Die Angst vorm Mannschaftssterben

Noch sind die Tornetze nicht wieder heruntergelassen. Die Vereine müssen aber bis zum Sonntag ihre Mannschaften melden. 
Foto: Freese
+
Noch sind die Tornetze nicht wieder heruntergelassen. Die Vereine müssen aber bis zum Sonntag ihre Mannschaften melden.

Die Vorahnung scheint sich zu bestätigen. „Ich befürchte, dass es zu einem Einbruch der Mannschaften an der einen oder anderen Stelle kommt“, meint Uwe Schradick, der Fußball-Kreisvorsitzende. Auch wenn das Meldefenster für die Vereine noch bis Sonntag geöffnet ist, deuten die bisherigen Zahlen darauf hin, dass viel weniger Teams nächste Saison dabei sind. Die Auswirkungen der Corona-Krise?

Für Frank Michaelis, den Vorsitzenden des Spielausschusses im Fußball-Kreis Rotenburg, ist es nur ein Mausklick – dann ist er auf dem neuesten Stand. Bis Dienstagabend waren exakt 86 Herrenmannschaften für die nächste Saison angemeldet. Bliebe es dabei, wäre das ein Rückgang von rund 40 Prozent, denn in der nun vor dem Abbruch stehenden Saison 2019/2020 waren 147 Teams von der Oberliga bis runter zur 4. Kreisklasse an den Start gegangen.

Bisher ist Michaelis recht gelassen. „Ich habe noch mal alle Vereine angeschrieben. Dass viele Last Minute melden, ist normal“, sagt der Lauenbrücker aus Erfahrung. Bisher habe sich auch noch kein Team bei ihm explizit aus dem Spielbetrieb verabschiedet. Dennoch rechnet er mit weniger Teams. Allerdings „nicht unbedingt wegen der Corona-Krise. Es werden sich ein paar Vereine zu Spielgemeinschaften zusammentun (zwei Anträge liegen vor, Anm. d. Red.) und manche wie in jedem Jahr durch das Rost fallen.“

Dass die Pandemie und die daraus resultierende fußballfreie Zeit aber durchaus Auswirkungen haben wird, glaubt auch Michaelis – und zwar bei den Altsenioren. „Der Bereich macht mir schon Sorge. Ich weiß nicht, ob da alle wiederkommen.“ Hier dürfte sich der allgemeine Trend verschärfen, was auch die bisherigen Meldungen untermauern. Von bisher 54 Oldie-Teams haben sich erst 24 – also 44 Prozent – entschieden, in der neuen Saison wieder anzutreten.

Da wartet womöglich einiges an Arbeit auf Michaelis und seine Mitstreiter im Ausschuss. „Erfahrungsgemäß werden wir den einen oder anderen anrufen. Viele haben es nicht in der Optik, weil sie noch gar nicht an Fußball denken und gar nicht wieder trainieren“, rechnet Michaelis mit einem Mehraufwand.

Bei der Einteilung der Staffeln muss er ohnehin den 27. Juni abwarten. An diesem Tag soll auf dem außerordentlichen Verbandstag entschieden werden, ob die Saison tatsächlich abgebrochen wird. Erst dann schaut auch der Fußball-Kreis, was das für seine Ligen konkret bedeutet. Allzu große Auswirkungen in puncto Staffelgröße, wie auf Bezirks- und Verbandsebene, hat es im Kreis aber nicht, auch wenn es nur Aufsteiger und keine Absteiger – wie vom Niedersächsischen Fußballverband (NFV) geplant – geben würde.

Die Kreisliga wäre die Staffel mit den meisten Teams. „Ich gehe von 17 aus“, sagt Michaelis. Voraussetzung ist, dass die Meister und Vizemeister der 1. Kreisklassen ihr Aufstiegsrecht wahrnehmen. Der Veeser FC, Zweiter der Süd-Staffel, hat sich allerdings noch nicht entschieden. „Wir werden drei Mannschaften melden, aber über die Aufstiegsthematik wollen wir am Wochenende ein letztes Wort sprechen“, verrät der Vereinsvorsitzende Markus Weseloh. Er übt gleichzeitig vorsichtig Kritik am vorgegebenen Meldefenster. „Ich finde es unglücklich, dass wir schon melden müssen und eine Woche später ist der Verbandstag, wo erst entschieden wird, was mit der Saison passiert.“

Frank Michaelis hat jedenfalls nichts dagegen, wenn Veese oder ein anderer Verein lieber in seiner Klasse verbleiben möchte: „Wir werden nicht böse, wenn jemand nicht aufsteigen will“, betont er. Zudem macht er deutlich, dass er von Aufteilungen der Ligen in weitere Staffeln möglichst absehen möchte. „Das wäre das allerletzte Mittel. Ich gehe davon aus, dass die Kreise in ihrer Spielplangestaltung einigermaßen frei bleiben.“ Es hängt aber letztlich auch davon ab, wann die Saison tatsächlich starten kann. Michaelis glaubt: „Schwierig wird es nur, wenn wir im September noch nicht spielen können.“

Von Matthias Freese

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Leverkusen startet mit Rekordsieg gegen Nizza

Leverkusen startet mit Rekordsieg gegen Nizza

Welche Kanareninsel ist die richtige für mich?

Welche Kanareninsel ist die richtige für mich?

Urlaub zwischen Pyramiden und Palmen auf Yucatán

Urlaub zwischen Pyramiden und Palmen auf Yucatán

Nach Gnabry-Schreck: Perfekter Bayern-Start gegen Atlético

Nach Gnabry-Schreck: Perfekter Bayern-Start gegen Atlético

Meistgelesene Artikel

Positiver Test: Corona-Fall beim Rotenburger SV II

Positiver Test: Corona-Fall beim Rotenburger SV II

Positiver Test: Corona-Fall beim Rotenburger SV II
Der „alte Mann“ und das Mehr: Björn Mickelat mischt mit fast 40 Jahren die Oberliga auf

Der „alte Mann“ und das Mehr: Björn Mickelat mischt mit fast 40 Jahren die Oberliga auf

Der „alte Mann“ und das Mehr: Björn Mickelat mischt mit fast 40 Jahren die Oberliga auf
„Doppel D“ – Wissen mit Witz

„Doppel D“ – Wissen mit Witz

„Doppel D“ – Wissen mit Witz
Vierfacher Corona-Verdacht: „Vissel“ verzichtet auf die Punkte und tritt nicht an

Vierfacher Corona-Verdacht: „Vissel“ verzichtet auf die Punkte und tritt nicht an

Vierfacher Corona-Verdacht: „Vissel“ verzichtet auf die Punkte und tritt nicht an

Kommentare