Auch Visselhövede mit hoher Nachfrage

Der Darts-Sport erlebt einen Boom

Timo Jeske wirft einen Dart auf die Dartscheibe.
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Die Triple-Zwanzig anvisiert, aber doch knapp verfehlt: Timo Jeske bei einem seiner Würfe im Training der Darts Monkey´s im Visselhöveder Vereinsheim.

Die WM ist vorbei, der Darts-Sport erlebt derzeit einen Boom. Das merken auch die Dart Monkey´s aus Visselhövede anhand einer gestiegenen Nachfrage.

Visselhövede – Das Finale der Darts-Weltmeisterschaft im Londoner Alexandra Palace (Spitzname: „Ally Pally“) ist nun drei Tage her. Das Duell zwischen dem späteren Weltmeister Peter Wright aus Schottland und Michael Smith begann kurios. Insgesamt 21 Versuche benötigten beide Spieler zusammengerechnet, bis dem Engländer das erlösende, sogenannte Double Out gelang – dem Treffen eines bestimmten Doppelfeldes. Dadurch beendete er das Leg und entschied es für sich. „Das hat mich so an unser Training erinnert“, scherzt Helge Göing. Der Abteilungsleiter des VfL Visselhövede verfolgte die Partie im Fernsehen und sah die Parallele zu manch einem Match seiner eigenen Teammitglieder, die sich die Dart Monkey‘s nennen.

„Ein Finish auf die Doppel-Fünf oder -Eins, da können wir auch mitreden“, findet Timo Jeske. Der Teamkapitän der zweiten Herren gesteht aber auch: „Hinterher spielen sie wie wahre Götter.“ Das sei schon gut anzuschauen gewesen. Vor allem die Häufigkeit der 180er von Smith war „beeindruckend“. Gleich 24 Mal gelang dem Profi die höchstmögliche Punktzahl im Finale, die mit drei Pfeilen zu erreichen ist. Zum Vergleich: „Manche treffen die bei uns einmal im Jahr, an manchen Abenden werfen wir sie dann aber auch mal mehrfach“, verrät Göing. Bewusst fixieren die Hobby-Darter die 180 Punkte ohnehin nicht. Einige würden eher die Zahl 19, als die 20 anvisieren.

Mit der Jugend wird das Double Out geübt

Göing und seine erwachsenen Mitspieler versuchen viel mehr, mit der Jugend das Double Out zu üben. Zudem „sagen wir denen, dass sie auch an das Board gehen sollen und schreiben sollen“, erklärt Visselhövedes Abteilungsleiter. Gemeint sind die abwischbaren Rechenbretter neben der Dartscheibe, auf denen die aktuelle Punktzahl vermerkt wird. Gespielt wird von 501 auf Null. Um genau darauf zu kommen, hilft es, im Kopf zu wissen, welche Felder man noch treffen muss. „Die Eltern kommen teilweise auf mich zu und sagen, dass das Kopfrechnen sich bei ihren Kindern dadurch verbessert hat“, freut sich Göing.

Einer, der bereits im jungen Alter weiß, wie es geht, ist Paul Helmke. Der 16-Jährige ist seit Mitte November Vize-Niedersachsenmeister der U 18. Einen „großen Erfolg“ nennt der Darts-Boss der Heidestädter das Erreichte. Das Talent thront zudem auf dem ersten Platz der Jugend-Rangliste des Bundeslandes. Kein Wunder, dass der Niedersächsische Dartverband (NDV) sich bereits kurz vor dem Turnier in Verden bei ihm gemeldet hatte, um zu erfragen, ob er sich vorstellen könne, für die Auswahl zu spielen. Eine endgültige Entscheidung dazu steht noch aus. Feststeht dafür, dass Helmke im Juni an den German Masters teilnimmt. Dort sind jeweils nur die Top zwölf jedes Bundeslandes eingeladen. Der Kings Cup mit den Top-acht-Spielern findet im Frühjahr statt.

Helmke hat große Ziele

Sein sportliches Ziel für die Zukunft könnte fast nicht größer sein: „Einmal bei der WM teilnehmen“, sagt er. Die gewann die Legende Phil Taylor immerhin 16 Mal, so oft wie niemand sonst. Auch deshalb ist der ehemalige englische Dartsprofi Helmkes Vorbild. Er selbst ist leistungsbezogen bereits der beste Spieler seines Vereins, ist gesetzt im Team der ersten Herren in der Bezirksliga. Dort stehen die Visselhöveder nach vier Spielen auf Platz eins und machen sich berechtigte Hoffnungen auf einen erneuten Aufstieg in die Bezirksoberliga. Es wäre seit der Gründung 2017 bereits der Dritte.

Wichtig für die Heidestädter wäre der Gang in die höhere Liga vor allem deshalb, um ihr Top-Talent noch für einige Jahre bei sich zu halten. „Er fühlt sich wohl“, meint Göing. Ihm sei aber auch klar, dass für Helmke „irgendwann Anfragen von höherklassigen Teams kommen“. Zurzeit ruht der Spielbetrieb allerdings auch im Dart-Sport. Der Wunsch, „dass die Saison weitergeht“, ist groß. Und auch die Zweitrundenpartie im Pokal wurde Mitte Dezember abgesagt, nachdem das Quartett um Helmke in der ersten Runde Vorjahressieger Eckernworth Flyers Walsrode aus dem Wettbewerb geworfen hatte. Aktuell findet im Visselhöveder Sportheim daher nur Training statt. Zweimal die Woche für drei Stunden treffen sich corona-bedingt nur zehn Spieler unter 2G-Bedingungen in dem 100 Quadratmeter großen Raum, in dem sechs Scheiben hängen.

Platz eins der niedersächsischen Jugend-Rangliste: Paul Helmke ist das große Talent in Visselhövede.

Dabei könnten durchaus viel mehr Leute dort Platz finden. Einen Boom auch durch die mittlerweile beendete Weltmeisterschaft gebe es „auf jeden Fall“, so Göing. Und weiter: „Das Schöne ist, dass es keine Altersbegrenzung gibt. Bei uns können drei Generationen aus einer Familie gleichzeitig spielen.“ Unter den derzeit 32 Mitgliedern der Darts-Sparte sei der Jüngste zwölf, der Älteste über 70. „Angefangen haben wir mit drei Leuten und zwei Boards.“ Aufgrund der Pandemie und des zwischenzeitlichen Stillstandes sei es zu dem einen oder anderen Austritt gekommen. Aber: „Wir haben jetzt schon wieder über unsere Facebook-Seite einige Anfragen.“ Durch die neue Homepage, die in wenigen Wochen online geht, erhofft sich Göing zudem noch mal einen zusätzlichen „schönen Auftritt“ im Internet.

Den Boom erkannte auch Jörn Leiding bei uns im Interview zu Silvester. Der Vorsitzende des Kreissportbundes sagte: „Viele Leute haben sich in der Pandemie eine Scheibe gekauft.“ Auch er selbst. „Im Emsland hat der Kreissportbund zum Beispiel Starterpakete für Vereine angeboten. Dann haben die fürs erste Jahr als Kreissportbund eine Dartsliga organisiert“, berichtete Leiding. Eine derartige Liga gibt es im Altkreis aktuell (noch) nicht, was auch daran liegen dürfte, dass die Dart Monkey‘s aus Visselhövede die Einzigen im Steeldart sind.

Weite Fahrten zu den Auswärtsspielen

Das spiegelt sich auch in den langen Fahrten im Ligabetrieb wider. „Ich habe kein Auswärtsspiel unter 100 Kilometer“, erzählt Jeske, der mit der zweiten Mannschaft in der Kreisliga aufläuft. Das liege daran, dass „die Vereine noch so weit verstreut sind“. Der Bezirksdartverband Lüneburger Heide (BDVLH) arbeite aber an einer regionaleren Zusammensetzung der Ligen für die Zukunft.

Damit aus den Hobbyspielern wie Helmke später Profis werden, fehlt unter anderem noch die mentale Stärke. „Die Profis sind da zu stark. Wenn die Pfeile fliegen, dann fliegen sie“, meint Jeske. Und auch Göing weiß: „Wenn du zwei verhaust, musst du die Nerven haben, den Nächsten wieder im Ziel zu versenken.“ Ein weiterer Faktor ist die Trainingszeit. Während die Dart Monkey‘s auf rund sechs Stunden Training kommen, werfen die Profis wie Wright oder Smith ihre Pfeile sechs Stunden am Tag. Dadurch sind natürlich auch höhere Averages möglich. Zum Vergleich: Während Helmke knapp über 60 Punkte im Schnitt pro Aufnahme erzielt, waren es im Finale beim Engländer Smith 99,22. Den Rekord bei einem Wettkampf, der im Fernsehen ausgestrahlt wurde, hält der Niederländer Michael van Gerwen. Er kam im Jahr 2016 auf beachtliche 123,40.

Landsmann Raymond van Barnefeld ermöglichte vor wenigen Jahren Leon Jeske einen seiner schönsten Tage seines Lebens. Der Weltmeister von 2007 traf im Weserpark in Bremen bei einem Turnier auf den damals 17-Jährigen aus Visselhövede. Zwar setzte es eine deutliche Niederlage, doch van Barnefeld überreichte Leon Jeske im Anschluss „Pfeile, Boards und so mit einem Autogramm drauf“, erinnert sich Vater Timo Jeske.

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