Viele Streckenrekorde, keine internationalen Titel

Der Trainingsweltmeister Wilhelm Duden wird 75

Wilhelm Duden fährt auf seinem Motorrad auf einer Rennbahn.
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Mit der Rennnummer neun: Wilhelm Duden bei einer seiner Fahrten in den frühen 1980er-Jahren.

Wenn es um die Streckenrekorde geht, ist Wilhelm Duden ganz vorne dabei. Nur für einen großen Titel reichte es für den Langbahnrennfahrer nie.

Elsdorf – Es war eines von vielen Rennen um den Streckenrekord in seiner Karriere. Doch der eine Lauf in Schwarme Mitte der 1970er war für Wilhelm Duden ein ganz Besonderer. Auf matschigem Boden – Bedingungen, mit denen er gut umgehen konnte – wurde er nicht zum einzigen Sieger gekürt. Mit ihm auf Platz eins stand sein ewiger Rivale Egon Müller. „Wir waren bis auf die Hundertstelsekunde gleich“, erinnert sich der erfolgreiche Langbahnrennfahrer. Das gab es sowohl zuvor, als auch in den Jahren danach in seiner Karriere nicht mehr. Mittlerweile ist Duden 75 Jahre und hat den Sport noch immer nicht ganz aufgegeben.

Nach wie vor schraubt der in Elsdorf lebende Duden an diversen Motoren und betreut Nachwuchsathleten. Sein „Tuning-Programm“, wie er es nennt, betreibt er mittlerweile seit fast 40 Jahren. Anfangs noch mit seinen beiden Weggefährten Otto Lantenhammer (Bayern) und Hans Zierk (Lehrte), ist aus der früheren Arbeit nur noch ein Hobby geworden, das er alleine ausübt. Einer der größten Erfolge mit einem seiner Motoren gelang Frank Kehlenbeck. 1988 gewann der Bremer den Europameistertitel auf der Grasbahn im niederländischen Joure. Duden erinnert sich noch genau: „Er ist mit einem Motor gefahren, den ich nachts noch bis um drei Uhr in Heeslingen gebaut habe. Dann bin ich dort hin gefahren und habe ihn eingebaut.“

137,17 km/h - Duden rast zum Weltbahnrekord

Fünf Jahre später gelang dem Tuner mit Mario Trupkovic ein weiterer Erfolg. Auf der wohl schnellsten Strecke der Welt in Cloppenburg brach der Rennfahrer den Weltbahnrekord von 137,17 km/h. Ausgerechnet Duden hatte den im Jahr 1981 aufgestellt. Anschließend waren dem zahlreiche Schlagzeilen gefolgt. „Egon Müller hat Protest eingelegt, weil der Auspuff angeblich zwei Zentimeter zu lang gewesen ist“, erklärt Duden und fügt mit einem Lächeln an: „Der wurde aber abgeschmettert. Sonst hätte ich den Rekord verloren.“ So aber blieb es bei einer seiner vielen Bestzeiten auf den Sand- und Grasbahnen der Welt – bis eben 1993.

Auch in den Trainingseinheiten, die er unter anderem auf dem Eichenring in Scheeßel absolvierte, fuhr er meist allen davon. Nicht nur deshalb schwang während seiner 20-jährigen Karriere immer das Wort „Trainingsweltmeister“ mit seinem Namen mit. Interpretiert man diesen Begriff etwas anders, dürfte er eine zweite Bedeutung haben. Duden begeisterte zwar Woche für Woche zehntausende Fans an den Strecken und fuhr immer ganz vorne mit, zu einem nationalen wie auch internationalen Titel reichte es aber nie. Weder als Lokalmatador auf dem Eichenring 1980, noch im tschechischen Marienbad (1976 und 1979), in Mühldorf (1978) oder im slowenischen Radgona (1981) bestieg er das Treppchen nach einem WM-Finale auf einer Langbahn. Die beste Platzierung war ein vierter oder fünfter Platz. „Wenn du besser starten würdest, würdest du alle Rennen gewinnen“, habe sein Dauerrivale Müller ihm nach einem der Rennen mal gesagt.

Und auch Dietmar Hornig sieht das so. „Vom Können her waren die beiden sicherlich gleichwertig, aber beim Start hat er es oft nicht hinbekommen. Da sind die Nerven mit ihm durchgegangen“, vermutet Dudens Vereinskollege des MSC Eichenring. Bei WM-Läufen habe es immer nur Top oder Flop gegeben. „Manchmal wäre es angebrachter gewesen, etwas mehr mit Köpfchen zu fahren“, meint Hornig.

Nur zwei von über 600: Wilhelm Dudens Pokal-Sammlung ist groß.

Dieser rigorose Fahrstil hat Duden auf der anderen Seite aber auch dort hingebracht, wo er nun einmal war: in der Elite der Langbahnrennfahrer. Oftmals ging es gut für ihn aus, allerdings gab es in Altrip (Rheinland-Pfalz) auch eine Schrecksekunde. Auf der Sandbahn in Führung liegend „habe ich es etwas übertrieben und habe mir den Arm vom Ellenbogen abwärts im Zaun abgerissen“, berichtet Duden von seinem schwersten Unfall der Karriere. Glück im Unglück hatte er, da „Künstler“, wie er sagt, seinen Arm wieder annähten, sodass er „nur noch kleine Einschränkungen hat“.

Schlimmer traf es zwei seiner besten Freunde aus dem Motorsport – sie kamen ums Leben. Einer dieser war Gerhard Kamm. Er verunglückte beim Endlauf zur Deutschen Bahnmeisterschaft auf der Sandbahn in Pfarrkirchen 1974.

Duden feierte später auch persönlich große Erfolge wie bei der Deutschen Langbahnmeisterschaft 1987. Im Waldstadion Herxheim fuhr er zum Vize-DM-Titel. Nur Karl Maier war an dem Tag schneller. Für den gebürtigen Tister kam es kurze Zeit später noch besser. Denn: Jenem Maier gefiel Dudens Motor bei der DM so sehr, dass er ihn für seinen Weltmeisterschaftslauf haben wollte und dann auch einbauen ließ. Mit Erfolg! Der Titel sprang heraus.

Die Karriere begann erst mit 22 Jahren

Ein Jahr später beendete Duden schließlich die Karriere beim Grasbahnrennen in Cloppenburg. Dass er überhaupt einmal 20 Jahre Rennen fahren würde, war ihm in seiner Jugend noch nicht klar. Er wuchs auf einem Hof mit kleiner Landwirtschaft auf, den seine Eltern betrieben. Die lehnten den Motorsport für ihren Sohn ab. Stattdessen spielte der junge Wilhelm Duden in seiner Freizeit Fußball – unter anderem in Sittensen. Nach einer Verletzung hörte er allerdings auf und begann seine Lehre zum KFZ-Mechaniker. Sein Altgeselle Egon Funke nahm ihn eines Tages mit zu einem Rennen, an dem Duden erstmals teilnahm. „Da hat ein anderer Altgeselle gemeint, dass ich es nicht kann“, weiß er noch genau. Doch anstatt aufzuhören, fühlte er sich als damals 22-Jähriger angestachelt, es nun erst recht zu versuchen.

Unterstützung beim Start seiner Karriere erfuhr Duden vom MSC Eichenring. Sie statteten ihn mit einem Motor und einem kleinen Geldbetrag aus. „Wenn ich die nicht gehabt hätte, wäre all das nicht möglich gewesen“, dankt Wilhelm Duden dem Verein aus Scheeßel.

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