Sottrums Coach über den aktuellen Spielmodus

Dariusz Sztorc: „Ich bin ein Gewohnheitsmensch“

Dariusz Sztorc sitzt im Campingstuhl am Seitenrand und schaut auf den Fußballplatz.
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Den Campingstuhl immer dabei: Dariusz Sztorc verfolgt – wie hier Anfang November gegen den TSV Thedinghausen – die Spiele seines TV Sottrum meist sitzend.

In rund sechs Wochen bestreitet der TV Sottrum eines seiner letzten Spiele der Quali-Runde. Wir haben mit Trainer Dariusz Sztorc eine Zwischenbilanz gezogen.

Sottrum – Die Feiertage hat auch Dariusz Sztorc genutzt, um mal vom Fußball-Alltag abzuschalten. Doch bereits in der Woche danach spricht der Coach des TV Sottrum im Interview schon wieder über die bisherige Saison mit seinen Bezirksliga-Kickern, die Entwicklung seiner Youngster sowie mögliche Zu- und Abgänge.

Herr Sztorc, aktuell stehen Sie mit Ihrem Team auf Tabellenplatz fünf, der die Aufstiegsrunde bedeutet. Entspricht der aber auch Ihren Erwartungen?

Da muss ich klar sagen, dass ich mit der Serie äußerst zufrieden bin. Sicherlich stehen wir nicht so da, wie das vor einem Jahr war zu diesem Zeitpunkt. Allerdings sind auch die Voraussetzungen etwas anders gewesen. Es war mir von vorne herein klar, dass das, was letztes Jahr passiert ist, dass wir so eine Serie gestartet haben, sich nicht noch mal wiederholen wird. Da haben wir natürlich eine Duftmarke gesetzt. Wir haben jetzt drei Niederlagen. Eine davon war gerecht, die anderen waren aber auch vermeidbar. Das heißt, dass der Gegner uns nicht völlig aus dem Stadion gespielt hat.

Wenn da nicht die sieben Unentschieden gewesen wären ...

Als Trainer bist du beim Unentschieden natürlich nicht ganz so zufrieden. Ich kann ja nicht am Anfang sagen, dass ich nur super glücklich bin. Nein, so ist das nicht. Da sind zu viele Punkte liegen geblieben. Das ist natürlich so ein kleines Minus. Sich so ganz zurückzulehnen, da gibt es also keinen Grund für, aber hadern werde ich auch nicht.

Die Punkte haben Sie vor allem gegen die Teams von oben nicht geholt. Was hat Ihnen in den Spielen gefehlt?

Das ist eigentlich leicht zu erklären. Wenn ich das Spiel in Worpswede sehe, du liegst 0:3 zur Pause zurück, spielst aber noch 4:4. Dann lag es nicht daran, dass wir schlecht sind. In diesen entscheidenden Spielen fehlt die Erfahrung. Ich habe keinen im Kader, der mal im Spiel auf den Tisch haut, das muss ich immer noch übernehmen. Wenn du in die Pause gehst, überlegst du dir, wie reagierst du jetzt, damit die Mannschaft wieder gut zurückkommt. Aber da brauchen wir uns auch nichts vorzumachen. Wir haben eine junge Mannschaft, drei der Neuzugänge kommen aus der Jugend. Ich habe mal in die Statistik geguckt. Alle drei haben mit die meisten Spiele absolviert.

Zur Erfahrung zählt bei den jungen Spielern natürlich auch die sportliche Entwicklung.

Die findet jetzt auf jeden Fall auch statt. Das sind dann eben so die Spiele wie Worpswede oder Riede – gut, da hat uns der Schiri verpfiffen. Da hadert natürlich so ein Junger. In Bassen führen wir sehr lange, kriegen in der 87. Minute den Ausgleich. Nicht weil wir körperlich nicht konnten, sondern weil wir das Spiel nicht heruntergespielt haben. Eine erfahrenen Mannschaft hätte das auch getan. Deshalb nehmen wir diese Saison, um genau diese Erfahrungen zu sammeln.

Wie haben sich denn speziell die drei Jungen entwickelt, die zu der Saison dazugestoßen sind?

Überragend, überragend. Der Jannik (Rosebrock, Anm. d. Redaktion) wirkte am Anfang, wenn ich das jetzt so vergleiche, sehr schüchtern und ein bisschen zurückhaltend. Somit war auch sein Spiel nicht so präsent. Klar, Fehler dürfen sie machen. Das sage ich auch offiziell, das gehört auch dazu. Aber sie dürfen sich damit nicht zufrieden geben und nicht aufhören, Fußball zu spielen. Das hat man besonders bei Jannik im Spiel in Achim gegen Rot-Weiß gesehen, wo er erst mal den Bock schießt und der Gegner das Tor macht. Danach haben wir uns in der Kabine einfach mal in einem kleinen Kreis zusammengesetzt und ich habe ihm ganz ruhig gesagt, worauf es jetzt ankommt. Er hat sich dann so gesteigert in der zweiten Hälfte.

Und Leon Krause und Luca Christl?

Leon Krause ist auch ein überragender Kicker und ist natürlich auch schnell, aber bei ihm müssen wir mal gucken. Das beste Beispiel war gegen Langwedel: Er zieht da an allen vorbei und kann auf den Torwart zulaufen und eine Eins-gegen-eins-Situation erzwingen. Aber er versucht abzuspielen. Ich habe ihm dann gesagt: „Leon, wenn du mit so einem Tempo an zwei, drei vorbeigehst, kommt keiner von uns mehr hinterher.“ Luca fällt da natürlich so ein bisschen unter. Der hat es bisher noch nicht so einfach gehabt. Er hat lange gefehlt wegen Krankheit und anderen solcher Kleinigkeiten. Er hat noch nicht richtig Fuß gefasst im Herrenbereich, was ja auch normal ist.

Kommen auch im neuen Jahr wieder Spieler aus der eigenen Jugend hoch?

Ich weiß, dass sich die Mannschaft im Sommer weiter verjüngen wird. Es kommen wohl zwei Spieler hoch. Das ist ja auch das Ziel gewesen. Aber es ist schade, dass wir die Jugend nicht mehr direkt im Club haben. Letztendlich ist es ja auch ein bisschen Basisarbeit. Man hätte gucken können, wie sie sich entwickeln.

In einer möglichen Aufstiegsrunde würden sie also noch nicht zum Kader stoßen.

Das stimmt. Wenn wir nicht einbrechen, das kann natürlich auch passieren. Aber es gibt zwei Versionen: Gehen wir in die Aufstiegsrunde, nehmen wir das super gerne mit. Dann können wir das Ganze in Ruhe angehen, die Jungs können sich ohne Druck einspielen und ich kann das ein oder andere positionstechnisch probieren. Marvin Meyer hat zum Beispiel in der Saison schon mal in der Viererkette gespielt. Er ist eigentlich ein Mittelfeldspieler, der nach vorne marschieren muss. Aber er hat das super gemacht. Und auf solche Sachen stehe ich auch. Nur dieses Jahr war es sonst nicht mehr möglich, weil der Kader so ausgedünnt war. Sollten wir die Aufstiegsrunde aber doch noch verpassen, ist der Punktestand in der Abstiegsrunde im Moment natürlich sehr entspannt. Das heißt, da ist auch nicht unbedingt der Druck da. Wir haben gerade gegen die Unteren gut gepunktet. Dazukommt, dass die Jungs dann auch gleich den Abstiegskampf lernen.

Aber wäre es nicht schon gerade für die Jüngeren ein enormer Druck?

Natürlich existiert der. Als Sportler wünschen wir uns in der Liga zu bleiben und es ist schöner unter die ersten Fünf zu kommen. Nur wenn es dafür nicht reichen sollte, müssen sie auch damit umgehen.

Wie finden Sie denn eigentlich den Modus mit Auf- und Abstiegsrunde?

Ich bin ein Gewohnheitsmensch und den normalen Modus, mit dem ich 44 Jahre selbst gespielt habe, fand ich gut. Da ändert man dann ungern etwas. Nur dann kam eben die Pandemie und es wurde geändert. Ich hätte es anders gemacht. Wegen der ungeraden Zahl der Mannschaften hätte man auch sagen können, dass mehr Mannschaften absteigen, sodass man mal wieder von den 21 auf 16 oder 18 Teams zurückkommt. Aber diese Teilung, da bin ich kein Fan von. Man spielt innerhalb von drei Monaten zweimal gegen denselben Gegner und das ist nicht förderlich für die jungen Leute, Spaß bringt das nicht. Die Stimmen aus der Mannschaft sind auch, dass sie sich freuen, nächstes Jahr mal da und dahin zu fahren und andere Gegner wieder kennenlernen. Aber wir machen nicht die Regeln und müssen es so nehmen, wie es kommt.

Bei Neuzugängen haben Sie hingegen ein gewichtiges Wort. Wie sehen da die Planungen aus?

Ich kann bislang noch keine Namen nennen, aber ich weiß die Position: Das ist der Sturm. Wir wollen uns da schon noch mal verstärken, aber es ist äußerst schwierig. Alle, die man anspricht, sind mit der Situation im Verein zufrieden oder wollen ihre Gruppe nicht verlassen. Mittelfeldspieler habe ich en masse, aber in der Verteidigung auf den Außen würde ich gerne auch noch wen haben. Im Zentrum sind wir mit Jannik Rosebrock und Dominik Reuter super besetzt und wenn da jemand mal fehlt, kann Eike Buckenberger aushelfen. Der spielt eigentlich im Mittelfeld und insgesamt eine überragende Saison.

Ist er für Sie auch deshalb die Entdeckung der Saison?

Das kann ich wirklich so sagen. Er ist auch für mich so der beste Spieler der Saison bis jetzt – auch der konstanteste. Aber auch ein Finn Herwig ist für mich eine Entdeckung, weil ich seine Fortschritte sehe. Ich kannte ihn immer so ein bisschen verspielt, eigensinnig, jetzt ist er mannschaftsdienlich. Er ist zu einem Teamplayer geworden.

Sie haben Finn Herwig angesprochen. Es heißt, dass Kreisligist FSV Hesedorf/Nartum erneut Interesse zeigt. Befürchten Sie trotz des Lobes einen Abgang?

Ich weiß davon nichts. Ich kann mir gut vorstellen, dass da nachgefragt wird. Man kann ja nicht übersehen, wie er sich entwickelt hat. Aber die beste Entscheidung hat er selbst getroffen, indem er einen Rückzieher vor zwei Jahren gemacht hat. Erst zugesagt und dann sich doch für uns entschieden. Ich sehe es aber entspannt. Wir sind alle glücklich mit ihm.

Sind andere Abgänge geplant?

Bei einzelnen Langzeitverletzten muss man schauen, ob sie noch mal zurückkommen. Die kommen dann ja auch in ihr Alter. Im Winter wird aber keiner gehen. Ich werde keinem sagen, ich plane nicht mehr mit dir.

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