Vereinssorgen während der Corona-Krise

Kein Sport, kein (voller) Beitrag? Jeersdorfs Vorsitzender Rathjen ärgert sich

Sportplatz des SV Jeersdorf.
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Auch beim SV Jeersdorf ruht derzeit der Sportbetrieb – und das liegt nicht am Schnee, sondern an Corona.  

Jeersdorf – Mit einem Brandbrief hat Frank Rathjen in seiner Funktion als Vorsitzender des SV Jeersdorf auf der Facebook-Seite des Clubs eine Lanze für die Ehrenamtlichen gebrochen und gleichzeitig die Vereinsmitglieder zur Solidarität aufgerufen. „Die Wertschätzung des Ehrenamtes kann gar nicht groß genug sein, daran müssen wir alle noch arbeiten“, schreibt Rathjen und spricht von einem „Schlag ins Gesicht eines jeden ehrenamtlich engagierten Menschen, wenn davon geredet wird, dass dem Vereinsbeitrag momentan keine Gegenleistung gegenüber steht.

Auf Nachfrage erläutert der Vorsitzende seine Beweggründe für seine klaren Worte: „Ich hatte eine böse Mail auf dem Handy, dass wir unseren vertraglichen Vereinbarungen nicht nachkämen. Das war zwar nur ein Einzelfall, aber da geht mir der Hut hoch. Bei uns kriegt kein Übungsleiter Geld. Sich dann so etwas anhören zu müssen, das ist eine Frechheit“, berichtet der Vorsitzende. Während der Corona-Pandemie ruhen derzeit wie in vielen anderen Vereinen auch beim SV Jeersdorf sämtliche sportliche Aktivitäten, was wohl manche Mitglieder zum Grübeln bringt. „Und dann kursieren Sachen, wie den Beitrag zu halbieren, weil das andere auch machen würden“, ärgert sich der Vorsitzende, „zumal das ein Großteil der in den Vereinen vorhandenen Vereinssatzungen gar nicht hergeben dürfte.“

Frank Rathjen hat einen Brandbrief verfasst.

Seinen Übungsleitern habe er sogar schon einen Argumentationsleitfaden an die Hand gegeben, damit diese dann Vereinsmitglieder über rechtliche und finanzielle Fakten aufklären könnten. „Ein Sportverein wie wir ist kein Wirtschaftsunternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht und verkauft auch keine Leistungen oder Kurse gegen Geld! Hierfür gibt es zum Beispiel gewerbliche Studios und Unternehmen. Ein Sportverein wie wir ist eine Solidargemeinschaft derjenigen, die gemeinsam ihr Hobby beziehungsweise ihren Sport betreiben möchten. Und gemeinsam stehen wir in guten und in schlechten Zeiten zu jedem einzelnen Mitglied und zu unserem Verein. Dieses Bewusstsein muss in der öffentlichen Meinung an so mancher Stelle noch deutlich geschärft werden!“, schreibt Rathjen. Damit spreche er auch für andere Vereine, ist er überzeugt.

SV Jeersdorf

Der SV Jeersdorf ist einer der jüngsten Sportvereine im Kreis und wurde erst 1991 gegründet. In zehn Sparten sind rund 440 Mitglieder aktiv. Als jüngste Sparte ist Line-Dance dazugekommen. Insbesondere die Bogenschützen des Vereins sind auch über die Kreisgrenzen hinaus sehr erfolgreich. Der SV Jeersdorf verfügt über ein eigenes Sportgelände und stellte vor fünf Jahren eine Bogensporthalle fertig. maf

Rund 440 Mitglieder (davon mehr als 200 Kinder) hat der SV Jeersdorf. Existenzielle Nöte bestehen nicht. „Wir liegen bei einer normalen Fluktuation. Letztes Jahr haben wir eine Line-Dance-Sparte ins Leben gerufen, das hat 30 Eintritte gebracht, und auch da ist nur ein Paar wieder ausgetreten“, erzählt Rathjen, der für den 19. Februar zur Generalversammlung in die Bogensporthalle geladen hat. Dort möchte er auch gerne den Bau einer Flutlichtanlage in einer Größenordnung von rund 100 000 Euro beschließen lassen. Ziel sei es, die Masten bis Jahresende in der Erde zu haben.

Kommentar

Austreten ist keine Alternative

Das musste einfach mal raus! Richtig so. Frank Rathjen hat seinem Ärger Luft gemacht. Wie viele andere Vereine bietet auch der SV Jeersdorf seinen Mitgliedern gegen einen bescheidenen Jahresbeitrag ein reichhaltiges Sportangebot an. Jetzt, wo eine weltweite Pandemie den Betrieb stoppt, gibt es tatsächlich welche, die nörgeln und eine Gegenleistung vermissen? Ehrlich? Die Arbeit, die in Vereinen geleistet wird, wird immer wieder unterschätzt. Gerade in der Corona-Krise ist Solidarität mit den Ehrenamtlichen gefragt. Die meisten wissen das. Einige wenige nicht. Austreten ist jedenfalls keine Alternative. Besser wäre es, sich jetzt einzubringen, Hilfe anzubieten. Denn die, die versuchen, den Laden in dieser schweren Zeit am Laufen zu halten, verdienen Respekt – kein Gemecker. 

Matthias Freese

Nichtsdestotrotz blickt Rathjen der Zeit nach der Versammlung auch mit einer Spur Skepsis entgegen. Grund: „Danach buchen wir die Beiträge ab.“ Dass es dann verstärkt zu Austritten kommen könnte, „das ist die Befürchtung aller Vereine“, sagt er. Insofern dient sein Appell auch ein wenig als Prophylaxemaßnahme. Und Rathjen verdeutlicht: „In unserem Verein sind in dieser schwierigen Zeit der Pandemie alle vorgeschriebenen Vorkehrungen umgesetzt worden, die sich der Vorstand stets aus der Fülle verschiedenster Verordnungen selbst erlesen musste. Hygienestationen, Hygienemittel, Personenleitsysteme wurden angeschafft, Hygienekonzepte für jede einzelne Abteilung wurden erstellt. Dadurch konnten wir den Sportbetrieb bis zum Lockdown gewährleisten. Seit dem Lockdown sind unsere Übungsleiter nun bemüht, ihre Angebote in einer für alle erreichbaren Form auch online anzubieten. Unser Vorstand hat technisches Equipment für Online-Angebote angeschafft, auf das unsere Übungsleiter geschult beziehungsweise eingewiesen werden. Alles natürlich nach den geltenden Regeln der Pandemie-Verordnungen.“ Gemeinde, Landkreis, Landessportbund Niedersachsen und Kreissportbund seien dabei immer ansprechbar, um zu unterstützen, betont der Vorsitzende und dankt seinen Ehrenamtlichen, ohne die „das Kartenhaus zusammenfallen“ würde – „nicht nur in Jeersdorf“.

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