wird und bislang nicht alle Funktionen zur Verfügung stehen. „Wir haben uns seit Dezember aber schon weiterentwickelt. Mittlerweile können auch Videos hochgeladen werden. Und eine kostenpflichtige Premium-Version ist nun auch buchbar.“

„Das ist wie eine Partnerbörse“

Auch beim Rotenburger SV aus der Fußball-Oberliga stößt die neue Internet-Plattform „Poacher“ auf Interesse. „Den Ansatz finde ich gut. Nicht jeder Spieler braucht schließlich gleich einen Spielerberater“, sagt Torsten Krieg-Hasch, Sportlicher Leiter des RSV. Coach Tim Ebersbach hat sich sogar schon registriert, „um ein Gefühl zu kriegen, wie es da läuft. Noch ist es ein bisschen querbeet.“ Krieg-Hasch meint schmunzelnd: „Das ist wie eine Partnerbörse. Auch wenn ich nicht weiß, wie es da abläuft, weil ich in keiner drin bin.“ maf

Jaeschke wohnt in Sebbenhausen (Landkreis Nienburg) und spielt beim TSV Havelse. Seine Mannschaft ist Tabellenführer der Regionalliga Nord (Staffel Süd), der Offensivmann studiert an der Leipniz Universität in Hannover im siebten Semester Wirtschaftswissenschaften und hat kürzlich seine Bachelor-Arbeit geschrieben. Bei „Poacher“ (übersetzt: Wilderer oder Wilddieb) kümmert er sich um die Finanzen und das Personal, das künftig – eine gute Entwicklung vorausgesetzt – aufgestockt werden soll. Die anderen drei Gründer sind Fußball-Kumpel: Marcel Andrijanic (28) vom Regionalligisten SV Drochtersen/Assel und Noel Below (27) vom westfälischen Oberligisten Sportfreunde Siegen sind für das Marketing, die Akquise und den Vertrieb zuständig. Der Vierte im Bunde, Oliver Ioannou (31/ebenfalls Drochtersen/Assel), verantwortet den Bereich IT.

„Die Wilderer“ haben bereits „mehrere Hundert“ Nutzer

Zunächst richten die Vier den Fokus auf Regionen, die sie selbst gut kennen: Niedersachsen, Bremen und Nordrhein-Westfalen – und dort anfangs hauptsächlich auf die Vereine, um in ihrer Angebotspalette „eine gute Basis“ zu schaffen. „Wir profitieren von unseren Netzwerken“, sagt Jaeschke. Bisher haben sich „mehrere Hundert“ Nutzer (Vereine und Spieler) angemeldet, Vermittlungen habe es jedoch noch nicht gegeben. „Es läuft ja gerade erst an. Wir hoffen vor allem auf den Sommer mit der Transferperiode – und dann am besten ohne Corona“, betont Jaeschke. Die Pandemie habe den Start des Projekts durchaus beeinflusst. Die Kabinengespräche der Spieler fallen aktuell komplett weg, die extrem wichtige Mundpropaganda kommt quasi gar nicht erst zustande.

Aber die Vier sind trotzdem nicht unzufrieden, zumal das Fundament stehe. Größtenteils finanziert sich „Poacher“ laut Jaeschke über Werbeeinnahmen. „Kurz- und mittelfristig wollen wir unser Produkt so gut es geht an den Markt bringen“, sagt er: „Langfristig möchten wir uns deutschlandweit etablieren. Es wäre super, wenn die Spieler wöchentlich oder bestenfalls täglich bei uns reingehen und auch die Community ordentlich boomt. Das ist unsere Vision.“

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