Jannis Niestädt spricht über seinen Wechsel vom RSV zum Bremer SV

„Da steckt noch mehr Qualität drin“

Der Blick geht in Richtung Bremen – dort wird Jannis Niestädt künftig auflaufen.  
Foto: Freeese
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Der Blick geht in Richtung Bremen – dort wird Jannis Niestädt künftig auflaufen.

Rotenburg – Am Montag stand für Jannis Niestädt die mündliche Prüfung zu seiner Bachelorarbeit an. Sein gewähltes Thema hätte aktueller kaum sein können. Es ging um den leistungsorientierten Amateurfußball in Krisenzeiten von Corona – und zwar am Beispiel des Rotenburger SV. In diesem Bereich ist der 25-jährige Hellweger quasi ein Insider, schließlich hat er einige Jahre für die Wümme-Elf gespielt. Im Sommer ist damit Schluss. Niestädt verlässt den designierten Oberliga-Aufsteiger und wechselt wie berichtet zum Bremer SV. Im Interview erklärt der Defensivspieler unter anderem auch, warum er in die Bremenliga wechselt.

Mal ehrlich: War das Angebot des RSV zu schlecht oder das des BSV zu gut?

Bei mir ging es nicht ums Geld! Das Angebot des RSV war tatsächlich gut, aber das Gesamtpaket beim Bremer SV hat extrem Sinn ergeben. Da spielen viele Dinge mit herein. So haben sie drei Physios und einen neuen Kunstrasenplatz. Das ist von der Professionalität her noch eine neue Stufe. Eigentlich lag meine Priorität auf dem Job, das hat sich durch die Corona-Krise aber geändert. In der Event- und Sportbranche sind die Chancen auf dem Markt momentan gleich null. Ich habe deshalb vor, ab Oktober in Bremen weiter zu studieren und meinen Master zu machen. Ich habe mich also nicht gegen den RSV entschieden, sondern für den BSV.

Ist die Bremenliga sportlich denn reizvoller als die Oberliga Niedersachsen mit den Derbys gegen Heeslingen oder Uphusen?

Ich kann das gar nicht bewerten. Ich hatte ja auch ein Gespräch mit Oberneulands Trainer Kristian Arambasic. Er sagte, die Bremenliga wird ihm zu schlecht geredet. Ich möchte für mich noch mal dieses höhere Niveau im Team haben und gucken: Wo stehe ich selber? Ich denke, beim Bremer SV steckt noch mehr Qualität drin als beim RSV. Alleine hätte ich den Schritt allerdings nicht gemacht, weil ich in Rotenburg ja auch eine Wohlfühloase und die Anerkennung hatte. Beim Bremer SV kenne ich schon vier Spieler, deshalb glaube ich, dass es die richtige Entscheidung ist.

Sie sprechen es an. Welche Rolle hat Maximilian Schulwitz bei Ihrer Entscheidung gespielt? Er wechselt ja vom FC Verden 04 nach Bremen.

Schon eine wichtige Rolle, abgesehen davon, dass er mich auch immer mitnehmen kann. Ich verstehe mich gut mit ihm, wir laufen uns auch jeden zweiten Tag im Cleverfit über den Weg. Da fiel schon öfter das Thema, dass es geil wäre, wenn wir noch mal zusammen kicken würden.

Blutet Ihnen aber nicht ein wenig das Herz, den RSV jetzt zu verlassen, wo es höchstwahrscheinlich in die Oberliga geht und Sie da eine feste Säule sein sollten?

Definitiv. Ich habe ja auch dem RSV meine ersten Oberliga-Spiele zu verdanken und habe mich da sehr wohlgefühlt. Ich denke auch, die brauchen sich mit der einen oder anderen Verstärkung in der Oberliga nicht zu verstecken, ich traue ihnen dort eine Überraschung zu. Samstags und sonntags werde ich auch mal vorbeigucken, denn der BSV will seine Heimspiele freitags austragen.

War es auch ein Grund, dass Sie mit dem Bremer SV wohl oben mitspielen werden, während dem RSV in der Oberliga der Abstiegskampf drohen würde?

Jein. Das würde ja so klingen, als würde ich mich vor etwas drücken wollen. Wenn das Angebot aus Bremen nicht gekommen wäre, hätte ich auch gerne Oberliga mit dem RSV und den ganzen Derbys gespielt. Am Ende willst du als Fußballer natürlich gewinnen – die Chance wird in Bremen höher sein. Und der Sprung eine Liga höher ist da wesentlich realistischer.

Die Regionalliga ist Ihr Ziel – warum dann nicht gleich der FC Oberneuland, der aufgestiegen ist und zu dem Tim Ebersbach sogar den Kontakt hergestellt hatte? Sie haben ja mit Trainer Arambasic gesprochen.

In Oberneuland war sehr viel, was mich herausgefordert hätte. Das wäre schon geil gewesen, auch die Vision, die sie haben – das ist ein ganz anderer FC Oberneuland als noch vor zehn Jahren. Am Ende war aber entscheidend, wie der BSV und die Spieler um mich gekämpft haben. Nicht, dass ich mir die Regionalliga nicht zugetraut hätte, aber beim BSV habe ich auch das Gefühl vermittelt bekommen: Du bist nicht einer von vielen, sondern einer, der Verantwortung übernehmen soll. In Oberneuland hätte ich mich herantasten müssen. Da greife ich lieber mit dem BSV die Regionalliga an.

Auch, weil Sie aufgrund Ihres Studiums und wegen einer Verletzung fast zwei Jahre nicht mehr gespielt haben?

Klar, das hat schon ein bisschen eine Rolle gespielt. Die Automatismen fehlen noch. Ich glaube, dass ich mich in der Bremenliga besser reinfinden und zeigen kann. Ich habe einen hohen Eigenanspruch und werde auf jeden Fall topfit zum Vorbereitungsstart antreten.

Von Matthias Freese

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