Jugendnationalspielerin vermisst Leistungsprinzip

Lotta Stach steigt bei den Hurricanes aus

Lotta Stach setzt sich mit Ball in den Händen im Zweikampf durch.
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Für Nationalspielerin Lotta Stach (am Ball) hat sich das Kapitel Avides Hurricanes erledigt.

Lotta Stach hört mit sofortiger Wirkung bei den Avides Hurricanes auf. Im Interview nennt die 18-Jährige ihre Beweggründe und wird dabei durchaus deutlich.

Scheeßel – Das ist ein herber Verlust! Die Zukunft müssen die Zweitliga-Basketballerinnen der Avides Hurricanes ohne ihre aktuell größte Nachwuchshoffnung planen: Lotta Stach wird den Verein verlassen. Mehr noch: Die 18-jährige Jugendnationalspielerin hat es bereits getan. Im Interview spricht der Guard aus Buchholz über die Gründe für diesen doch überraschenden Schritt.

Sie haben den Hurricanes vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass Sie künftig nicht mehr für den Verein spielen werden. Was sind die Gründe für diese Entscheidung?

Eigentlich hat sich der Weg zu meiner Entscheidung schon seit einigen Monaten abgezeichnet. Sozusagen als Ergebnis immer wiederkehrender Umstände. Leider haben sich meine Einschätzungen und auch Wahrnehmungen kaum mit denen von Trainer Christian Greve gedeckt. Und irgendwann habe ich gemerkt, dass mir meine Lieblingssportart nur noch wenig Spaß bereitet. Da wusste ich, es ist genug.

Sie werden auch die letzten Saisonspiele nicht mehr bestreiten. Liegt das am Abi-Stress?

Natürlich habe ich schulisch jede Menge zu erledigen. Aber das hat mit meiner Entscheidung eher wenig zu tun. Ich habe einfach immer mehr gespürt und auch erfahren, dass man nicht besonders stark auf mich baut. Und dieses seltsamerweise im völligen Gegensatz zur Nationalmannschaft und den Bundestrainern beim Deutschen Basketballbund. Das hat sich mir überhaupt nicht erschlossen, und leider habe ich keine fundierten Antworten auf diesbezügliche Fragen bekommen. Unabhängig davon gab es nicht wirklich irgendwelche Anstrengungen, mich umzustimmen. Insofern passt das schon.

Zur Person: Lotta Stach

Lotta Stach (18) spielte seit 2017 für die Hurricanes in der zweiten Liga und durchlief sämtliche Jugendnationalteams. In dieser Saison kam sie in acht Spielen zum Einsatz und dabei auf einen Schnitt von 6,9 Punkten, 2,9 Rebounds sowie 19:29 Minuten Einsatzzeit.

Wie bewerten Sie denn selbst Ihre Einsatzzeiten in dieser Saison, die bei knapp 20 Minuten im Schnitt lagen, und auch Ihre Leistungen? Hatten Sie sich mehr Minuten erhofft?

Natürlich habe ich in vielen Bereichen viel Luft nach oben und muss mich noch ordentlich verbessern. Unabhängig von der Spielzeit war für mich aber vor allem schwer zu verstehen, warum ich, egal wie schlecht oder gut ich auf dem Feld geliefert habe, eigentlich immer in der gleichen zeitlichen Rotation auftauchte. Und wenn man ehrlich ist, habe ich häufig zum Schluss Minuten bekommen, wenn das Spiel, in welche Richtung auch immer, längst entschieden war. Ein wirkliches Leistungsprinzip, wie im Leistungssport üblich, habe zumindest ich nicht wahrgenommen. Insofern hätte ich mir da mehr Transparenz erhofft.

Wie war die Reaktion der Mitspielerinnen auf die Nachricht, dass Sie nicht mehr für die Hurricanes spielen?

Wie immer im Leben gemischt. Einige haben sich gemeldet, manche auch im netten persönlichen Gespräch. Andere eben nicht. Aber das ist okay. Denn es ist – und das meine ich völlig ernst – ja nichts wirklich Weltbewegendes, wenn ich nicht mehr weiterspiele. Dennoch macht man sich schon seine Gedanken, weil man vielleicht auch gewisse Erwartungen hat. Auf jeden Fall habe ich in den letzten Wochen viel gelernt.

Gibt es bereits einen neuen Verein oder aber Angebote? Und in welcher Liga soll es weitergehen?

Nein, da gibt es noch gar nichts Konkretes, denn alles ist ja noch viel zu frisch. Ich habe mich ja gerade erst entschieden, das Kapitel Hurricanes, wo ich mich übrigens – trotz der entstandenen Situation – generell im Umfeld, mit den Fans und vielen anderen Dingen sehr wohl gefühlt habe, zu beenden. Ich bin dem Verein da auch wirklich sehr dankbar. Jetzt mache ich aber erst einmal Abitur. Der Rest wird sich ergeben. Auf jeden Fall traue ich mir zu, mit intensivem Training auch eine Liga höher zu bestehen.

Die Reaktion des Vereins

Ganz unvorbereitet traf die Avides Hurricanes die Nachricht von Lotta Stachs Ausstieg nicht. „Uns war bewusst, dass sie den Verein nach dem Abitur verlässt“, sagt Vorstandsmitglied Utz Bührmann. „Ich finde es schade, aber wenn sie meint, dass sie hier nicht die Entwicklungsmöglichkeiten hat, ist das völlig okay. Die Familie Stach ist sehr leistungsorientiert, das können wir aber nicht alles leisten.“ Dass sie unzufrieden mit ihrer Situation war, hat auch Coach Christian Greve bemerkt. „Lotta hatte sich mehr erwartet. Ich habe aus meiner Sicht alles dafür getan, ihr zu helfen und ihr Angebote gemacht. Das war aber offensichtlich nicht der richtige Weg.“ Zuspruch erhält er von Bührmann: „Wir haben den Trainer, der gut zu uns passt und mit dem wir die letzten Jahre immer gut gefahren sind.“

Sie haben gute Chancen, bei der U 20-EM dabei zu sein. Wie wollen Sie sich denn jetzt fit halten ohne Teamtraining?

Ich habe eigentlich bereits seit Monaten sehr viel außerhalb des Basketball-Trainings in Eigenregie getan. Und dies nach einem Plan, den ich vom Deutschen Basketballbund, der Konditions- und Fitnesstrainerin, bekommen habe. Die Bundestrainerin (Sidney Parsons, Anm. d. Red.) hat mir auch sehr viel geholfen. Von ihr gibt es ein Basketball-Trainingsprogramm, für das ich jetzt nur noch eine Halle finden muss. Es gab und gibt regelmäßigen Austausch, was mir auch viel geholfen hat. Natürlich werde ich alles reinhauen, um bei der U 20-EM, wenn sie denn stattfindet, dabei zu sein.

Von den Zuschauern in Scheeßel und Rotenburg konnten Sie sich nicht mehr verabschieden. Gibt es noch etwas, was Sie ihnen sagen möchten?

Ganz liebe Grüße an alle Hurricanes-Fans! Alles Gute und unterstützt vor allem – hoffentlich bald mal wieder in der Halle – weiterhin die Hurricanes.

Vorschau auf das Auswärtsspiel der Hurricanes bei Eintracht Braunschweig

Nach den vorzeitigen Ausstiegen von Maddie Simon und Lotta Stach müssen die Zweitliga-Basketballerinnen der Avides Hurricanes die letzten zwei Saisonspiele auch ohne Ayla Faber und Melda Tölle absolvieren. Studentin Faber hält sich momentan in ihrer Heimat in Nordrhein-Westfalen auf, Tölle fällt wegen ihres Abiturs aus. So bleiben für das Spiel bei Eintracht Braunschweig (Samstag, 17 Uhr) nur noch drei Spielerinnen für die Ersatzbank. „Man kann auch mit acht Leuten gewinnen“, hat Coach Christian Greve das Spiel längst noch nicht abgeschenkt. maf

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