Sportlerwahl des Jahrzehnts - Startnummer 16

Schwimm-Ass Günter Schöpke ist ein unermüdlicher Kämpfer

Schwimmer Günter Schöpke.
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In seinem Element: „Albatros“ Günter Schöpke war bis ins hohe Alter ein sehr erfolgreicher Schwimmer auf nationaler und internationaler Ebene. Der heute 80-Jährige kann es kaum erwarten, bis die Bäder wegen der Corona-Krise wieder öffnen dürfen.

Ausnahme-Schwimmer Günter Schöpke ist auch mit 80 Jahren immer noch topfit.

Rotenburg – Aufgeben, resignieren, kapitulieren – die drei Verben dürften im Wortschatz von Günter Schöpke an letzter Stelle stehen. Bereits zweimal hat der einstige Leistungsschwimmer des TuS Rotenburg die niederschmetternde Diagnose Krebs erhalten. Das erste Mal nahm er 2011 erfolgreich den Kampf auf. Neun Jahre später folgte der Rückschlag. In der Bauchspeicheldrüse waren Metastasen gewachsen.

Eine erneute Operation und eine Chemotherapie waren die Folge. Sein unermüdlicher Wille zahlte sich aus. Ende 2020 erhielt er das Ergebnis seiner abschließenden CT-Untersuchung – sein Körper ist wieder frei von Metastasen. Sein Kampfgeist hatte sich auch im Schwimmbecken bezahlt gemacht. Mehrere internationale Erfolge feierte der heute 80-Jährige. Kein Wunder, dass er dreimal (1993, 2010, 2011) zum „Sportler des Jahres“ des Altkreises Rotenburg gekürt wurde.

Alles Gute: Im September vergangenen Jahres feierte Günter Schöpke seinen 80. Geburtstag.

Kein anderer dürfte die Sportlerehrung in Rotenburg besser kennen als Schöpke. Das Urgestein war von Beginn an im Jahr 1985 bisher bei allen Veranstaltungen – mit einer Ausnahme von 2019 – dabei. Viermal schaffte er es dabei selbst auf das Siegerpodest (dreimal Gold, einmal Bronze). Zudem durfte er sich als Trainer über weitere Sportlerwahl-Titel seiner Athleten freuen. „Als Trainer hat es mich stolz gemacht, wenn Schwimmer mit Erfolg dabei waren. Für mich persönlich war die Auszeichnung mehr zweitrangig. Ich habe mich aber trotzdem gefreut, da mit der Wahl meine Tätigkeit um und für den Sport eine Würdigung fand. Die Anerkennung als Alterssportler fand ich toll“, erinnert sich Schöpke.

Zu Fuß von Breslau nach Osnabrück geflohen

Die Erfolge gehören der Vergangenheit an. Sein Blick ist nach dem erfolgreichen Kampf gegen die erneute Krebserkrankung zielstrebig nach vorne gerichtet. „Zurzeit geht es mir gut, ich kann alles machen. Die sportlichen Aktivitäten habe ich zu keiner Zeit eingestellt. Gleich nach der Entlassung aus dem Krankenhaus war ich im Schwimmbad. Nur leider ist es momentan wegen der Pandemie nicht möglich. Alternativ beginne ich den Tag mit Gymnastik“, erzählt der Rotenburger, der 2019 zudem auch noch einen Oberschenkelhalsbruch erlitten hatte. Auch diesen Rückschlag hat er mittlerweile weggesteckt.

Sein unermüdlicher Wille kommt nicht von ungefähr. In Breslau geboren, floh Schöpke als Fünfjähriger Anfang 1945 mit seiner Mutter zu Fuß ins 730 Kilometer entfernte Osnabrück. In seiner damaligen Wahl-Heimat entdeckte er beim SC Neptun Osnabrück mit 14 Jahren seine Leidenschaft fürs Schwimmen. Über mehrere Stationen landete er 1974 schließlich beim TuS Rotenburg und lebt seitdem auch in der Wümmestadt. Bis heute hat er den Posten als Abteilungsleiter inne und ist zudem noch als Trainer und Freizeitschwimmer aktiv.

Siegreich: Günter Schöpke wurde 1993, 2010 und 2011 „Sportler des Jahres“.

Einen Namen in der nationalen und internationalen Szene machte sich Schöpke in der Altersklasse. Fast unschlagbar war er über die 100 Meter und 200 Meter Schmetterling. Mehrere Welt- und Europarekorde stellte der „Albatros“ auf. Dazu gesellten sich Deutsche Rekorde und Titel. „Gerne erinnere ich mich an meinen ersten Weltmeistertitel im Olympiabad in München 2000 zurück. Spitze war aber auch 2010 der WM-Doppelerfolg in Göteborg über 100 und 200 Meter Schmetterling“, blickt der erfolgreichste Schwimmer Rotenburgs zurück.

Vor knapp sechs Jahren zog Schöpke einen Schlussstrich unter seine Wettkampf-Laufbahn. Bei den Deutschen Meisterschaften in Freiburg ging er 2015 ein letztes Mal an den Start und zeigte der Konkurrenz noch mal die Grenzen auf. Sechs Starts, sechs Titel lautete seine Ausbeute – teilweise sogar noch in neuer Rekordzeit. „Zu diesem Zeitpunkt habe ich für mich beschlossen: Aufhören, wenn es sich am Schönsten anfühlt. Was nicht heißt, auch mit dem täglichen Training aufzuhören“, so der Medaillensammler.

Nordic Walking statt Schwimmen: Günter Schöpke lässt sich die Laune trotz des Corona-Lockdowns nicht verderben und hält sich an der frischen Luft fit.

Durch die anhaltende Corona-Krise liegt sein letzter Schwimmbadbesuch jedoch schon einige Wochen zurück. „Am 1. November 2020 hatte ich zum letzten Mal meine Badehose an. Ich bin 3 300 Meter geschwommen“, weiß der 80-Jährige noch genau. Fast täglich ist er normalerweise im Schwimmbad anzutreffen. Da der ehemalige Lehrer momentan keine Bahnen im Wasser ziehen kann, hat er sich nach Alternativen umgeschaut. So ist er regelmäßig mit dem Fahrrad unterwegs und widmet sich dem Rehabilitationssport. Zudem hat er das Nordic Walking für sich entdeckt. „Nicht nur mir fehlt das Schwimmen, allen Schwimmsportbegeisterten – ob auf Hobby- oder Leistungsebene – fehlt die Betätigung sehr. Mein Bezug zum Schwimmen ist ungebrochen“, kann es der ehemalige Welt- und Europameister kaum erwarten, bis die Bäder wieder öffnen dürfen.

Seine Erkrankungen haben Schöpke dazu gebracht, ein weiteres Thema in den Vordergrund zu rücken. „Ich lege Wert auf Pünktlichkeit und Ehrlichkeit. Für mich hat die Gesundheit aber erste Priorität“, beschreibt er sich selbst. Auch seine Familie ist ihm sehr wichtig. „Ich möchte mich um meine drei Enkelkinder kümmern und ihre Entwicklung beobachten“, sagt der Familienmensch. Wenn seine Enkel auch nur mit einem Fünkchen von der „Schwimmsucht“ ihres Opas angesteckt werden, dürfte kein Weg an einer Fortsetzung der sehr erfolgreichen Schöpke-Karriere vorbeiführen. Und „Opa Günter“ würde dann sicherlich beim Training mit ins Becken springen und dem Nachwuchs wertvolle Tipps geben.

Zahlen, Daten, Fakten: Günter Schöpke

Geburtsort: Breslau (Polen).

Alter: 80 Jahre.

Aktueller Wohnort: Rotenburg.

Familienstand: Verheiratet, zwei Kinder, drei Enkelkinder.

Beruf: Lehrer im Ruhestand.

Sportart: Schwimmen.

Siege bei der Sportlerwahl: 1993, 2010, 2011.

Größte Erfolge: 56-maliger Deutscher Meister, viermal Europameister, viermal Vize-Europameister, dreimal Weltmeister, dreimal Vize-Weltmeister, 13 Deutsche Rekorde, fünf Europa-Rekorde geschwommen, sechsmaliger Weltrekordhalter. Die unzähligen Titel und Rekorde hat er in unterschiedlichen Disziplinen (überwiegend über seine Paradestrecken 100 Meter und 200 Meter Schmetterling) und Altersklassen erreicht.

Bisherige Vereine: S.C. Neptun Osnabrück, 1. Weseler Schwimmverein, VfL Osnabrück.

Aktueller Verein: TuS Rotenburg.

Hobbys: Grundsätzlich interessiert für jeglichen Sport - Schwimmen steht dabei an erster Stelle. Des Weiteren Rad fahren, Leichtathletik, Wasserball, Triathlon, Basketball, Rehabilitationssport.

Ziele: Nach der schweren Krebserkrankung (Mai 2020) heißt es jetzt, gesund werden und gesund bleiben.

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