Der Widerstand der Basis wächst

Fußball trotz Corona? Sechs Vereine aus der 1. Fußball-Kreisklasse fordern geschlossen den Saisonabbruch

Zwei Spieler klatschen sich ab.
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Auf dem Feld sind die Lokalrivalen Veeser FC und GW Helvesiek (hier eine Szene aus dieser Saison) nicht immer einer Meinung. Geht es um die Annullierung der Spielzeit, demonstrieren sie jedoch Einigkeit.

Noch hält der Niedersächsische Fußballverband (NFV) an seinem Vorhaben, die Saison fortzusetzen, hartnäckig fest. Doch der Widerstand an der Basis wächst. Auch im Kreis Rotenburg. Hier schrieben einige Vereine an den Fußball-Kreis.

  • Sechs Vereinen aus der 1. Fußball-Kreisklasse reicht es.
  • Sie fordern wegen der Corona-Pandemie den Saisonabbruch.
  • Der Fußball-Kreis reagiert.

Rotenburg ‒ Im Kreis Rotenburg haben sechs Vereine aus der 1. Kreisklasse Süd einen Brief verfasst und sich für einen Abbruch ausgesprochen. Adressaten waren Uwe Schradick und Frank Michaelis, also der Vorsitzende und der Spielausschuss-Boss des Fußball-Kreises. „Das sind berechtigte Sorgen“, sagt Michaelis, der „das Gros“ der Argumente teilt.

Hinter der Stellungnahme und der Forderung nach einer Annullierung stecken der Veeser FC, der SV GW Helvesiek, der SV RW Scheeßel, der Bartelsdorfer SV, der TuS Fintel und der MTV Jeddingen. Die jeweiligen Vorsitzenden Markus Weseloh, Florian Dittmer, Carsten Tietjen, Mark Meyer, Eckart Beneker und Peer Leefers haben unterzeichnet. „Wir haben das relativ schnell entwickelt. Zwei andere Vereine haben in der Kürze der Zeit nicht mehr reagiert, der FC Nordheide ist anderer Meinung“, erklärte der Veeser Markus Weseloh auf Nachfrage und betonte, dass diese Umfrage nur in der 1. Kreisklasse Süd gestartet worden war. „Wir sind zwar noch keine 50 Prozent, wollten unsere Bedenken aber äußern.“

Eine Antwort haben die Vereine bereits bekommen. Mit dem für sie erwarteten Ergebnis. „Der Tenor war: Wir können das als Kreis nicht selbstständig entscheiden, wir sind auf den NFV angewiesen“, fasst es Michaelis zusammen. „Es war ja schon komplex genug, die Verlängerung durchzubekommen.“ Den Unterzeichnern ist durchaus bewusst, dass der Kreis „da keine Entscheidung treffen kann und wird“. Sie verstehen den Brief, so Weseloh, auch nicht als Kritik am Fußball-Kreis und betonen: „Viele andere Vereine mögen das durchaus anders sehen. Vielleicht ist es aber mal an der Zeit, die Basis, also die Vereine im NFV, zu befragen, und nicht ,nur‘ die Kreisverbände.“ Sie können „nicht nachvollziehen, dass eine Saison in der aktuellen Pandemie auf Biegen und Brechen fortgesetzt werden muss.“ Hierzu führen sie insgesamt acht Gesichtspunkte auf. Angefangen bei der Verantwortung gegenüber den Arbeitgebern: „Seit Monaten sind bis auf Weiteres viele unserer Spieler, Trainer, Ehrenamtlichen etc. im Homeoffice, damit die Kontakte so gering wie möglich gehalten werden und um das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Aber am Sonntag dürfen wir dann alle gemeinsam Fußball spielen, gemeinsam die Kabinen, Sanitärräume etc. nutzen, getreu dem Motto ,sonntags hat Corona frei‘? Das steht in unseren Augen in keinem Verhältnis“, heißt es.

Zudem verweisen sie auf vorhandene Hygienekonzepte, die in der Praxis aber nicht immer umsetzbar seien, zum Beispiel wegen zeitlicher Überlappungen. Und sie fragen: „Was machen denn die ganzen Leute, wenn Stadien, Restaurants etc. geschlossen sind – richtig, sie kommen zum Sportplatz. 150 Zuschauer bei einem Punktspiel in der 1. Kreisklasse Süd waren keine Seltenheit. (...) Wer kann/soll das verantworten?“

Niedersachsen verlängert, Sachsen-Anhalt bricht ab

Während der Vorstand des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) nun auch offiziell – im Umlaufverfahren – die Verlängerung der Saison bis 21. Juli beschlossen und dementsprechend die Wechselperiode (Spielerlaubnis für Pflichtspiele erst ab 22. Juli) geändert hat, geht der Fußballverband Sachsen-Anhalt (FSA) einen ähnlichen Weg wie Hamburg sowie Schleswig-Holstein und bricht nach einer Vorstandssitzung den Spielbetrieb auf Landesebene im Herrenbereich ab. Absteiger werden „grundsätzlich nicht ermittelt“, teilt der Verband mit und erklärte: „Der Beschluss spiegelt auch das Meinungsbild der in einer Umfrage befragten Vereine der Spielklassen auf Landesebene wider. Von 122 Teilnehmern stimmten 90 Vereine für dieses Szenario.“

Auch eine Saisonverlängerung bis zum 21. Juli lehnen die sechs Vereine ab, da ihnen die Pause zwischen aktueller und kommender Saison zu kurz sei und sie deshalb Abmeldungen diverser Spieler befürchten. Englische Wochen würden wiederum in kürzester Zeit zu Quarantänen führen, „sollte es zu einem Covid-19-Fall kommen“. In puncto Schnelltests stelle sich die Frage nach Verantwortung, Durchführung, Dokumentation und Kosten.

„Wir wurden nie befragt, geschweige denn nach unseren Problemen und Sorgen befragt!“, merken sie kritisch an und verweisen auf die Belastung für die Vorstände: „Versteht uns nicht falsch, wir lieben den Fußball (...). Aber die Corona-Thematik, die Hygienekonzepte und deren Umsetzung bringen viele Vorstände an die Grenzen ihrer Möglichkeiten.“

Erst recht, angesichts der Entwicklung der Pandemie. „Die aktuell steigenden Zahlen, Spieler in Quarantäne etc. werden zwangsläufig immer wieder zu Spielabsagen/-verlegungen führen, was einen immensen organisatorischen Aufwand bedeutet“, betonen die Unterzeichner und fragen gleichzeitig nach den Folgen eines Nichtantritts bei gesundheitlichen Bedenken: „Erfolgt dann zwangsläufig der Abstieg?“

Die einzige Konsequenz ist für sie deshalb die „Annullierung der Saison, wie es der Hamburger Fußballverband vollzogen hat. Eine Fortsetzung/Beendigung der Saison auf Biegen und Brechen (...) ist aufgrund des erforderlichen Aufwands, des vorhandenen gesundheitlichen Risikos nicht zumutbar!“

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