Werbung vor der WM und vor Ort

Eine Viertelstunde mit dem DFB-Präsidenten

Ungewöhnlicher Ort für einen Pressetermin: DFB-Präsident Reinhard Grindel vor dem Werbeschild auf dem Grünstreifen an der Verdener Straße in Rotenburg. - Foto: Freese
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Ungewöhnlicher Ort für einen Pressetermin: DFB-Präsident Reinhard Grindel vor dem Werbeschild auf dem Grünstreifen an der Verdener Straße in Rotenburg.

Rotenburg - Von Matthias Freese. Die schwarze Limousine mit Stuttgarter Kennzeichen ist exakt sechs Minuten zu spät. Reinhard Grindel wendet auf der Verdener Straße, dann stellt er den Mercedes in der Parkbucht der Bushaltestelle ab, ein Trikot der Nationalmannschaft in der Hand.

Dabei geht es an diesem warmen Donnerstagmorgen auf dem breiten Grünstreifen, der längst nicht mehr grün leuchtet, in erster Linie gar nicht um „Jogi“ und seine Jungs. Der in Rotenburg beheimatete Präsident des Deutschen Fußball-Bundes ist da, um seinem Heimatverein ein wenig bei der Werbung zu helfen.

Die offiziellen Schilder für das Freundschaftsspiel zwischen dem Rotenburger SV und der Traditionself von Werder Bremen sind eingetroffen und bereit, auf die Partie am 9. September hinzuweisen. Zunächst aber nur für das Foto mit Grindel – und einer Handvoll weiterer Unterstützer aus der Kreisstadt. Der Bürgermeister musste absagen, der Landrat ebenfalls. Aber Grindels ehemaliger Büroleiter, der jetzige Landtagsabgeordnete Eike Holsten (CDU) ist gekommen. Sponsorenvertreter, Freunde des RSV ebenfalls. Fotos mit dem Präsidenten – gerne. Alle sind rechtzeitig da.

Paul Metternich, der nimmermüde Antreiber dieser ganzen Aktivitäten, hat die zwei Schilder längst in ihre Vorrichtungen geschoben, sich noch eine kurze, schattige Pause auf der Kante des geöffneten Transporters gegönnt, ehe der Trubel beginnt. Direkt an der Straße, wo die vorbeirauschenden Laster immer wieder das Gespräch stören. Nur einer fehlt noch. Es ist drei Minuten nach der verabredeten Zeit – kein Grund zur Beunruhigung. Metternich greift trotzdem zum Handy und klingelt bei Grindel durch. Entwarnung. „Unser Präsident“, wie der RSV-Sponsorensucher und -finder stets betont, komme gleich.

„Guter Start ist wichtig“

In der Tat. Kurze Begrüßung, dann das Foto vor der Werbung. Noch Fragen? Ja, einige. Jetzt geht es doch mehr um „Jogi“ und die anstehende Weltmeisterschaft. „Es ist schon wichtig, dass wir gegen Mexiko gut starten“, betont Grindel. Schließlich sei das Luschniki-Stadion in Moskau, in dem die Deutschen ihr erstes Spiel bestreiten, ja auch die Arena, in der das Endspiel zur Austragung kommt. „Ein wundervolles Stadion, das mich auch an das Olympiastadion in Berlin erinnert“, schwärmt Grindel. „Da wird bei unserer Mannschaft hoffentlich gleich die notwendige WM-Stimmung aufkommen.“

Richard Steckhan, der einstige Manager des RSV und aktuelle Vorsitzende des SV Westerwalsede, ist auch da. Er ist ganz offensichtlich ein Fürsprecher von Nils Petersen. Der wurde bekanntlich nicht für den endgültigen WM-Kader nominiert. Ob er womöglich für Mesut Özil reinrücken könne, wenn der wegen seiner Kniebeschwerden doch noch ausfalle, will er nun wissen. „Ob das die unmittelbare Alternative ist, weiß ich nicht“, bleibt Grindel defensiv und verteidigt Löws Entscheidung gegen den Freiburger Stürmer. „Jogi schaut ihn sich ja nicht nur bei den Spielen an, sondern auch bei den Trainingseinheiten. Insofern war es ein Gesamteindruck.“ Und kurze Zeit später lobt er den Bundestrainer: „Er hat eine unglaubliche Begabung, zu erkennen, wer der Mannschaft helfen kann.“

Voller Terminplan

Für Grindel geht es jetzt zwei Tage nach Leverkusen, dort steht noch das Testspiel gegen Saudi-Arabien an. Direkt im Anschluss daran ist die Auslosung zur ersten Runde im DFB-Pokal – Grindel ist Ziehungsleiter. Am Sonntag geht es für ihn bereits nach Moskau, am Montag steht die Fifa-Council-Sitzung an. Einige Sitzungen mit den Konföderationen in seiner Funktion als Uefa-Vizepräsident folgen. „Auch über die 25-Milliarden-Offerte werden wir diskutieren“, verrät Grindel. Hierbei handelt es sich um ein Angebot an die Fifa zum Verkauf der Club-WM und einer möglichen globalen Nations League. 

Weiter geht es am 13. Juni mit dem Fifa-Kongress und der Eröffnungs-Pressekonferenz mit Löw, am 14. sitzt der DFB-Boss dann beim Eröffnungsspiel zwischen Russland und Saudi-Arabien auf der Tribüne. Passend dazu die kleine Anekdote, die er auf dem Rotenburger Grünstreifen zum Besten gibt: „Als ich neulich in der russischen Botschaft zu Gast war, habe ich in meiner Rede gesagt, dass ich davon ausgehe, dass auf der Tribüne in Leverkusen sicher zahlreiche russische Spione sitzen werden.“ Nun waren wohl nicht alle Russen so fußballfachkundig und manche vielmehr irritiert. „Einige haben die Ironie nicht verstanden und sind zusammengezuckt.“ Bis Aufklärung geleistet wurde – Grindel hatte natürlich nur die Scouts gemeint.

Ein Treffen mit Russlands Staatspräsident Wladimir Putin ist während der WM übrigens nicht explizit geplant. Hängt vielleicht auch vom Zufall und dem Turnierverlauf ab. Grindel sagt nur: „Es ist nicht abzusehen, dass ich ihn sehen werde.“ Dann ist es auch genug mit den Fragen. Nach einer guten Viertelstunde muss der Präsident wieder los. Nächster Termin. Er steigt in seine schwarze Limousine und düst davon.

Als er fort ist, werden auch die Werbeschilder entfernt und zurück in den RSV-Transporter gelegt. Die Banner für das Stadtradeln und den Rotenburger Zehner kommen wieder zum Vorschein. Paul Metternich hatte erst am Morgen die Nachricht bekommen, dass er nun doch noch einige Tage warten muss, ehe für sein Fußballspiel geworben werden darf. Aber das Foto mit dem Präsidenten ist ja schließlich im Kasten. Alles gut also.

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