Weshalb die Coronapandemie die Footballer in Rotenburg besonders trifft

Der Jugendbereich bricht weg

Die Herren bon Northern United spielen in der Oberliga. Die Footballer wollten freiwillig absteigen. Der Antrag wurde abgelehnt.
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Die Herren bon Northern United spielen in der Oberliga. Die Footballer wollten freiwillig absteigen. Der Antrag wurde abgelehnt.

Rotenburg – Stefan Amberger sitzt nahezu jedes Wochenende gebannt vor dem Fernseher. Er verfolgt aktuell die Playoffs der National Football League (NFL) aus den USA ganz genau. „Wann immer es die Zeit zulässt, schaue ich die Spiele an“, sagt er. Dabei wird ihm dann vor dem Bildschirm immer wieder vor Augen gehalten, auf was er verzichten muss. Amberger ist Coach der Footballer von Northern United. Im Gegensatz zu den Profis wartet er mit seinem Rotenburger Team seit fast eineinhalb Jahren auf eine Partie. Die lange Spielpause sorgt für Konsequenzen – vor allem in der Jugend sieht es düster aus.

Dabei verzeichnete die Sportart in den vergangenen Jahren noch einen großen Zuwachs an Mitgliedern und Sportlern. Die Rotenburg Cyclones bauten innerhalb kurzer Zeit Jugendteams in mehreren Altersklassen auf und auch der Kader der Herren, bekannt als Northern United, wurde in der Spielgemeinschaft mit Zeven und Vechta immer größer und besser.

Nun muss Amberger nach dem Ausfall einer kompletten Saison aber gestehen: „Der Boom ist längst vorbei. Bereits in den vergangenen ein, zwei Jahren wurde der Zuwachs geringer. Nun wirft uns das ganz weit zurück.“ Der Schneverdinger war nach dem Ausstieg des Trainer-Trios Michael Müller, Olaf Linkel und Andrew Darley im vergangenen Jahr bei den Herren eingestiegen. Er ist der einzige lizenzierte Coach des Teams, wird von Ex-Spieler Malte Brandt unterstützt und musste das komplette Jahr nur mit Training überbrücken. Dabei waren selbst die Übungseinheiten erst im Juli wieder erlaubt – nach mehr als vier Monaten kompletter Auszeit. Nun geht seit November erneut gar nichts mehr.

Das letzte Punktspiel gab es im September 2019. Die nächste Serie soll voraussichtlich am 15. Mai beginnen. „Mit der Planung der Saison durch den Ligaobmann wird aber erst gestartet, wenn Training wieder möglich ist“, erklärt Amberger. Mit der Personalplanung beginnt er bereits. Denn die bietet einige Herausforderungen. Viele Spieler, vor allem die Routiniers, werden nach der langen Pause nicht zurückkehren. Auch Marvin Meyer, jahrelang einer der Leistungsträger, ist ins Grübeln gekommen. Er hat sich bereits im vergangenen Jahr komplett auf die Aufgaben als Fußballer des Bezirksligisten TV Sottrum konzentriert. „Ich kann nicht sagen, ob ich zeitnah wieder dabei sein werde.“

27 Spieler muss ein Verein melden, damit er antreten darf. Das schafft Northern United – auch dank einer frischen Kooperation mit den Hude Silverbacks, deren Coach André Evermann bisher für Rotenburg gespielt hat. „Ich habe noch 30 Akteure von uns aus Rotenburg auf dem Zettel plus einige verletzte und vereinzelte Leute, die in Vechta und Hude übrig sind“, sagt Amberger.

Rotenburg Cyclones ohne Punktspielteams

Als im Sommer trainiert werden durfte, begrüßte er völlig überraschend bis zu 60 Interessierte bei den Einheiten. Einige davon bleiben dabei. Das Problem: Das Team tritt in der Oberliga an und spielt somit in einer recht hohen Spielklasse. „Von der Anzahl der Spieler haben wir keine Probleme. Es ist vielmehr so, dass wir viele Anfänger statt erfahrener Typen im Kader haben werden.“ Der Trainer hatte deshalb die freiwillige Herabstufung aus der aktuellen Spielklasse beantragt. Der Abstieg am Grünen Tisch wurde jedoch aufgrund der zu starken Vorleistungen abgelehnt. „Es wird eine extrem schwere Saison“, weiß der Coach. Dabei wird die Liga geschrumpft sein. Der Trainer geht von nur noch vier Gegnern aus. „Viele Vereine haben sich zurückstufen lassen, sind Vereinigungen eingegangen oder haben zurückgezogen.“

Die Rotenburger Herren werden die Krise, wenn auch deutlich geschwächt, überstehen. In der Jugend der Rotenburg Cyclones sieht es jedoch düster aus. Für den Ligabetrieb 2020 waren noch zwei Teams für den Spielbetrieb vorgesehen. Eine U 15 als Flag-Football-Mannschaft und eine U 16 als Tackle-Mannschaft waren in einer Kooperation mit den Bremerhaven Seahawks gemeldet. Diese Aufgebote werden die Coronakrise jedoch nicht überleben. 2021 melden die Cyclones keine Auswahl mehr bei Punktspielen an. „Wir werden die verbliebenen Jugendlichen unter der Flagge der Hamburg Ravens in der U 16 und U 19 auflaufen lassen. Wir wollen allen interessierten Spielern – auch wenn wir zur Zeit keine vollständige Mannschaft aufbringen können – auf alle Fälle einen Spielbetrieb ermöglichen“, sagt Amy Darley vom Vorstand.

Das Training fiel 2020 fast komplett aus und eine Saison gab es nicht. In nahezu allen anderen Sporarten waren immerhin die Übungseinheiten während des Sommers gestattet. „Die meisten Schwierigkeiten hat uns die fehlende Planbarkeit gemacht. Durch kurzfristige Entscheidungen der Politik und schlechte Entscheidungen der für uns zuständigen Sportverbände sind uns etliche Spieler abhandengekommen“, berichtet Darley.

Bei den Rotenburg Cyclones ist also nach der Coronapandemie ein kompletter Neustart nötig. „Als Konsequenz müssen wir die Jugendarbeit – sobald das wieder erlaubt ist – grundlegend neu aufbauen“, so das Vorstandsmitglied. Hierzu sind verstärkt auch Kooperationen mit Schulen des Landkreises angedacht. „Erste positive Rückmeldungen hierzu haben wir – trotz der schwierigen Lage auch der Schulen – erhalten“, so Darley.

Von Vincent Wuttke

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