SPIELER DES WOCHENENDES

Der „alte Mann“ und das Mehr: Björn Mickelat mischt mit fast 40 Jahren die Oberliga auf

Bei Björn Mickelat (vorne) kommt immer auch ein bisschen der Trainer durch – vor allem, wenn der bald 40-Jährige nicht selbst auf dem Feld steht. Auch dann ist er stets mit voller Energie dabei.
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Bei Björn Mickelat (vorne) kommt immer auch ein bisschen der Trainer durch – vor allem, wenn der bald 40-Jährige nicht selbst auf dem Feld steht. Auch dann ist er stets mit voller Energie dabei.

Rotenburg – Mit Björn Mickelat ist es ein wenig so wie mit dem VW-Käfer. Er läuft und läuft und läuft ... Auch mit fast 40 Jahren – diese magische Grenze erreicht der Offensivspieler des Rotenburger SV im Dezember – ist er für den Fußball-Oberligisten unverzichtbar. Wer immer noch daran gezweifelt hatte, dem demonstrierte der gebürtige Brandenburger beim 3:1-Heimsieg gegen den TuS Bersenbrück seine Klasse eine Halbzeit lang.

„Ich versuche, unseren Jungschen so gut wie möglich zu helfen“, sagt Mickelat und betont treffend wie selbstbewusst: „Die Jungs brauchen mich noch – das ist ja nicht von der Hand zu weisen. Ich habe eben die Ruhe am Ball.“ Nicht nur das: Gegen Bersenbrück zeigte er auch sein gutes Auge für den tödlichen Pass sowie seinen Torinstinkt – der Routinier erzielte das 1:0. „Wahnsinn, jede gute Aktion kam von ihm. Er ist gut drauf, jetzt kommt seine spielerische Klasse wieder durch“, stellt auch Trainer Tim Ebersbach fest.

Schon im Pokalspiel gegen den FC Hagen/Uthlede war Mickelat nach seiner Einwechslung der beste Rotenburger gewesen – also kam der Coach drei Tage später gar nicht an ihm vorbei. Nach der Halbzeitpause blieb Mickelat jedoch draußen. „Mir blieb nicht anderes übrig, er hatte Oberschenkelprobleme“, erklärt Ebersbach. Und Mickelat meint schmunzelnd: „Ich hatte nicht gedacht, dass ich so oft den Sprint anziehen muss.“

Das wiederum lag an der guten Vorbereitung auf den Gegner. „Wir haben die Räume sehr gut genutzt und waren sehr fokussiert. Das Warmmachen war noch die absolute Katastrophe, als wenn wir nur auf den Anpfiff gewartet hätten“, verrät der älteste Feldspieler der Oberliga – dem diese Randnotiz definitiv nicht anzumerken ist.

Nach einer für ihn suboptimalen, weil von Verletzungen begleiteten Saisonvorbereitung, hat er seine Bestform erreicht. „So langsam wird’s wieder“, findet er selbst. „Und es macht unheimlich Spaß. Inzwischen erarbeiten wir uns auch immer mehr Torchancen.“ Der erste Saisonsieg gegen die Bersenbrücker, die die Aufstiegsrunde als Ziel ausgegeben haben, „macht mega Mut für die kommenden Wochen“, ergänzt der Stürmer, der nach seiner Auswechslung quasi in die Rolle des Co-Trainers schlüpfte, engagiert am Seitenrand mitdirigierte und immer wieder Kommandos reinrief. Auch von der Ermahnung des Schiedsrichter-Assistenten Magnus Wehmann ließ er sich nur kurzzeitig auf die Bank verbannen. In Mickelat kommt halt stets der Coach durch, schließlich übte er diese Funktion schon einige Jahre beim TuS Zeven aus und trainiert auch aktuell beim Rotenburger SV die U 16.

Doch sich mit nunmehr fast 40 Jahren aufs Trainer-Dasein zu konzentrieren, das ist nicht sein Ding, dafür ist er noch zu ehrgeizig. Und vor allem zu gut. Und so passt der Titel des Hemingway-Klassikers in leicht abgewandelter Form perfekt zu Björn Mickelat: Der „alte Mann“ und das Mehr.

Von Matthias Freese

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