Das Aus für den Winterrasen

Nach erneutem Ärger zieht Rolf Ludwig seine Spende zurück

Claus und Clemens Mehnert (r.) halten einen Spaten in der Hand und gehen zusammen mit Rolf Ludwig (l.) über den Grandplatz.
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Den Spaten können sie einpacken: Clemens Mehnert (r.) und sein Sohn Claus Mehnert waren im Juni 2019 bereits auf dem Grandplatz, um Untersuchungen vorzunehmen. Nun zieht Rolf Ludwig (l.) seine Spende zurück.

Zwar will der Bürgermeister noch das Gespräch mit dem RSV-Vorsitzenden suchen, aber nach Ludwigs Ankündigung steht das Winterrasen-Projekt vor dem Aus.

Rotenburg – Rolf Ludwig hat genug und zieht die Konsequenzen! „Das lasse ich mir nicht mehr bieten. Ich werde mein Geld zurückziehen“, sagt der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Rotenburger Sportvereine (ARS), der mit einer Spende in Höhe von 250 000 Euro den geplanten Winterrasenplatz auf dem Sportgelände in der Ahe finanzieren wollte. Nach zeitlichen Verzögerungen, der Kostenexplosion und erneuten Diskussionen über den Sinn eines solchen Spielfeldes ist mit Ludwigs Ankündigung das Projekt gescheitert, noch bevor der erste Grassamen im Boden ist.

Drei Dinge sind für sein Umdenken ausschlaggebend: Die Verzögerung bei der Auftragsvergabe, der wieder aufkeimende Widerstand des Rotenburger SV als Hauptnutzer der Anlage sowie eine „Entmachtung“ von Clemens Mehnert aus Mindelheim, der das Unterfangen auf Ludwigs Veranlassung hin begleiten sollte. Die Stadt habe, so Ludwigs Aussage, den Rasenexperten seiner Aufgaben entbunden.

Bürgermeister sucht Gespräch mit dem RSV

„Da kann ich momentan nichts zu sagen“, erklärt Bürgermeister Andreas Weber (SPD) auf Nachfrage. Er möchte zuerst mit Peter Grewe, dem Vorsitzenden des Rotenburger SV, ein Gespräch führen, nachdem dessen Jugendleiter Henning Schwardt jüngst betont hatte, dass der Verein einen weiteren Rasenplatz nicht benötige. „Wenn der RSV mitgeteilt hat, dass es keinen Bedarf gibt, dann müssen wir gucken, wie man damit umgeht“, meint Weber.

Für Ludwig steht derweil fest: „Die Verwaltung hat ganz eindeutig versagt. Ich bin maßlos enttäuscht. Sie hat es verschleppt“, übt er scharfe Kritik. Hintergrund: Die Zusage der schon vor rund zwei Jahren überwiesenen Spende war daran gekoppelt, dass der anerkannte Spezialist Mehnert bei der Umwandlung des Tennenplatzes in einen Winterrasen seine Erfahrungen mit einfließen lassen und die Maßnahme fachlich begleiten sollte. Mehnert hatte auch eine Machbarkeitsstudie und ein Umbaukonzept zur Sanierung des Platzes erstellt. Allerdings hatte der von der Stadt beauftragte Planer Dieter Grundmann mehrfach eine andere Auffassung, was die Umsetzung angeht. Grundmann soll im September 2020 sogar zwischenzeitlich von seinem Vertrag zurückgetreten sein, hatte dann aber anstelle des Bauamtes die Bauleitung übernommen.

Eine ziemliche Blamage für die Sportstadt

Vor zwei Jahren war er der Mann der Stunde. „Am Ende steht der Rotenburger Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstagabend geschlossen auf und applaudiert einem sichtlich gerührten Rolf Ludwig“, schrieb diese Zeitung, nachdem die Spende für den Winterrasen einstimmig angenommen wurde. Was also ist seitdem schiefgelaufen? Ziemlich viel.

Vermutlich war es von Anfang an ein Fehler, einen Winterrasen zu bauen, den der Verein, der ihn hauptsächlich nutzen sollte, gar nicht wirklich wollte. „Das war es“, räumt auch Ludwig rückblickend ein. Um einen die Umwelt belastenden Kunstrasen zu verhindern, hatte er den cleveren Schachzug der Schenkung gewählt. Weil er, finanziell unabhängig, es sich erlauben konnte.

Doch ganz abgesehen von der Verzögerung durch Corona: Vor allem die Zusammensetzung der ausführenden Fachleute scheint nicht funktioniert zu haben. Ludwig hatte die Einbindung des Rasenexperten Mehnert zur Voraussetzung gemacht – aber dessen Pläne wurden offenbar torpediert statt umgesetzt. Eine konstruktive Zusammenarbeit war das nicht. Eher eine zeitraubende, denn zwei Jahre lang passierte quasi nichts. Womit sich auch die Frage des Controllings stellt. Die Folgen sind fatal, für die Sportstadt ist es eine Blamage.

Rolf Ludwig, Ehrenbürger der Stadt, hat die Notbremse gezogen – völlig zu Recht. Wer die Musik bezahlt, der bestimmt sie auch. Oder er bestellt sie wieder ab, wenn nur ein langsamer und holpriger Walzer aufgelegt wird. Das hat Ludwig getan. Paradox nur, dass er damit ausgerechnet dem Rotenburger SV, der sich gegen ihn gestellt hat, einen Gefallen tut.

Von Matthias Freese

Nach zwei Jahren der Planung hat sich auf dem Grandplatz jedenfalls noch nichts verändert. Dafür sind die Gesamtkosten drastisch gestiegen – auf geschätzte 630 000 Euro inklusive Planungskosten. Das führte dazu, dass die Vergabe an ein Generalunternehmer vergangene Woche nicht vom Verwaltungsausschuss beschlossen wurde. Die CDU lehnte auch ein von Bürgermeister Weber angeregtes Umlaufverfahren ab. In einer Pressemitteilung erklärt Heinz-Günter Bargfrede (CDU): „Voraussetzung für den Beschluss des Rates war seinerzeit ein Schreiben der Rolf-Ludwig-Stiftung vom 26. Februar 2019 an die Stadt, in dem Rolf Ludwig verspricht, die nicht durch Fördermittel gedeckten Kosten übernimmt die Rolf-Ludwig-Stiftung. Ein Höchstbetrag war hier ausdrücklich nicht genannt. (...) Nur unter dieser Voraussetzung hat der Rat dem Bau eines im Grunde überflüssigen fünften Rasenplatzes zugestimmt. Wäre damals bekannt gewesen, dass die Anlage insgesamt etwa 630 000 Euro kosten würde und die Stadt einschließlich Flutlicht und Ballfangzäunen mit rund 300 000 Euro aus Haushaltsmitteln dabei sein sollte, hätte es für dieses Projekt sicher von vornherein keine Mehrheit im Stadtrat gegeben.“

Ludwig, selbst CDU-Mitglied, ist von einigen Parteifreunden „sehr enttäuscht worden“, sagt er und betont: „Ich übernehme gerne die Kosten von Herrn Mehnert, der hat tolle Arbeit geleistet. Aber ich zahle nicht die ganzen externen Gutachterkosten.“ Ein mittlerer fünfstelliger Betrag dürfte demnach bei der Stadt hängen bleiben. Und Ludwig verspricht: „Ich kann mit meinem Geld auch andere glücklich machen und werde es für andere Projekte im Sport einsetzen.“

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