SPIELER DES WOCHENENDES

Sinan Reiters Wandel vom Schlussmann zum Stürmer

„Ich weiß, was ich an ihm habe“, sagt Trainer Dariusz Sztorc (vorne), der den dreifachen Torschützen Sinan Reiter bei dessen Auswechslung in die Arme nimmt.
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„Ich weiß, was ich an ihm habe“, sagt Trainer Dariusz Sztorc (vorne), der den dreifachen Torschützen Sinan Reiter bei dessen Auswechslung in die Arme nimmt.

Sottrum – Es gab eine Zeit, da war Sinan Reiter ein begehrter Torwart. Der 1. FC Rot-Weiß Achim machte ihn damals sogar zum Vertragsamateur, um den gebürtigen Stuttgarter vom TSV Bassen loszueisen. Auch beim TV Sottrum musste Reiter zu Beginn der vergangenen Saison noch im Bezirkspokal als Keeper einspringen – dann setzte er beim Fußball-Bezirksligisten von der Wieste seinen Willen aber endgültig durch. Torwart? „Das ist Vergangenheit“, betont der 25-Jährige mittlerweile. „Ich denke, das hat inzwischen jeder kapiert.“ Mit seinen drei Toren im Auftaktspiel gegen RW Achim (7:2) hat er jedenfalls alle Argumente auf seiner Seite. Reiter hat den Wandel aus dem Kasten in den Sturm eindrucksvoll gemeistert.

Selbst Rolf Fronda, der ihn einst zu den Achimern geholt hatte und dort als Vorsitzender immer noch tätig ist, staunte am Sonntag während der Reiter-Gala nicht schlecht: „Für ihn freut es mich. Da hat er ja doch recht gehabt.“ Quasi zur Bestätigung stellte auch Achims Coach Konstantinos Efeoglou fest: „Mit Sinans Schnelligkeit kamen wir nicht klar. Der ist eiskalt.“

Schon in der abgebrochenen Saison war der Mann aus Posthausen mit acht Treffern zweitbester Sottrumer Torschütze hinter Matthias Michaelis gewesen. Nun dürfen es gerne noch ein paar mehr werden. „Die drei Tore sollen keine Eintagsfliege sein. Als Ziel habe ich mir 20 Tore gesetzt, auch wenn manche sagen, dass das ein bisschen zu hoch gegriffen ist. Aber ich bin ziemlich ehrgeizig“, sagt Reiter. So sehr, dass er von sich gar behauptet, „der torgeilste Spieler der ganzen Mannschaft“ zu sein. „Ich liebe es, Tore zu schießen!“

Dessen ist sich auch Dariusz Sztorc, der Trainer der Sottrumer, bewusst. „Ich weiß, was ich an ihm habe“, betont er, schiebt aber hinterher: „Ich muss mit ihm schon besonders arbeiten.“ Die Umschulung zum Stürmer sei noch nicht komplett abgeschlossen, schließlich war Sinan Reiter vor seiner Sottrumer Zeit nie Feldspieler. „Ich bin gelernter Torwart. Ich habe höchstens früher mal auf dem Feld ausgeholfen, wenn wir zu wenig Leute waren“, erzählt er. Ab und zu merkt man ihm das noch an. „Am liebsten würde Sinan sich selbst den Ball zuspielen, ihn annehmen und selbst abschließen“, meint der Coach, schmunzelt und versucht, ihm die Ballverliebtheit ein wenig abzugewöhnen. „Mit seinen Qualitäten wird er die Möglichkeiten auch so bekommen. Irgendwann kriegt er den Ball sowieso.“

So wie gegen Rot-Weiß Achim. „Sinan, was habe ich dir gesagt?“, rief Sztorc seinem Goalgetter dann auch zu, als er ihn in der 81. Minute auswechselte. Ein Freistoß-Hammer unter die Latte, ein Treffer nach einem Alleingang ab der Mittellinie sowie ein verwandelter Strafstoß – so variabel erzielte Reiter seine Treffer. „Langsam kriege ich dieses taktische Verständnis rein. Und ich habe unter ,Darek‘ gelernt, dass Fußballspielen eigentlich ganz einfach ist. Ich denke, ich bin inzwischen so richtig auf dem Feld angekommen“, glaubt er und lächelt.

Von seiner Präsenz im Sturmzentrum profitieren auch seine Mitspieler. Matthias Michaelis bringt seine spielerischen Qualitäten nun nicht mehr in vorderster Reihe, sondern dahinter ein – und traf gegen Achim trotzdem doppelt. Zu Andrej Edel passt die Rolle auf dem Flügel als Pendant zu Finn Herwig ebenfalls sehr gut.

Dieses neue System hatte sich bereits in der Vorbereitung angekündigt, denn Reiter – in der vergangenen Saison eher auf der Außenbahn eingesetzt – war bereits dort der treffsicherste Spieler, wie Sztorc berichtet.

Nur eine Sorge hatte der Angreifer am Sonntag dann doch noch: „Ich bleibe hoffentlich Elfmeterschütze“, dachte er an seinen zweiten Strafstoß, den er verschossen hatte, und fragte prompt bei seinem Trainer an. Doch da konnte Sztorc seinen Schützling schnell beruhigen. Er muss nicht fürchten, von dieser Aufgabe entbunden zu werden. Und ins Tor muss er schon gar nicht wieder zurück. Dieses Kapitel ist tatsächlich Vergangenheit. Vom begehrten Keeper entwickelt sich Sinan Reiter schließlich vielmehr zum begehrten Stürmer.

Von Matthias Freese

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