Sportlerwahl des Jahrzehnts - Startnummer 13

Dimitri Peters` bronzenes Märchen von London

Dimitri Peters steht vor einer Fotografie von ihm.
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Sein letztes großes Sport-Projekt: Dimitri Peters bei seiner

Dimitri Peters ist mit seinen fünf Titeln bei der Sportlerwahl des Jahres einer der erfolgreichsten. Der Olympia-Dritte im Judo gewann zudem auch zweimal die niedersächsische Wahl.

Rotenburg/Hannover – Er klingt ein wenig außer Atem, doch der Widerspruch folgt umgehend: „Ich bin nicht aus der Puste, ich fahre nur gerade Rad“, betont Dimitri Peters. Vom Training kommt er nicht, sondern von der Arbeit. Der 36-Jährige ist bei der Berufsfeuerwehr Hannover beschäftigt – er ist Brandmeisteranwärter. Seine aktive Judo-Karriere, die ihren Höhepunkt 2012 mit der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in London erreicht hatte und zu der noch so viele weitere internationale Erfolge gehörten, hat er inzwischen beendet.

Kaum zu glauben, wenn der Modellathlet, der in Unterstedt groß geworden ist, behauptet: „Ich war dieses Jahr noch nicht ein einziges Mal auf der Matte.“ Unvorstellbar für einen, der seit seiner Jugend fast täglich mehrere Stunden in der Halle verbracht hat, um so weit zu kommen. „Es juckt schon noch in den Fingern, wenn ich mir Wettkämpfe angucke. Ich habe mir auch vorgenommen, wieder auf die Matte zu gehen, wenn Corona vorbei ist.“ Aber nur noch aus Spaß, wie der fünffache Sportler des Jahres (zuletzt 2012) betont.

Das Turnier seines Lebens: Dimitri Peters hat den späteren Olympiasieger Tagir Khaibulaev 2012 in London bereits auf der Matte, muss sich im Halbfinale aber letztlich geschlagen geben. Er gewinnt die Bronzemedaille.

Bald neun Jahre ist sein größter Erfolg nun her. Mit den Olympischen Spielen in London wurde der bescheidene und bis dato nur in der Judo-Szene sowie im Kreis Rotenburg bekannte Halbschwergewichtler (bis 100 Kilogramm) plötzlich über Nacht zu einer kleinen Berühmtheit. „Gerade der Halbfinalkampf ist eingebrannt. Dadurch, dass ich ihn schon oft gesehen habe, hat man ihn immer noch im Kopf. Wir haben ihn so oft analysiert, deshalb ist er nicht nur bruchstückhaft da“, sagt er. Erst in der Verlängerung unterlag er dem Russen und späteren Olympiasieger Tagir Khaibulaev. Eine umstrittene Entscheidung, wie Peters weiß: „Es hätte auch anders ausgehen können, aber es war ja jemand in der Halle, der Einfluss auf die Kampfrichter hatte“, wiederholt er seinen schon damals vorgetragenen Verdacht. Dieser Jemand war Russlands Staatspräsident Wladimir Putin, selbst Schwarzgurtträger und Ehrenpräsident des Weltverbands IJF, der da auf der Tribüne des Exhibition Centres im Londoner Osten saß. „Aber ich rege mich nicht mehr auf. Ich bin mit einer Medaille nach Hause gefahren – und das, obwohl ich kein Medaillenfavorit war“, meint Peters, der im kleinen Finale den Usbeken Ramziddin Sayidov bezwang – ein Happy End wie im Märchen.

2017 beendete der Profisportler und gelernte Industriemechaniker seine internationale Karriere mit der WM in Budapest, um quasi neu und von vorne zu beginnen. „Mit Judo hat man nicht ausgesorgt, das war mir immer klar“, betont Peters. „Ich hatte das Glück, durch meine Familie einen guten Übergang zu haben und etwas in der Hand zu haben. Ich habe mich auf die Zeit nach dem Leistungssport gefreut.“ Er begann eine viereinhalbjährige Ausbildung bei der Berufsfeuerwehr – nach der Ausbildung zum Notfallsanitäter durchläuft er nun seit August die Brandmeisterausbildung. Und da kommt es im 24-Stunden-Schichtdienst vor, dass er erst zwölf Stunden mit dem Rettungswagen unterwegs ist und anschließend mit dem Löschzug. „Das ist das Spannende daran“, schätzt Peters diese Abwechslung. Dabei holt ihn im Job auch schon mal die Vergangenheit ein: „Einmal musste ich in die Judohalle fahren, in der ich selbst oft trainiert habe, um einen jungen Sportler, der sich verletzt hatte, abzuholen. Da wurde ich gleich erkannt“, erzählt er.

Empfang für Dimitri Peters und die Olympioniken in Hamburg.

Seinen letzten großen öffentlichen Auftritt hatte er 2019, ausgerechnet in der Stadt, in der alles begann – in Rotenburg. Im Rathaus präsentierte er „seine“ Ausstellung. Der Fotograf Micha Neugebauer hatte ihn über mehrere Jahre begleitet. „Dima – ein Leben im Leistungssport“ hieß die beeindruckende Bild-Dokumentation. „Ich bin mega stolz, dass er mich ausgewählt hat“, gesteht Peters. Zu Hause hat er die großformatigen Schwarz-Weiß-Fotos jedoch nicht hängen. „Ich würde sie mir aufhängen, wenn ich Platz hätte“, meint er schmunzelnd.

Das könnte sich durchaus ändern, denn in Wettbergen, einem Stadtteil Hannovers hat er im letzten Jahr ein Reihenendhaus gekauft. „Wir sind da am Handwerkeln. Das ist mein aktuelles Projekt“, berichtet Peters, der sich „immer neue Ziele setzt, auch wenn sie nichts mehr mit dem Sport zu tun haben“.

Mal kein Judo-Anzug – doch auch in diesem Outfit gibt Dimitri Peters mit seiner Frau Marina (hier auf dem Opernball Hannover) eine gute Figur ab.

Fit hält er sich trotzdem, die Wege zur Arbeit bestreitet er mit dem Rad. „Und wir haben auf der Wache einen Fitnessraum. Es ist meine innere Einstellung, mich immer bewegen zu müssen. Wenn ich eine Woche lang nichts mache, werde ich kribbelig“, sagt er. In seiner aktiven Zeit haben ihn nicht nur viele Siege begleitet. „Niederlagen oder Verletzungen sind auch prägend gewesen. Nach denen habe ich mich immer gestärkt zurückgekämpft“, glaubt Peters. „Und viele Leute haben großen Anteil daran – als erstes Volker Mitschke und Heinrich Friauf (seine beiden Entdecker in Rotenburg, Anm. d. Red.), dann auch Sven Loll (Landestrainer in Hannover, Anm. d. Red.), die mich geprägt und begleitet haben.“

Dass sein Nachwuchs, die elfjährige Tochter und der 14-jährige Sohn, ihm auf der Matte folgen könnten, ist übrigens unwahrscheinlich – und für Dimitri Peters überhaupt kein Problem: „Die beiden haben sich für was anderes entschieden und spielen Handball“, erzählt er. „Dass Emily kein Judo machen wollte, war mir klar. Steven hat es zwei, drei Jahre versucht, aber es ist schwierig, wegen des Namens auf Turnieren oder im Training der Gejagte zu sein. Das war nicht schön zu beobachten, und ich war viel zu ehrgeizig“, räumt er ein. Nach einem Gespräch unter Männern war die Sache aber geklärt, sodass die Judo-Matte im Hause Peters keine Hauptrolle mehr spielt.

Zahlen, Daten, Fakten: Dimitri Peters

Geburtsort: Gljaden (Sibirien).

Alter: 36 Jahre.

Aktueller Wohnort: Hannover.

Familienstand: Verheiratet, zwei Kinder.

Beruf: Brandmeisteranwärter.

Sportart: Judo.

Siege bei der Sportlerwahl: 2004, 2005, 2006, 2009, 2012.

Größte Erfolge: Bronzemedaille Olympia 2012, Dritter bei der WM 2013 und 2015, Dritter bei der EM 2006, Erster bei der U 23-EM 2005, sechsfacher Deutscher Meister, Sportler des Jahres in Niedersachsen 2012 und 2013.

Bisherige Vereine: TuS Rotenburg; in der Bundesliga für: Hamburger Judo-Team, TSV Abendsberg, Braunschweiger JC.

Aktueller Verein: Judo-Team Hannover.

Hobbys: Sport (Fitness, Radfahren).

Ziele: Berufsausbildung beenden, für die Absicherung der Familie sorgen, Eigenheim fertigstellen.

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