Visselhöveder positioniert sich

Zeichen gegen Rassismus: Costlys Kniefall in Magdeburg

Die Szene, die viel Beachtung fand: Marcel Costly zeigt den Kniefall nach seinem Tor und setzt damit sein Zeichen gegen Rassismus. 
Foto: Imago Images/Hübner
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Die Szene, die viel Beachtung fand: Marcel Costly zeigt den Kniefall nach seinem Tor und setzt damit sein Zeichen gegen Rassismus.

Visselhövede – Erst der wichtige Führungstreffer, dann die viel beachtete Geste: Der Visselhöveder Marcel Costly hat am Wochenende im Trikot des Fußball-Drittligisten 1. FC Magdeburg gleich zwei Ausrufezeichen gesetzt! Seinem Tor zum 1:0 ließ der 24-Jährige den Kniefall folgen und setzte damit sein persönliches Zeichen gegen Rassismus. Magdeburg gewann gegen Viktoria Köln am Ende mit 2:0 – und Costly erhielt etliche Glückwünsche. Rund 1400 Likes waren es allein auf seinen Instagram-Post, den er mit dem Hashtag „#Blacklivesmatter“ versehen hatte.

Der Kampf gegen Rassismus ist Marcel Costly, dessen Vater aus den Vereinigten Staaten stammt, ein besonderes Anliegen. Nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd in den USA hatte er sich auch bereits am Blackout Tuesday beteiligt und ein schwarzes Bild gepostet. Viele Bundesliga-Profis hatten sich zuvor bereits solidarisch mit den aktuellen Protesten in den USA gezeigt, indem sie vor dem Anpfiff oder nach einem Tor den Kniefall zeigten – so wie jetzt Costly. „Ich hatte mir vorher schon darüber Gedanken gemacht und mich mit dem Thema beschäftigt, da es mir nahe geht und man nicht wegschauen sollte“, erklärt der rechte Flügelspieler gegenüber unserer Zeitung.

„Rassismus erlebe ich, seitdem ich klein bin“

Costly berichtet auch davon, wie er selbst betroffen ist: „Rassismus erlebe ich schon, seitdem ich klein bin. Im Fußball hab ich es selber zum Glück nur einmal wahrgenommen. Das war im Aufstiegsjahr in Jena. Wir hatten 5:1 gewonnen und nach dem Spiel kamen Affengeräusche und Beleidigungen aus dem Publikum.“ Das ist etwas mehr als zwei Jahre her. Beleidigungen in den sozialen Medien wie Facebook, Twitter oder Instagram sieht er sich aber durchaus häufiger ausgesetzt, die Grenze der Kritik wird bisweilen deutlich überschritten. Es gebe dort zu viel Hass und Neid, sagt er. „Diese Leute nehmen sich im Schutz der Internet-Anonymität Dinge heraus, die unmöglich sind“, zitierte die Volksstimme in Magdeburg im März Costly zu diesem Thema.

Dabei geht er mit sich selbst schon hart ins Gericht, wenn es um seine Leistung geht und sieht sich als „Mensch, der seine Spiele schnell und sehr selbstkritisch bewertet“. Vor allem in der Hinserie lief es sportlich für ihn alles andere als gut. Seinen Stammplatz, den er in der Zweitliga-Saison bei Trainer Jens Härtel innehatte, dann aber unter Michael Oenning verlieren sollte, konnte er sich unter Stefan Krämer nicht zurückholen. Dann kam Claus-Dieter Wollitz als Coach – und Costly war wieder gesetzt. Auch jetzt, im ersten Spiel unter Wollitz-Nachfolger Thomas Hoßmang, stand er in der Startelf und bedankte sich gegen Viktoria Köln prompt mit seinem zweiten Saisontor. „Ich sehe mich seit der Rückrunde auf einem guten Weg“, findet er selbst. „Gerade in der Corona-Zwangspause konnte ich noch mal mehr an mir arbeiten.“

Hilfe vom Ex-Coach in der Corona-Auszeit

Dabei erhielt er auch die Hilfe von jemandem, der ihn bereits in seinem Oberliga-Jahr 2013/2014 beim Rotenburger SV geformt und gefördert hatte – Benjamin Duray. „Mit ihm habe ich Trainingseinheiten absolviert. Mit ihm bin ich weiterhin täglich in Kontakt“, verrät Costly. Nur bei einem Thema lässt sich der Visselhöveder nicht in die Karten schauen: Sein Vertrag läuft demnächst aus. Liga-Rivale Hansa Rostock wurde bereits als möglicher neuer Arbeitgeber in der Gerüchteküche genannt. Doch noch befindet sich Marcel Costly mit Magdeburg mitten im Abstiegskampf. „Aufgrund der aktuellen Situation kann ich mich nicht dazu äußern, ob ich bleibe oder nicht“, erklärt er deshalb.

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