Verwandte des Botheler Fußballers erleben die Corona-Pandemie in Italien

Cusimano ist in Sorge

Der Vittorio Veneto-Platz ist menschenleer. Die Lage in Turin ist angespannt. Für den Botheler Gianfranco Cusimano ist es kein leichtes Unterfangen. Schließlich ist seine Patenfamilie, die in der Stadt im Norden Italiens zu Hause ist, von der Corona-Krise tangiert. Foto: Marco Alpozzi/Dpa

Bothel - Von Mareike Ludwig. Gianfranco Cusimano macht aktuell eine schwere Zeit durch. Der Mittelfeldmann des Fußball-Kreisligisten TuS Bothel bangt um seine Familie. Der Großteil seiner Verwandten lebt in Italien. Dort nimmt die Corona-Krise derzeit bekanntlich ganz andere Ausmaße an als in Deutschland. Daher hat die italienische Regierung im Kampf gegen das sich immer weiter ausbreitende Virus zusätzliche Schritte eingeleitet. Giuseppe Conte teilte nun mit, alle „nicht lebensnotwendigen“ Unternehmen und Fabriken zu schließen. Die Ansprache des Ministerpräsidenten dürfte auch Cusimano angespannt verfolgt haben.

Während der größte Teil seiner Angehörigen auf Sizilien lebt, wohnt seine Patenfamilie in Turin. „Dort ist die Situation deutlich angespannter als in Richtung Süden. Im Norden gibt es bereits seit mehreren Tagen eine Ausgangssperre. Die Menschen dürfen nur noch mit einer bestimmten Genehmigung das Haus verlassen“, berichtet der 26-Jährige. Er ist zwar in Frankfurt am Main geboren, besitzt aber auch die italienische Staatsangehörigkeit.

Ihn freut es in dieser schwierigen Zeit besonders, von seiner Tante zu hören, dass im Land eine so gute Gemeinschaft herrscht. „Alle helfen sich gegenseitig. Auch Personen, die man eigentlich gar nicht kennt“, erzählt er.

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen breitet sich das Virus im Land trotzdem weiter aus. Am Wochenende hatte Italien an nur einem Tag fast 800 Tote vermeldet. Insgesamt stieg damit die Opferzahl laut der Johns-Hopkins-University auf 6  078 (Stand vom 23. März). „Wir haben zum Glück bislang keinen Fall in meiner Familie, meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Ich hoffe natürlich, dass wir gesund bleiben. Das gilt auch für alle anderen Personen, die mit Corona irgendwie konfrontiert sind. Ich hoffe einfach, dass so wenig Leute wie möglich daran erkranken“, betont Cusimano.

Die dramatische Ausbreitung in Italien zeigt, dass auch der Süden vermehrt betroffen ist. Während zu Beginn der vergangenen Woche noch diverse Bekleidungsgeschäfte, Fitnessstudios und Restaurants geöffnet hatten, sind diese nun geschlossen. „Meine Tante hat mir am Telefon erzählt, dass das Ausmaß auf Sizilien immer schlimmer wird. Über Nacht (von Samstag auf Sonntag, Anm. d. Red.) sind 300 neue Fälle bekannt geworden. Die Leute sind laut meiner Tante noch verängstigter und vermeiden nun vermehrt den Kontakt zur Familie und Freunden. Die Polizeikontrollen werden im ganzen Land verschärft und Verstöße knallhart mit Geld- oder Gefängnisstrafen geahndet. Vor allem bei Personen, die sich zum Beispiel in Parks oder generell in größeren Gruppen treffen“, erzählt der Botheler.

Cusimano selbst hat einen „gewissen Respekt“ vor der Gesamtsituation. „Ich bin jetzt aber nicht derjenige, der in Panik gerät. Ich gehe ganz normal einkaufen und horte keine Mengen. Es sollte sich trotzdem jeder bewusst sein, wie ernst die Lage momentan ist und die vorgegebenen Schutzmaßnahmen einhalten.“ Der Fußballer sollte mit am besten wissen, wie es geht. Schließlich ist er in Neuenkirchen Kundenbetreuer bei einem Hersteller für Medizin- und Schutzprodukte. Cusimano ist somit auch beruflich täglich mit dem Virus konfrontiert. „Die Nachfrage ist bei uns natürlich enorm, da alle unsere Waren haben wollen.“

Abseits des ganzen Geschehens versucht der 26-Jährige, beim Sport etwas abzuschalten. Das Botheler Trainerteam um Coach Sven Schumacher hat der Mannschaft einen Plan mit Laufeinheiten, Kräftigungs- und Stabilisationsübungen erstellt. „Zum Glück habe ich genügend Fitnessgeräte zu Hause. Es ist schon sehr merkwürdig, am Wochenende kein Fußball zu spielen. Es kommt mir vor wie bei der Saisonvorbereitung, da muss sich auch jeder selbst motivieren. Aber ich finde es auch schade, sich nicht mit Freunden zum Fußballgucken treffen zu können“, so Cusimano.

Der Mittelfeldmann hat übrigens kein Verständnis dafür, dass viele Leute in der Bevölkerung den Ernst der Lage noch nicht begriffen haben. „Einige ignorieren die Situation immer noch. Diese Ignoranz stört mich sehr, wenn sich Menschen in großen Mengen treffen und sich so verhalten, als ob sie keine Nachrichten sehen.“

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