DFB-Schatzmeister aus Rotenburg äußert sich nicht zur Korruptionsdebatte

Grindel schweigt

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Reinhard Grindel (l.) und Wolfgang Niersbach bei der DFB-Mitgliederversammlung vor zwei Jahren. Das Motto damals, zur Freude der damals Gewählten: „Fußball ist Zukunft“.

Rotenburg - Von Matthias Freese. Am Freitag schritt Reinhard Grindel an der rechten Seite von Wolfgang Niersbach zur Ausstellungs-Eröffnung ins neue Fußball-Museum in Dortmund. Ob der Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bundes auch in der aktuellen Affäre zum Präsidenten steht oder auf Distanz geht – dazu äußert sich der Rotenburger aktuell jedoch nicht. Fragen der Redaktion bleiben unbeantwortet.

Über DFB-Mediendirektor Ralf Köttker ließ er mitteilen: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns weiterhin auf die gemeinsame Erklärung des DFB-Präsidiums vom vergangenen Freitag beschränken möchten und zunächst abwarten, zu welchen Ergebnissen die Prüfung des Sachverhalts durch die Wirtschaftskanzlei Freshfields kommt. Danach wird Herr Grindel dazu gerne Stellung beziehen.“

Ähnlich klang es am Dienstag, als der DFB in einer Presseerklärung verlauten ließ, dass die „international renommierte Kanzlei“ die Vorwürfe im Zusammenhang mit der WM 2006 „unabhängig und umfassend“ prüfen werde. Dabei gehe es auch darum, zu klären, „welche (ehemaligen) Organmitglieder und Mitarbeiter des DFB jeweils und ab wann Kenntnis von den jeweiligen Vorgängen hatten“. Dazu gibt es bislang sehr widersprüchliche Angaben. Grindel selbst wird als Vertreter des DFB-Präsidiums gegenüber der Kanzlei mit den Worten zitiert: „Wir werden die externe Prüfung vollumfänglich unterstützen und der Kanzlei alles zur Verfügung stellen, was zu einer lückenlosen Aufklärung beitragen kann. Wichtig ist es, eine verlässliche Faktenlage zu bekommen. Mit Blick auf die Werthaltigkeit der weiteren Befragungen verbieten sich Veröffentlichungen. Sobald ein belastbarer Stand vorliegt, werden wir ihn im Präsidium bewerten und transparent darüber informieren.“

Rückblende, 15. Oktober: Der Bundestag beschließt das Gesetz gegen Korruption – und der CDU-Bundestagsabgeordnete Reinhard Grindel hält dazu eine fast sechsminütige Rede im Reichstag. Einen Tag später geht „Der Spiegel“ mit seinen Korruptionsvorwürfen aufgrund der WM-Vergabe 2006 an die Öffentlichkeit und nimmt DFB-Präsident Niersbach ins Visier. Alles, was bis dahin von Schatzmeister Grindel die Runde macht, ist eine Äußerung, die er der Rheinischen Post gegenüber tätigt.

Nach eigenem Bekunden habe er von den internen Untersuchen beim Verband erst am 16. Oktober erfahren. Niersbach habe in einer Telefonkonferenz dem Präsidium mitgeteilt, dass er bereits im vergangenen Sommer interne Ermittlungen eingeleitet habe, um den Verbleib von 6,7 Millionen Euro zu klären. „Ich habe über diesen Umstand natürlich mit Wolfgang Niersbach gesprochen“, sagt Grindel. Der „Stern“ deutet es so: „Niersbach outete Grindel damit als eine Art Frühstücksdirektor für Finanzen, der von nichts weiß und den der Präsident außen vor ließ.“

Eine erste schriftliche Interview-Anfrage unserer Zeitung vom 18. Oktober lehnte Grindel ab. Und auch der aufgrund der jüngsten Entwicklungen überarbeiteten Version des Fragenkatalogs erteilte der DFB-Mediendirektor am Montag dieser Woche vorläufig eine abschlägige Antwort.

Dabei hatten wir einige Fragen anlässlich der Korruptionsvorwürfe an ihn gerichtet, deren Beantwortung auch die Öffentlichkeit und die Fußball-Basis interessiert hätte. „Sind Sie davon überzeugt, dass bei der WM-Vergabe 2006 alles sauber zugegangen ist und wenn ja, was macht Sie trotz der vehementen Vorwürfe so sicher?“, wollten wir wissen. „Steht das DFB-Präsidium geschlossen hinter Niersbach?“, fragten wir nach. „Es bleibt die ominöse Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro an die Fifa. Haben Sie eine plausible Erklärung dafür?“, „Ist es jetzt nicht auch Ihre Aufgabe als Schatzmeister, den Geldfluss während dieser Zeit zu rekonstruieren? Und was tun Sie, um den Sachverhalt aufzuklären?“, „Lässt Franz Beckenbauer Niersbach hängen?“ und „Wenn Niersbach schon länger davon gewusst hat, ist er dann noch als DFB-Präsident tragbar und taugt er für höhere Aufgaben im Weltfußball oder ist sein Ansehen schon beschädigt?“, lauteten weitere Fragen. Aber auch: „Stehen sie als Präsident zur Verfügung, wenn Niersbach zurücktreten muss?“

In diesem Fall gilt Grindel jedenfalls als aussichtsreicher Nachfolge-Kandidat, auch weil er nicht zur alten „Clique“ zählt und erst seit Oktober 2013 im DFB-Präsidium sitzt. Doch Grindel schweigt inhaltlich auch dazu. Kommentare auf seinen Facebook-Post zum Korruptions-Gesetz im Bundestag lässt er unbeantwortet. „Gilt das Gesetz gegen Korruption denn jetzt auch im Bereich des Fußballs?“, fragt dort ein User. Dafür antwortet an dieser Stelle Werner Hölldobler, einst Vorsitzender des Kreissportbundes Rotenburg: „Der Redner ist ja auch DFB-Schatzmeister ... könnte ja durch Einblick in alte Unterlagen zur Aufklärung der Anschuldigungen beitragen.“

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