Haltermann: „Dann sind wir heimatlos“

Geplante Fotovoltaik-Freiflächenanlage bedroht Existenz des MSC Mulmshorn

Sechs Rennfahrer starten auf dem Wümmering und verursachen eine Staubwolke.
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Sandige Angelegenheit: Der Wümmering begrüßt jedes Jahr Rennfahrer aus verschiedenen Nationen.

Muss der Wümmering einer Fotovoltaik-Anlage weichen? Die Verantwortlichen des MSC Mulmshorn sind verärgert über die Pläne und sehen sogar die eigene Existenz bedroht.

Mulmshorn – Auf dem Spiel steht die Zukunft eines Vereins. Weil es Pläne gibt, das 15 Hektar große Areal, auf dem der traditionsreiche Wümmering liegt, für die Bebauung von Fotovoltaik-Freiflächenanlagen zu nutzen, droht dem MSC Mulmshorn der Verlust des von ihm gepachteten Geländes. Das wäre wohl gleichbedeutend mit dem Aus des Sandbahnrennens. „Dann sind wir heimatlos“, betont Pressewartin Karin Haltermann.

Am kommenden Donnerstag steht das Thema „Standortfestlegung für Fotovoltaik-Freiflächenanlagen“ im Ausschuss des Stadtrates für Planung und Hochbau auf der Tagesordnung. Drei Varianten gibt es. Neben der Fläche in Mulmshorn sind das noch eine acht Hektar große in Waffensen im Bereich der Gleisverschwenkung sowie eine 50 Hektar große in Unterstedt südwestlich der Ortschaft. Die Verwaltung hält den Standort in Mulmshorn für den geeignetsten und schlägt vor, diese Variante weiter zu verfolgen. In der Beschlussvorlage steht: „Eine Umnutzung dieser Fläche wäre eine mögliche Flächenkonversion, falls die bestehende Nutzung entfallen würde. Städtebaulich wäre diese Umnutzung von Vorteil, da ein Investor dazu verpflichtet werden könnte, die vorhandenen Anlagen zurückzubauen.“

Rund 4 000 Haushalte könne ein dortiger Solarpark mit Strom versorgen. Voraussetzung ist die Änderung des Flächennutzungsplanes durch die Stadt. „Mulmshorn – das kann ich mir vorstellen“, sagt Bürgermeister Andreas Weber (SPD), der von zahlreichen Anfragen von Investoren spricht. Gleichzeitig bemerkt er: „Es ist keine Entscheidung der Stadt Rotenburg, sondern derer, denen die Flächen gehören.“ Allerdings sind die „weißen Flecken“, auf denen Fotovoltaik-Freiflächenanlagen entstehen dürfen, begrenzt. So ist die Errichtung beispielsweise innerhalb von Vorbehaltsflächen für die Landwirtschaft ausgeschlossen.

Mulmshorn und die Rennbahn – seit mehr als 40 Jahre gehört das zusammen. Wie lange noch?

Der MSC Mulmshorn ist seit mehr als 40 Jahren Pächter der Fläche und zahlt dafür nach Vereinsangaben jährlich 2 000 Euro an den Verpächter. Eine großflächige Fotovoltaikanlage dürfte da einiges mehr an Einnahmen bringen.

„Offiziell wissen wir bis heute von nichts, wir sind hochgradig enttäuscht und waren ziemlich entrüstet, als wir vor wenigen Wochen einen inoffiziellen Anruf bekommen haben“, sagt Manfred Meyer, der zweite Vorsitzende des Vereins. „Ich hätte eigentlich demnächst mal den Kontakt zum Verpächter gesucht, um zu hören, was in Sachen Verlängerung des Pachtvertrages geht.“ Der läuft am 31. Dezember 2022 aus. „Wir müssten demnächst investieren, um die Planke zu erneuern, denn nächstes Jahr steht eine neue Bahnabnahme an“, erzählt Karin Haltermann, deren Mann Andre als erster Vorsitzender jede Woche vor Ort ist. „Wir pflegen das Gelände. Es ist top in Schuss.“

Der Bürgermeister – traditionell Schirmherr des Sandbahnrennens und Pokal-Namensgeber – zeigt durchaus Verständnis für die Verärgerung des Vereins: „Mir tut es in der Seele weh vor dem Hintergrund des riesigen Engagements der Familie Haltermann“, sagt Weber. Er merkt aber mit Verweis auf die gesunkenen Zuschauerzahlen an, „dass es ein Sport ist, der mit vielen finanziellen Risiken verbunden ist“. Bei der bisher letzten, der 45. Auflage des Rennens, waren 2019 nur wenige Hundert Zuschauer auf der Anlage.

Enttäuscht: Andre Haltermann (l.) und Manfred Meyer.

„Wir sind ein Mulmshorner Verein, der Mulmshorn auch weltweit Bekanntheit eingebracht hat“, hält Manfred Meyer mit Blick auf die Vergangenheit dagegen. Er weiß genau, dass es keine Chance gibt, den Wümmering an anderer Stelle neu aufzubauen. „Wir können uns keine neue Anlage leisten. Früher hatten wir Sponsoren im großen Stil, die gibt es heute nicht mehr. Und was die Umweltauflagen angeht, da sind die Bedingungen auch ganz andere als vor 40 Jahren“, meint der stellvertretende Vorsitzende. Für den MSC Mulmshorn ist damit nicht nur die Zukunft des Rennens, sondern auch die Existenz des Vereins bedroht: „Wenn wir kein Gelände mehr haben, haben wir als Verein auch keine Grundlage mehr“, macht Karin Haltermann deutlich.

Rolf Ludwig, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Rotenburger Sportvereine, kennt die Sorgen des MSC Mulmshorn. Er rät deshalb: „Wenn ich den Sport liebe, dann muss ich vielleicht mit Scheeßel kooperieren. Da gibt es ja eine Anlage.“

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