Auch Schiedsrichter haben sich „gemessen“

Sport vor 50 Jahren: Die Hochzeit der Kreisauswahl

Zwei Fußballer im Zweikampf um den Ball.
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4:0-Sieg gegen den FC Rotenburg: Die Kreisauswahl der Herren konnte sich am 1. Mai 1971 im Testspiel durchsetzen. Archiv

Vor 50 Jahren gab es die Auswahlmannschaften der Herren noch. Bei Turnieren haben die Besten der Kreise gegeneinander gespielt. Heute sucht man sie vergebens.

Rotenburg – Zur Förderung und Sichtung führt der Bezirk Lüneburg im Bereich der D-Junioren immer wieder Leistungsvergleiche für Spieler, die nicht in den Stützpunkten aktiv sind, durch. Hinzukommt, dass die Kreise unter eigener Regie Turniere für die E-Junioren veranstalten. Im Herrenbereich? Fehlanzeige. Anders war das vor 50 Jahren. „Damals war die Bedeutung der Kreisauswahlmannschaften noch viel größer. Außerdem gab es in jeder Jugend und bei den Herren in jeder Spielklasse eine Auswahl“, erinnert sich Peter Krüger, stellvertretender Vorsitzender im Fußball-Kreis Rotenburg.

Bereits Anfang der 1960er-Jahre stellte der Kreisspielausschuss – in den 1970ern dann unter dem Vorsitz von Günter Rimkus – am Ende einer Saison eine Auswahlmannschaft aus den besten Spielern des Altkreises zusammen, die sich in Testspielen und zeitweise auch auf Turnieren mit anderen Fußballkreisen gemessen haben. „Der Ort dieser Wettkämpfe wechselte von Jahr zu Jahr unter den verschiedenen Kreisen. Das letzte Turnier, an dem eine Rotenburger Kreisauswahl teilnahm, fand in Elsdorf statt“, erzählt Krüger. Die Freundschaftspartien wurden oftmals gegen Vereine oder sogenannte „Kombinationen“ aus der Region ausgetragen – wie am 1. Mai 1971.

Nominierung der Auswahl-Kader

Für die Spiele der Jugend- und Herrenauswahl, die in Brockel stattfanden, wurden bereits etwa drei Wochen zuvor die Kader nominiert. Bei den Herren der 1. und 2. Kreisklasse im Tor: Böhling (TuS Kirchwalsede); in der Abwehr (damals Hintermannschaft): Behrens (TSV Bötersen), Heins und von Fintel (beide TuS Fintel), Lühmann und Peters (beide GW Helvesiek), L. Hübner (SV Horstedt); im Sturm: Heitmann (TV Sottrum), Schuhmacher (TSV Bötersen, am 1. Mai nicht berücksichtigt), Hubertus Klawun (TuS Kirchwalsede), Behrens (TuS Fintel), Seyer und Hübner (SV Horstedt), Ruschmeyer (TSV Kirchwalsede). Sie trafen auf den FC Rotenburg und gewannen mit 4:0. Für die Tore sorgten Ruschmeyer und der Dreifach-Schütze Hubertus Klawun (3). „Daran kann ich mich zwar nicht mehr genau erinnern. Aber insgesamt war es eine schöne Zeit mit der Auswahl, an die ich gerne zurückdenke“, sagt Klawun.

Mit einem 2:2-Unentschieden gegen die „Kombination“ TuS Brockel/TuS Hemslingen musste sich die Juniorenauswahl hingegen begnügen. Die Tore der Auswahl schoss Rathjen. Neben ihm liefen auf: Im Tor: Behrens (TSV Bötersen); in der Abwehr (Hintermannschaft): Fresen (SV Horstedt), Lühmann (SV Schwitschen), Antonius Klawun (TuS Kirchwalsede), Lüdemann und Windzio (beide SV Vahlde); im Sturm: Schloo (TuS Reeßum), Bruns und Rathjen (beide TuS Westerholz), Damrose (SV Horstedt), Brase (SV Vahlde), Grobrüg (GW Helvesiek), Vahjen (TuS Hemsbünde).

Kuriose Testspiele in der Jugend

Bei weiteren Testspielen der Auswahlen 1971 ging es teilweise durchaus kurios zu. So verloren die D-Jugendlichen nach einer 5:1-Pausenführung noch mit 6:7 gegen die D-Jugendkombination aus Rot-Weiß Scheeßel/TuS Reeßum. Eine andere Juniorenauswahl drehte stattdessen einen 0:2-Rückstand gegen die Landesligaelf des FC St. Pauli zum 4:2-Endstand.

In den Folgejahren kam es zunächst dazu, dass es bloß nur noch eine Kreisauswahl in Rotenburg im Herrenbereich gab, die aus Spielern von der Kreisklasse bis hoch zur Bezirksklasse bestand. Aber auch dies war nur von kurzer Dauer, denn immer häufiger „stellten höher spielende Mannschaften wie Scheeßel und Lauenbrück ihre Spieler nicht mehr für die Auswahlen ab – unter anderem wegen der Verletzungsgefahr. Dadurch waren nur noch Spieler bis maximal zur Kreisliga dabei“, erinnert sich Peter Krüger und führt fort: „Nach der Zusammenlegung der Fußballkreise Bremervörde und Rotenburg im Jahr 1979 wurden Anfang der 1980er die Auswahlmannschaft der Herren eingestellt, weil es zu wenig Kreise im Bezirk Lüneburg gab, die Teams für die Turniere gestellt haben.“ Andere Kreise hätten anstatt der Kreisauswahlmannschaft teils nur noch „richtige“ Vereine schicken wollen. „Das war ja nicht der Sinn der Veranstaltung.“

Derartige Vergleichsturniere fanden auch bei den Schiedsrichtern statt. Hubertus Klawun, der nicht nur für den TuS Kirchwalsede spielte, sondern auch pfiff, weiß das noch ganz genau: „Wir sind mit den besten Schiedsrichtern des Kreises zu diesen Turnieren gefahren, um uns mit den Kollegen anderer Kreise zu messen. Unsere Mannschaft hat Werner Franz (damaliger Obmann bei Rot-Weiß Scheeßel, Anm. d. Redaktion) zusammengestellt.“

Noch heute testen die Unparteiischen ihr fußballerisches Können und duellieren sich auf und mittlerweile auch neben dem Platz. Denn: In diesem Jahr fand erstmals ein eFootball-Jung-Schiedsrichterturnier des Niedersächsischen Fußball-Verbandes statt, an dem mit Jonas Jungert auch ein Rotenburger teilnahm. Der Sport geht also auch mit der Zeit.

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