Sportlerwahl des Jahrzehnts - Startnummer 7

Emma Stach ‒ die Rekordfrau ist noch lange nicht satt

Emma Stach streichelt einen Schlittenhund.
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Hundeschlittenfahren gehört auch für Emma Stach in Schweden dazu.

Schon zu ihrer Zeit bei den Basketballerinnen der BG ´89 Hurricanes galt Emma Stach als das größte Talent in Deutschland. Bereits mit 14 Jahren war sie Sportlerin des Jahres 2010. Inzwischen steht die Nationalspielerin als Profi in Schweden unter Vertrag. 

Scheeßel – Mit dem Privatjet zu den Spielen, um vor 10 000 Zuschauern in den Staaten zu performen? Hundeschlittenfahren und Polarlichter beobachten im verschneiten Schweden? Emma Stach führt ein abwechslungsreiches Leben und ist ständig unterwegs. Dank des Basketballs, dank ihrer überragenden Fähigkeiten in dieser Sportart. Bei den Hurricanes der BG ‘89 Rotenburg/Scheeßel nahm ihre Karriere so früh Fahrt auf, dass die gebürtige Buchholzerin schnell zur Rekordfrau wurde – und im Alter von 14 Jahren bereits Sportlerin der Jahres 2010 war. Mit mittlerweile 24 Jahren hat sie sich als Basketball-Profi längst etabliert und ist auch in der Starting Five der Nationalmannschaft gesetzt.

2011: Emma Stach nach ihrem Erstliga-Debüt.

Der Rückblick fällt nicht schwer. „Klar kann ich mich noch an meine Anfänge bei den Hurricanes erinnern. Für mich war es damals mit 14 Jahren ein großer Schritt, nach Scheeßel zu gehen und die Schule zu wechseln“, erzählt Emma Stach. Dabei lief sie bereits mit 12 Jahren als jüngste Spielerin aller Zeiten für den Verein in der Nachwuchsbundesliga WNBL auf. Weitere unglaubliche Bestmarken folgten: 2010, mit 13, debütierte sie in der 2. Bundesliga – so früh wie keine andere jemals. Ein Jahr später gelang ihr dieser Rekord für die Ewigkeit auch im deutschen Oberhaus. Jüngste U 16-Nationalspielerin war sie ebenfalls, 2012 erhielt sie die Auszeichnung als Rookie des Jahres in Liga eins. „Mit den Hurricanes verbinde ich eine Zeit, in der ich unheimlich gewachsen bin, basketballerisch und mental“, sagt sie. „Aus einer talentierten Jugendspielerin habe ich mich zu einer festen Größe bei den Hurricanes und im Deutschen Basketball Bund entwickelt. Da bin ich dem Verein sehr dankbar, denn die Hurricanes haben dabei eine große Rolle gespielt. Ich glaube, meine Zeit in der U 17-Bundesliga, in der ersten und zweiten Liga hat mich zu der toughen Spielerin gemacht, die ich heute bin.“

Vier erfolgreiche Jahre: Emma Stach in den USA.

So lag es fast schon auf der Hand, dass 2014 der Wechsel in die USA folgte. Stach nahm das Angebot der Gonzaga- Universität an, um in Spokane zu studieren und für die Bulldogs in der NCAA zu spielen. Es waren vier erfolgreiche Jahre, unter anderem mit dem Gewinn des West-Coast-Conference-Turniers, der Berufung ins All-Star-Team – und dem Sprung ins Damen-Nationalteam. „Die Zeit in Amerika hat mich unglaublich geprägt. Sportlich gesehen war es nicht immer einfach. In den vier Jahren habe ich mich zu einer richtig guten Werferin entwickelt und habe gelernt, noch physischer zu spielen“, erinnert sich Stach. „Ich habe immer die beste Spielerin aus dem anderen Team verteidigt und ausgeschaltet, jedoch konnte ich meine kreative Seite nicht zeigen. Das Spiel war sehr statisch und mir wurden wenige Freiheiten gegeben, in denen ich einfach mal Basketball spielen konnte.“ Letztlich hätte ihr die Zeit aber gezeigt, „dass die tausenden von Stunden in Basketballhallen, die vielen Rückschläge und Tränen, und die vielen anderen Dinge, auf die ich verzichten musste, sich ausgezahlt haben. Nicht viele Profisportler spielen vor 10 000 Zuschauern, fliegen in einem Privatjet zu den Spielen und haben Vorbereitungsturniere in der Karibik.“

Sie reifte und kam zudem mit dem Bachelor in Psychologie zurück nach Deutschland. Hier engagierten sie die Rutronik Stars Keltern, ehe es ein Jahr später nach Ungarn zu PINKK Pécsi sowie schließlich im vergangegen Sommer zum schwedischen Spitzenclub A3 Basket Umeå im Osten des Landes ging. „Die Saison läuft sportlich für mich sehr gut. Ich habe hier viel Verantwortung auf dem Feld, bekomme gute Spielzeit und bin Topscorerin meines Teams“, berichtet die Aufbauspielerin, die sich momentan aufgrund von Oberschenkelproblemen im Aufbautraining befindet. Zu den Play-offs in anderthalb Wochen will sie wieder fit sein. Den Schritt nach Nordeuropa hat sie nicht bereut. „Schweden ist ein tolles Land, ich finde es cool, dass ich hier für neun Monate leben darf. Ich glaube, so intensiv hätte ich Schweden nie erlebt, und von Hundeschlittenfahren im Puderschnee, Schneestürmen, Lastern, die den Schnee aus der Stadt abtransportieren müssen, bis hin zu Polarlichtern und den typisch, schwedischen Häusern am See ist wirklich alles dabei. Man merkt, dass die Schweden ein Outdoor-Volk sind“, schwärmt Stach. „Zudem sind die Schweden einen anderen Weg in der Corona- Pandemie gegangen, weswegen ich für die letzten Monate ein fast ganz normales Leben leben durfte.“

Emma Stach war Sportlerin des Jahres 2010.

Sie macht allerdings keinen Hehl daraus, dass sie auch in den Top-Ligen in Europa, etwa in Frankreich und Spanien, gerne mal auflaufen würde, um sich zu beweisen, zu etablieren und konstant auf internationalem Niveau zu spielen. „Euroleague würde mich auf alle Fälle reizen, oder aber auch eine Europameisterschaft oder Weltmeisterschaft mit der Damen Nationalmannschaft. Ein Traum wäre natürlich, bei Olympia dabei zu sein.“ In der Halle wird das zwar in diesem Jahr nichts mehr werden, aber Stach fährt zweigleisig – 2019 wurde sie Deutsche Meisterin in 3x3-Basketball. „3x3 ist ein sehr facettenreiches Spiel und ich glaube, dass ich da sehr gut reinpasse mit meiner Schnelligkeit, meinem Umschaltevermögen, meiner Wurfqualität, Verteidigung, und meinen Eins-gegen-eins-Skills.“

In Schweden läuft Emma Stach (r.) für Basket Umeå auf und ist Top-Scorerin.

Aktuell ist Emma Stach zwar noch als Profi unterwegs, doch für die Zeit nach der Basketball-Karriere hat sie längst einen Plan. Nach ihrem Studium ließ sie sich zum Sportmental-Coach ausbilden. Momentan studiert sie auch wieder an der Fernuniversität. „Und dann bin ich in einem Jahr Sporttherapeutin. Im Bereich der Sporttherapie sehe ich mich auch nach meiner Basketballkarriere. Ich finde die Kombination von Sporttherapie/Physiotherapie und Sportpsychologie total interessant und glaube, dass ich dann als Ex-Profisportlerin vielen Athleten, aber auch Nicht-Athleten helfen kann“, ist sie überzeugt. Neben dem Basketball gilt ihr Interesse übrigens auch dem Fußball und Yoga zur Entspannung. „Ich liebe es aber auch, kreativ zu sein. Das habe ich, glaube ich, von meiner Mutter, die freischaffende Künstlerin und Architektin ist“, erzählt Emma Stach. Und sie verrät: „Ich hätte nie gedacht, dass ich es mal sagen werde, aber in den letzten Monaten habe ich das Kochen entdeckt. Alles was ich brauche, ist ein leckeres Rezept, gute Musik sowie Zeit – und ich bin happy.“

Zahlen, Daten, Fakten: Emma Stach

Geburtsort: Buchholz in der Nordheide.

Alter: 24 Jahre.

Aktueller Wohnort: Umeå (Schweden).

Familienstand: Ledig.

Beruf: Profisportlerin.

Sportart: Basketball.

Sieg bei der Sportlerwahl: 2010.

Größte Erfolge: Gold bei der B-Europameisterschaft der U16 2011 sowie Auszeichnung „All Tournament Team“ und „Best Guard“, Topscorerin bei der A-EM der U16 2012; Rookie des Jahres 2012 in der DBBL, „All Tournament Team“ West Coast Conference 2018, Topscorerin der EWBL (Eastern European Women’s League/21,5 Punkte im Schnitt, 43-prozentige Dreierquote).

Bisherige Vereine: Wildgirls Buchholz, BG 89 Hurricanes Rotenburg/Scheeßel, Gonzaga Bulldogs, Rutronik Stars Keltern, PINKK Pécsi.

Aktueller Verein: A3 Basket Umeå.

Hobbys: Reisen, Länder und Kulturen kennenlernen, kochen, lesen, gutes Essen genießen, Zeit mit der Familie verbringen.

Ziele: Als Spielerin sich auf internationalem Niveau etablieren (z.B. in Frankreich, Spanien), Europameisterschaft und Weltmeisterschaft mit der Damen-Nationalmannschaft, Olympische Spiele (3x3, 5x5).

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