„Darauf habe ich keinen Bock mehr“

Das Leiden mit der Kniescheibe – Nico Fröhlich droht mit 23 Jahren das Karriereende

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Nico Fröhlich vom TV Sottrum spielt seit seiner zweiten Verletzung im Oktober 2015 immer mit Bandage am linken Knie – hier gegen den Rotenburger SV II. 

Sottrum - Von Jan Claas Rosebrock. Mit 23 Jahren steht Nico Fröhlich, Kreisliga-Fußballer des TV Sottrum, vor dem Karriereaus. Im Testspiel gegen den Bezirksligisten TV Oyten Mitte Juli sprang dem Offensivspieler bereits zum dritten Mal in seiner noch jungen Laufbahn die Kniescheibe heraus.

Die laterale Patellaluxation – so der medizinische Fachterminus für die Verletzung – ist eine äußerst schmerzhafte Verletzung, bei der die Kniescheibe aus ihrer Führung und anschließend nicht mehr zurück in ihre natürliche Position springt. „Ich hab’ da keinen Bock mehr drauf“, schimpfte Fröhlich noch auf dem Platz liegend, nachdem er sich die Blessur zugezogen hatte. Und auch jetzt, einen Monat nach der Verletzung, ist sich der Bötersener, der in den letzten fünf Jahren schon 47 Tore für den TV Sottrum erzielt hat, noch nicht sicher, ob er auf den Platz zurückkehren möchte. „So eine Verletzung hinterlässt einen psychischen Knacks“, erzählt er und fügt an: „Bei jeder Aktion im Spiel geistert der Gedanke im Hinterkopf herum, wieder monatelang auszufallen.“

Dabei war Fröhlich bereit, in dieser Saison wieder anzugreifen, nachdem er sich gegen Ende der letzten Spielzeit mehrmals mit der Reservisten-Rolle hatte begnügen müssen. „Ich hatte wieder richtig Bock – und dann das.“ Dabei fing die Verletzungsmisere überhaupt erst im Herrenbereich an. Das erste Mal sprang seine Patella (medizinisch für Kniescheibe, Anm. d. Red.) 2014 bei einem Freundschaftsturnier in einer Bremer Kunstrasenhalle heraus. Das zweite Mal musste Fröhlich nach einem Heimspiel seiner Mannschaft im Oktober 2015 erneut pausieren. „Dann ist fast drei Jahre nichts passiert und man denkt, dass man es vielleicht überwunden hat“, kommentiert der 23-Jährige seine Krankenakte. Bevor sich das Unglück an der Kniescheibe in diesem Sommer wiederholte, riss er sich übrigens im Relegationsspiel der Saison 2016/2017 gegen den TuS Bothel noch das Außenband.

Trotz des Verletzungspechs will er die Zeit nicht missen. „In Sottrum habe ich Spieler und Trainer kennengelernt, die mich als Fußballer und als Mensch sehr geprägt haben“, verrät Fröhlich und verweist auf Mittelstürmer Matthias Michaelis und Sottrums Ex-Trainer Tomas Meyer. „,Tiddy’ und ich verstehen uns einfach blind auf dem Feld. Fußballerisch denkt er wie ich, und auch neben dem Platz ist er mit seiner lockeren Art ein echt angenehmer Typ. Mit Tomas habe ich bis heute Kontakt. Er hat mich gefördert, die Mannschaft immer gerecht aufgestellt und mir bei meiner spielerischen Entwicklung sehr weitergeholfen.“ Auch für Torwart Tobias Engel und Verteidiger Eike Buckenberger findet der Offensivmann anerkennende Worte: „Tobi hat schon seit er 18 ist die Strahlkraft eines gestandenen Herrenspielers. Und Eike kann beinahe jede Position spielen.“

Ob Nico Fröhlich je wieder mit ihnen auflaufen wird, will er in rund acht Wochen entscheiden. Dann hat er einen Gesprächstermin mit einem Facharzt bezüglich der weiteren Therapie. „Wir werden unter anderem die Möglichkeit einer Operation besprechen. Auch da bin ich mir noch nicht sicher, aber ohne OP werde ich nicht wieder spielen“, erklärt er.

Sein alltägliches Leben geht indes seinen gewohnten Gang. „Es tut zwar noch weh, aber ich gehe schon wieder zur Arbeit. Gelegentlich nehme ich Schmerzmittel, aber nur verschreibungsfreie Ibuprophen 400“, berichtet der Fachmann für Lagerlogistik. Und selbst wenn der Angreifer nicht mehr für den TV Sottrum aktiv werden sollte, wird Fröhlich seinem Verein erhalten bleiben. „,Tiddy’ und ich übernehmen demnächst eine Jugendmannschaft des JFV Union 18 als Trainer“, erzählt der Filigrantechniker und ergänzt mit einem Lächeln: „Ganz ohne Fußball geht’s halt nicht.“

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