Ehemaliger Obmann der Schiedsrichter im Bezirk

Berthold Fedtke: Die Pfeife als Markenzeichen

Berthold Fedtke mit Pfeife und Block auf dem Sportplatz.
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Der doppelte Pfeifenmann: Der ehemalige Schiedsrichter Berthold Fedtke ist passionierter Pfeifenraucher.

Sittensen – Beim 16. Fußball-Bezirkstag Ende Januar erlebte Berthold Fedtke seinen letzten großen Auftritt. Der langjährige Chef des Schiedsrichterausschusses wurde für sein Engagement zum Ehrenmitglied des Bezirks Lüneburg ernannt und verabschiedet. Doch damit nicht genug, denn ein weiteres Sahnehäubchen folgte für den 68-Jährigen aus Sittensen mit der Verleihung der goldenen Ehrennadel des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV).

„Ich habe in der Vergangenheit schon über ein Aufhören nachgedacht. Das Alter dafür hatte ich ja. Und 26 Jahre im Bezirksschiedsrichterausschuss sind dann auch genug“, meint Berthold Fedtke. Ob er es wirklich schafft, von hundert auf null runterzufahren, wird sich zeigen. Denn: Die Beobachtertätigkeit, die in gut drei Jahrzehnten zu seinem geliebten Steckenpferd wurde, wird ihn weiterhin verfolgen. „Ich kann mir schon vorstellen, wenn der Fußball wieder rollt und Bedarf ist, ab und an auf Bezirksebene zu beobachten“, gesteht Fedtke.

„Berthold und ich waren ähnlich gepolt, haben sehr gut zusammengearbeitet. Ich habe in all den Jahren seine Zuverlässigkeit, Loyalität und das große Vertrauen geschätzt. Wir haben oft Dinge kontrovers diskutiert, festgelegt und wie besprochen durchgezogen. Da gab es nie ein hintenherum. Er ist als Schiedsrichter groß geworden – und die Beobachtungen lagen ihm ganz besonders am Herzen“, sagt Hans-Günther Kuers, der sich als NFV-Bezirksvorsitzender gemeinsam mit seinem langjährigen Verbündeten in den Ruhestand begab.

Dass der gebürtige Sittenser einmal in der Funktionärs-Szene eine Erfüllung finden würde, bahnte sich früh an. Als aktiver Fußballer – zunächst in der JSG Nordheide und anschließend beim VfL Sittensen – hatte er nie den durchschlagenden Erfolg. „Ich hatte schon Spaß am Fußball, konnte laufen wie verrückt. Doch über die Reserve bin ich nicht hinausgekommen“, so der frühere beinharte linke Verteidiger.

Also schaute er nach Alternativen und erfuhr, dass Schiedsrichter gesucht wurden. Der Kontakt zum Klein Meckelser Eugen Schmeichel sorgte für den Einstieg bei den Unparteiischen. „Eugen hat mir die Schiedsrichterei schmackhaft gemacht und Hilfestellungen geleistet. Er war mein erster Lehrvater. Er pfiff auf Verbandsebene und nahm mich als Linienrichter mit“, erzählt Fedtke. Es folgten zahlreiche Aufstiege bis in die Bezirksoberliga.

Doch nach 18 Jahren erfolgreicher Tätigkeit hängte er seine Pfeife urplötzlich an den berühmten Nagel. „Ich musste mir oft so etwas anhören, wie,pfeifen kann er sehr gut, doch am Läuferischen hapert es‘. Die Kritik war schon berechtigt, sorgte aber für Frust“, erinnert sich Fedtke. Doch er blieb trotz harscher Worte seiner Zunft erhalten, schloss sich dem Lehrausschuss im Kreis Rotenburg an und wurde dort zur festen Größe.

Die Wahrnehmung auf den Fußballplätzen in der Region war eine deutlich andere und die Wertschätzung für Fedtke groß. „Ich habe Berthold häufiger bei unseren Spielen als Beobachter erlebt. Ein super Mensch, immer korrekt und offen. Es ist schade, dass er beim Bezirk aufhörte. Er hat den Laden doch zusammen gehalten“, findet Helmut Lange vom TV Sottrum. „Berthold agierte auf dem Platz sehr gerecht, wollte immer alles richtig machen. Was die Regeln nicht erlaubten, hat er konsequent unterbunden. Dabei wollte er nie im Mittelpunkt stehen. Er hat sich über viele Jahrzehnte ehrenamtlich engagiert und davor ziehe ich meinen Hut“, meint auch der frühere Rüspeler Kicker Heino Lühmann.

Manfred Harder klopfte erfolgreich an

Und auch Axel Wendt, Lehrwart-„Erbe“ des Ausschuss-Oldies findet viele lobende Worte: „Ich habe unter Bertholds Regie viel gelernt und eine harmonische Zusammenarbeit erlebt. Er kannte das Regelwerk auswendig, hat die Tests stets mit null Fehlern absolviert. Nicht nur in der Sache war er unschlagbar. Wir hatten durch ihn immer eine gute Rückendeckung und selbst stand er stets zu seinen Entscheidungen“, so der Basdahler.

Es gibt noch viele Kontakte, die Fedtke mit ehemaligen Weggefährten pflegt. Dazu gehört auch Wolfgang Krihson aus Volkmarst. „Wir haben uns sehr gut verstanden und ich habe viel von ihm gelernt. Der hatte gute Pläne, war firm. Und als Beobachter war er 1A“, sagt der ehemalige Rotenburger Stellvertreter. Doch im Jahr 1994 stellte sich Fedtke neuen Herausforderungen, wechselte in den Schiedsrichterausschuss des Bezirks Lüneburg. „Ich hatte einen losen Kontakt zum ehemaligen Bundesliga-Schiedsrichter Manfred Harder, der sich in den Bezirksausschuss wählen lassen wollte. Er bot mir an, mit ihm im Lehrausschuss zu arbeiten. Darüber musste ich nicht lange nachdenken und sagte zu“, so Fedtke.

Das neue Umfeld und die Arbeit wirkten motivierend und so stieß er verschiedene Projekte an, agierte ab 2002 als Lehrwart im Schiedsrichter-Ausschuss des Bezirks und übernahm 2008 den Vorsitz. Dort fand er im Ahlerstedter Jürgen Bockelmann einen engagierten Stellvertreter und jetzigen Nachfolger, der gerne auf eine gute Zusammenarbeit zurückblickt: „Berthold war sehr engagiert und fit, was das Regelwerk anging. Der hat seine Linie durchgezogen und die Meinung klar geäußert.“

Die Schreibtischarbeit war für den Schiedsrichter-Obmann das eine, die Beobachtungen an Spieltagen waren dann aber doch spannender. „Ich habe die Beobachtungen sehr gerne und mit viel Herzblut gemacht. Doch ganz wichtig war mir immer eine gute Zusammenarbeit mit meinen Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern“, sagt der Ruheständler, der immer sein grünes Notiz-Büchlein und die braune Pfeife dabei hatte – Fedtkes Markenzeichen.

Die eigenen Abläufe vor und nach dem Spiel ähnelten sich, alles war Routine. „Natürlich beschäftigt man sich mit den beiden Mannschaften, schaut auf den Tabellenstand und einige Dinge am Rande. Ich habe mich vor dem Anpfiff stets mit dem Schiedsrichter-Team in der Kabine getroffen. Da war eher Small Talk und zum Teil kennenlernen angesagt“, berichtet Fedtke. Nach dem Abpfiff gab er dem Referee-Gespann die erforderliche Zeit, um sich zu sammeln. „Ich bin nie direkt nach Spielschluss in die Kabine gestürmt. War das Spiel stressig und emotional, habe ich länger gewartet, um dann meine Analyse ab- zugeben“, sagt Berthold Fedtke.

Nie direkt nach dem Abpfiff in die Kabine

Wie sich die Begegnungen mit dem Beobachter an einem Spieltag anfühlten, weiß kaum einer besser als Felix Bahr. Der Ahlerstedter unterstreicht, dass Fedtke nicht nur sehr gut bei der jungen Garde seiner Zunft ankam und gerne mit Rat und Tat zur Seite stand. Der Regionalliga-Schiedsrichter wurde zum großen Fan seines Bosses, tauschte sich gerne an Spieltagen oder telefonisch mit ihm aus. „Er ist bei den Beobachtungen stets pro Schiedsrichter, lässt das in die Bewertung einfließen, was er gesehen hat. Er hat ein gutes Einfühlungsvermögen, kommt sehr gut rüber. Ich hatte eine ganz enge Verbindung zu ihm, er war für alles offen“, sagt Bahr.

Und der 26-Jährige sah sich auf der Halbjahrestagung des Bezirks 2020 in Verden noch einmal in seinem Urteil bestärkt. Dort würdigten gut 80 Schiedsrichter das Lebenswerk ihres scheidenden Chefs mit Standing Ovations. „Als sich alle von den Plätzen erhoben und applaudierten, zeigte sich Berthold sehr gerührt und war den Tränen nahe“, schildert Bahr. In der Tat war es ein bewegender Moment für Berthold Fedtke. „Das war sehr emotional, als sich die große Schiedsrichter-Familie erhob und applaudierte. Ich habe einen tollen Abend erlebt und glaube, dass ich in all den Jahren nicht so viel falsch gemacht haben kann“, betont er. Oben drauf gab es für ihn noch eine überraschende Videobotschaft von Harm Osmers (Hannover/SV Baden), der bei Borussia Dortmund im Signal Iduna Park als Referee im Bundesligaeinsatz war. „Harm hatte versprochen, an unserer Veranstaltung in Verden teilzunehmen. Doch dann erhielt er die Ansetzung zum Spiel in Dortmund. Mit der Video-Botschaft hat er mir ein tolles Geschenk gemacht. Davon war ich total begeistert. Die Nachricht werde ich mir aufheben“, schwärmt der pensionierte Polizeibeamte.

Von Manfred Krause

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