Jannis Niestädt erforscht leistungsorientierten Amateurfußball zu Coronazeit

Die Pandemie unter der Lupe

Jannis Niestädt forschte vor allem bei seinem Ex-Club Rotenburger SV.
+
Jannis Niestädt forschte vor allem bei seinem Ex-Club Rotenburger SV.

Rotenburg – Langeweile im Frühjahr trotz der Fußballpause? Auf keinen Fall! „Ich hatte wirklich sehr viel zu tun“, sagt Jannis Niestädt. Der Ex-Spieler des Rotenburger SV hat die Coronapandemie genau unter die Lupe genommen und seine Bachelorarbeit in seinem Studiengang Sport- und Eventmanagement zum Thema „Leistungsorientierter Amateurfußball zu Krisenzeiten am Beispiel von Corona“ geschrieben. Dafür hat der Hellweger auch bei seinem ehemaligen Verein, den RSV, hinter die Kulissen geschaut.

Der Verein an der Wümme passte perfekt, da er für Niestädt zum leistungsorientierten Fußball gehört. „Da zählen laut meiner Definition alle Spielklassen oberhalb der Kreisliga bis zu der 3. Liga zu.“ Er suchte sich gerade diesen Bereich aus, da der Defensivmann seine gesamte Laufbahn in den von ihm untersuchten Ligen als Spieler aktiv ist.

So interviewte er für die Forschung unter anderem RSV-Präsident Peter Grewe und Jörg Niepel als Sponsoring-Chef. Zudem befragte der Innenverteidiger auch Philipp Mohr als Teammanager des Hamburger Landesligisten SV Altengamme und den ehemaligen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel. Der Ex-Boss des Deutschen Fußball-Bundes vermittelte Niestädt zudem an Willi Hink weiter. Der ist DFB-Direktor für den Amateurfußball. „Seine Hilfe hat mir bei der Arbeit ultimativ weitergeholfen. Er kam immer wieder ungefragt auf mich zu und hat neue Ansätze geliefert“, bedankt sich Niestädt beim Unterstützer Grindel.

Auf die Idee des Themas war der langjährige Leistungsträger des Rotenburger SV, der im Sommer zum Bremer SV gewechselt ist, „weil ich fußballverrückt bin und einfach etwas erforschen wollte, was mir Spaß macht und mir einen Mehrwert bringt.“

Im April gab der 26-Jährige sein Exposé in der Uni Hamburg ab, bis zum 10. Juli musste die Bachelorarbeit eingereicht werden. Auf den inklusive Anhang 120 Seiten ging Niestädt auf seine beiden Forschungsfragen ein. Zum einen ging es um die Frage: „Welche Herausforderungen bringt Corona im leistungsorientierten Amateurfußball mit?“. Später erweiterte der Hellweger seinen Ansatz: „Welche Handlungsempfehlungen sind für die Vereine auszusprechen in einer Krisenzeit?“

In den insgesamt zehn Kategorien der Arbeit hat Niestädt als Fazit Tipps für die Clubs verfasst. Am wichtigsten ist aus seiner Sicht: „Das Ehrenamt muss man viel mehr stärken.“ Viele Vereine im leistungsorientierten Amateurfußball würden bereits für Mitarbeiter Geld zahlen und nun in einer Krisenzeit diese Angestellten in Kurzarbeit schicken oder kündigen. „Deshalb sind die Ehrenamtler so wichtig. Sie bringen die Vereine weiter nach vorne – auch in finanziellen Notlagen.“

Zudem schlägt der Innenverteidiger eine Veränderung im Bezahlsystem für Spieler und Trainer vor. „Man sollte die Gehälter grundsätzlich komplett von Einnahmen und Erfolg abhängig machen. Ohne Spiele und Siege gibt es also kein Geld. Da findet spätestens jetzt ein Umdenken statt.“ Neben der Reduzierung der Fixkosten und Abhängigkeiten sollen die Vereine bei ihren Kadern darauf achten: „Söldner bringen weder Zuschauer, noch engagieren sie sich und bringen den Verein nicht so weiter wie langjährige Spieler.“

Die Ansätze von Niestädt fanden an der Uni Gehör. Inzwischen hat der glühende Schalke-Fan das Ergebnis für seine Arbeit bekommen: eine 2,0. „Ich bin ziemlich zufrieden damit. Im Nachhinein war es aber echt hart, weil sich so vieles immer wieder schnell verändert hat in der Zeit“, blickt Niestädt zurück. Für die aktuelle Coronapause im Fußball hat er sich übrigens wieder eine Tätigkeit gesucht. Niestädt hat sich für einen passenden Masterstudiengang umgeschaut, Bewerbungen an die Unis verschickt und arbeitet nebenbei noch in der familiären Pension in Hellwege mit. Langweilig ist ihm also erneut nicht.

Von Vincent Wuttke

Reinhard Grindel

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

SG Westerholz/Hetzwege: Milbrandts erster Tapetenwechsel

SG Westerholz/Hetzwege: Milbrandts erster Tapetenwechsel

SG Westerholz/Hetzwege: Milbrandts erster Tapetenwechsel
Schwartz und Pakulat verpassen den Saisonstart

Schwartz und Pakulat verpassen den Saisonstart

Schwartz und Pakulat verpassen den Saisonstart
Althausen im Zentrum der Dreierkette

Althausen im Zentrum der Dreierkette

Althausen im Zentrum der Dreierkette
TV Sottrum vergibt zu viele Chancen und verliert beim TuS Sudweyhe

TV Sottrum vergibt zu viele Chancen und verliert beim TuS Sudweyhe

TV Sottrum vergibt zu viele Chancen und verliert beim TuS Sudweyhe

Kommentare