Rotenburgs Tennis-Reserve eröffnet die Saison nach der Corona-Auszeit – 3:3

Das erste Mal

Abklatschen mal anders: Vincent Wuttke (r.) und Calvin Endom berühren sich per Schläger. 
Foto: Freese
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Abklatschen mal anders: Vincent Wuttke (r.) und Calvin Endom berühren sich per Schläger. Foto: Freese

Rotenburg – Es herrschte ein wenig Verunsicherung auf beiden Seiten: „Er kam ans Netz, ich kam ans Netz – was machen wir jetzt?“, schilderte Calvin Endom die Szene aus Spielersicht. Was folgte war ein kurzes Berühren der Fäuste, nachdem die Nummer zwei des TC Grün-Weiß Rotenburg II seinen Gegner Philipp Meyer vom Barrier TC II mit 6:3, 6:4 bezwungen hatte. Beide Teams hatten Samstag den Punktspielbetrieb im Kreis Rotenburg nach der Corona-Auszeit eröffnet. Beide trennten sich beim ersten Mal mit einem 3:3 in der Tennis-Verbandsliga.

Natürlich stand die Partie ganz im Zeichen der Hygienemaßnahmen – und doch stellte Rotenburgs Kapitän Vincent Wuttke fest: „So komisch das klingt: So stark betrifft uns das nicht.“ In der Tat war das reine Tennisspiel nicht wirklich beeinträchtigt. Gut, den Weg zu den vier Plätzen, die für das Punktspiel reserviert waren, erfolgte vorbei an einer quer auf den Weg gestellten Gartenbank. Zugang erhielt nur, wer sich mit Namen und Adresse in eine Liste eingetrug. Wuttke achtete selbst während seines Matches auf die Einhaltung der Corona-Regeln neben dem Platz „Hast du dich eingetragen?“, rief er zwischen zwei Ballwechseln seinem Bruder Philip fragend zu.

Sonst waren aber kaum Zuschauer auf der Anlage – sechs, sieben vielleicht. „Die Gefahr, dass 300 Leute zu unseren Spielen kommen, ist gering. Geisterspiele sind wir ja gewohnt“, scherzte Wuttke nach seinem 6:3, 6:3 gegen den seit Kurzem in Eversen wohnenden Barrier Volker Neumann. Der hatte ihm den Glückwunsch ebenfalls ohne Abklatschen, aus der Entfernung, übermittelt.

Recht elegant lösten die Beteiligten das Kontaktproblem in den Doppeln, die seit einer Woche wieder gespielt werden dürfen, aber vor dem Match nicht mehr trainiert worden waren. „Mit Abstand kannst du Doppel eigentlich nicht spielen“, meinte Rotenburgs Coach Zlatan Burina noch kurz zuvor. Üblicherweise wird sich nach jedem Ballwechsel abgeklatscht und der nächste Spielzug besprochen. Und doch gelang es, die Distanz zum Mitspieler zu wahren. Das zweite Duo der Grün-Weißen, ohnehin ein Familien-Team bestehend aus den Brüdern Matthias und Simon Mattick, verzichtete ganz auf Gestik, Wuttke und Endom nutzten derweil ihre Schläger, um sich „abzuklatschen“ – dabei berührte ein Rahmen die Bespannung des anderen, um keinen Schäger zu demolieren.

Es passte zur Begegnung, die den Charakter eines Freundschaftsspiels hatte. Da wurde in den Pausen geplauscht, da wurde nicht um knappe Bälle gestritten. Auch vor dem Hintergrund, dass es in dieser Saison aufgrund der besonderen Situation keine Absteiger gibt. „Da muss man nicht schummeln, da kann man entspannt rangehen“, fand Wuttke, der anmerkte: „Wir wissen, dass wir Tennisspieler im Vergleich zu anderen Sportarten ein Privileg haben.“ Schließlich dürfen sie genau das tun, was vielen anderen noch verwehrt ist – Punktspiele bestreiten.

Von Matthias Freese

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