LSB-Präsident im Interview

Corona-Krise und ihre Folgen für den Sport - Umbach glaubt: „Die Probleme stellen sich 2021“

„Die Solidargemeinschaft des niedersächsischen Vereinssports ist bislang insgesamt gut durch die Corona-Pandemie gekommen“, findet der LSB-Präsident Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Umbach.
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„Die Solidargemeinschaft des niedersächsischen Vereinssports ist bislang insgesamt gut durch die Corona-Pandemie gekommen“, findet der LSB-Präsident Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Umbach.

Rotenburg – Der zweite Lockdown für den Amateursport trifft viele Vereine hart. Was kann der Landessportbund (LSB) in dieser schwierigen Zeit für sie tun, welche negativen Effekte sind zu befürchten und welchen Einfluss hatte die Dachorganisation des niedersächsischen Sports bei der Erstellung der Corona-Verordnung? Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Umbach, Präsident des Landessportbundes, nimmt zu diesen und anderen Fragen im Interview mit unserer Zeitung Stellung.

Sie plädieren als LSB für „so viel verantwortbaren Sport wie möglich“ – was bedeutet das konkret?

Die Sportvereine haben in den vergangenen Monaten gezeigt, dass sie bereit und in der Lage sind, Sportangebote unter Einhaltung der örtlich geltenden Hygiene- und Abstandsregelungen anzubieten. Wir rufen Kommunen deshalb auf, auch in der aktuell schwierigen Phase der Corona-Pandemie gemeinsam mit den Sportvereinen vor Ort auf Basis der Niedersächsischen Corona-Verordnung diesen Sportbetrieb weiterhin möglich zu machen.

Was hat der Sport, was haben die Vereine aus dem ersten Lockdown im Frühjahr gelernt?

Unsere Sportvereine haben von ihren Mitgliedern ungeheuer viel Solidarität erfahren. Wir haben gemeinsam erlebt, wie kreativ viele Mitglieder, Übungsleiter, Freiwilligendienstleistende und Trainer mit der coronabedingten Situation umgegangen sind – und zum Beispiel Videoangebote sowie Online-Übungsstunden gemacht und so weiter den Kontakt zu den Mitgliedern aufrechterhalten haben. Diese neue Form des Gemeinschaftsgefühls ist sicher wichtig für die weitere Entwicklung. Und sie haben sehr konkret erlebt, dass sie sich auf den Landessportbund mit seinen Gliederungen und den Landesfachverbänden verlassen können: - Der LSB hat sich gegenüber dem Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung erfolgreich dafür eingesetzt, dass auch Sportvereine Hilfen bei der NBank im Rahmen des Programmes „Niedersachsen-Soforthilfe Corona mit finanzieller Unterstützung des Bundes“ in Anspruch nehmen können. - Wir haben uns erfolgreich für das Corona-Sonderprogramm für Sportorganisationen gegenüber dem Land eingesetzt. - Der LSB hat die Gültigkeit von Übungsleiter-Lizenzen, die in diesem Jahr ablaufen werden, um ein Jahr verlängert. Die bislang besuchten Fortbildungen werden zur nächsten Lizenzverlängerung (vier Jahre Gültigkeit) anerkannt. Der LSB berücksichtigt bei dieser Regelung auch die Lizenzen, deren Gültigkeit im vierten Quartal 2019 ausgelaufen ist. - Forciert wurden zudem neue Ausbildungsformate wie Blended-Learning oder Video-Konferenzen. - Der LSB hat in Abstimmung mit dem Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport Regelungen sowie Hinweise zur Abrechnung nach den LSB-Sportförderrichtlinien, zur Förderung der Integration im und durch Sport, zur zielgruppenspezifischen Bewegungs- und Gesundheitsförderung sowie zur Förderung von Sportentwicklungsplanungen und Sport(raum)entwicklungsprozessen während der Corona-Krise erarbeitet. - Wir haben eine Telefon-Hotline eingerichtet und ein umfassendes Online-Hilfsangebot.

Kurz: Wir haben den Eindruck, die Solidargemeinschaft des niedersächsischen Vereinssports ist bislang insgesamt gut durch die Corona-Pandemie gekommen.

Und welche negativen Effekte sehen Sie für den Sport und die Vereine kurz- bis langfristig durch den Lockdown?

Für Niedersachsen ist es noch zu früh, um valide Aussagen über die kurz- und langfristigen Folgen machen zu können.

Gibt es denn bereits Erhebungen nach dem ersten Lockdown, was zum Beispiel Mitgliederverluste oder finanzielle Einbußen der Vereine betrifft?

Das LSB-Präsidium hatte sich auf seiner Sitzung Ende März für die Durchführung einer zweistufigen Vereinsbefragung ausgesprochen, um die Folgen für die Sportorganisation wegen der Coronavirus-Krise einschätzen und gegebenenfalls Unterstützung organisieren zu können. An der zweiten Befragung, bei der wir nach dem geschätzten finanziellen Defizit für den Zeitraum vom 1. April bis 30. Juni 2020 gefragt haben, haben sich rund 3 000 Sportvereine, Landesfachverbände und Sportbünde beteiligt. Das finanzielle Defizit wurde damals – zu einer Zeit, als ein dauerhaftes Aus des Vereinssports befürchtet wurde – mit rund elf Millionen Euro angegeben. Gott sei Dank konnte der Vereinssport dann doch wieder starten und viele unserer Hilfsangebote haben gegriffen. Das führt aktuell dazu, dass die Nachfrage nach den Mitteln aus dem Corona-Sonderprogramm für Sportorganisationen des Landes im Vergleich zu den Angaben aus unserer Befragung nicht so hoch ausfallen. Ende Oktober gab es 341 freigegebene Anträge mit einer Summe in Höhe von rund 1,9 Millionen Euro.

Für uns ist diese Differenz aber nicht überraschend. Wir gehen davon aus, dass die eigentlichen Probleme für unsere Sportvereine sich erst ab 2021 stellen werden. Dann erst werden ja die Folgen zum Beispiel von möglichen Vereinsaustritten finanziell sichtbar. Erhebungen zu den Mitgliederverlusten gibt es für Niedersachsen nicht.

Wird der LSB zum Beispiel auf Beiträge verzichten, um Vereine zu entlasten?

Der LSB denkt aktuell nicht daran, auf Beitragseinnahmen wegen Covid-19 zu verzichten.

Welche Sportarten dürfen außer dem Laufen/Joggen allein oder zu zweit noch betrieben werden?

Das Land führt dazu in seinen Ausführungsregelungen vom 2. November 2020 aus: „Die Ausübung von Individualsport ist unter Einhaltung bestimmter Voraussetzungen zulässig. Unter Individualsport sind die Sportarten zu verstehen, die insbesondere allein, zu zweit und grundsätzlich ohne direkten Körperkontakt zu anderen betrieben werden können. Es sind Sportarten, die in der Regel nicht in Mannschaften organisiert sind. Hierzu gehören unter anderem Leichtathletik, Tennis, Golf oder Turnen. Individualsportarten, bei denen der Mindestabstand von 1,5 Metern mit Menschen jenseits des eigenen Haustandes nicht eingehalten werden kann, also beispielsweise Judo oder Karate oder ähnliches, dürfen jeweils nur mit einer anderen Person betrieben werden und nicht mit wechselnden Partnerinnen und Partnern.“

Welchen Einfluss hatte der Landessportbund bei der Erstellung der Ausführungsregelungen?

Bei der Erstellung der jeweiligen Corona-Verordnungen haben wir unsere Argumente immer gegenüber dem Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport eingebracht. Die Zusammenarbeit war in den vergangenen Monaten sehr vertrauensvoll. Die Schlussredaktion für die Erstellung der Verordnungen lag und liegt dann bei der Staatskanzlei.

Wie definieren Sie Profisport? Gehört zum Beispiel eine Basketball-Damen-Mannschaft aus der 2. Liga, die mit zwei Profispielerin und einem hauptamtlichen Trainer bestückt ist, dazu, obgleich der Rest des Teams einem anderen Beruf nachgeht, studiert oder noch zur Schule geht?

Unabhängig von der steuerrechtlichen Definition von Profisport haben wir mit dem Land geregelt, wer Spitzensportler und Profisportler ist. Dies findet sich in den aktuellen Erläuterungen: „Spitzensportlerin und Spitzensportler bzw. Profisportlerin und Profisportler sind Sportlerinnen und Sportler, die einem olympischen oder paralympischen Kader, das heißt einem Olympiakader, einem Perspektivkader oder einem Nachwuchskader 1 oder 2, angehören und die an einem Bundesstützpunkt, einem Landesleistungszentrum oder einem Landesstützpunkt trainieren. Dazu zählen auch Sportlerinnen und Sportler, die einer Mannschaft angehören, die ihre Sportart berufsmäßig ausüben. Wirtschaftlich selbstständige, vereins- und verbandsungebundene Sportlerinnen oder Sportler, die ihre Sportart berufsmäßig ausüben, ohne einem Bundeskader anzugehören, fallen ebenfalls in diese Gruppe.“

Was ist mit Bundes- oder Landeskadersportlern, die keiner olympischen Sportart, wie etwa Aerobic, angehören? Dürfen diese noch trainieren?

Für sie treffen die Regelungen leider nicht zu.

Auch der Schulsport ist an manchen Bildungseinrichtungen aktuell ausgesetzt, während alle anderen Fächer weiter unterrichtet werden – ist das richtig?

Der LSB hat sich in den vergangenen Monaten deutlich mit seiner Sportjugend für den Fortbestand des Schulsports während der Corona-Pandemie eingesetzt. Denn Schulsport ist ein wichtiges Angebot gegen soziale Vereinsamung von Kindern und Jugendlichen, verfügt über soziale Bildungspotenziale für Heranwachsende und leistet einen Beitrag, damit die Gesundheit von Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern und den Eltern und Familienangehörigen sichergestellt ist.

Von Matthias Freese

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