Boris Kapp über aktuelle Veränderungen 

Die Zukunft des Reitsports: „Wer kann sich nach der Krise ein Pferd erlauben?“

Boris Kapp und Mariko Kato führen in Höperhöfen einen Ausbildungs- und Turnierstall. Auch für sie bringt die Corona-Krise viele Veränderungen mit sich. Foto: Kapp
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Boris Kapp und Mariko Kato führen in Höperhöfen einen Ausbildungs- und Turnierstall. Auch für sie bringt die Corona-Krise viele Veränderungen mit sich.

Den Turnierstall von Springreiter Boris Kapp trifft die Corona-Krise hart. Sehr belastend ist das Ungewisse, wie und ob es in diesem Jahr überhaupt weitergeht. Wir sprachen mit dem 43-jährigen Springreiter, der zusammen mit der Japanerin Mariko Kato in Höperhöfen einen Ausbildungs- und Turnierstall führt.

Herr Kapp, wie werden Sie mit der augenblicklichen Situation fertig und inwieweit hat sich Ihr Tagesablauf durch die Corona-Krise verändert?

Es hat sich schon einiges geändert. Wir sind nur in kleiner Besetzung im Stall und bewegen die Pferde längst nicht mehr so intensiv. Wir springen nur sehr wenig und halten uns in allen Dingen streng an die Vorschriften.

Sie arbeiten viel mit Japan zusammen und geben dort an einer Reitschule in Tokio auch Reitunterricht. Geht das im Moment überhaupt?

Bis vor ein paar Wochen war in Japan noch alles normal. Ich kann jetzt auch noch nach Tokio fliegen, müsste dann aber dort erst einmal zwei Wochen in staatliche Quarantäne. Danach könnte ich Reitunterricht geben. Wenn ich nach Deutschland zurückkäme, müsste ich auch hier zwei Wochen in Quarantäne. Mariko könnte ebenfalls nach Japan fliegen, käme aber anschließend nicht mehr nach Deutschland zurück. Das lohnt sich also zur Zeit alles nicht.

Wie viele Pferde haben Sie und Ihr Team in Höperhöfen täglich im Beritt?

Das ist mit acht Turnier- und zehn Zuchtpferden im Moment Gott sei Dank übersichtlich. Dennoch müssen alle Vierbeiner täglich versorgt werden. Es fallen die gleichen Kosten an wie ohne die Corona-Krise.

Reitunterricht können Sie im Moment in Höperhöfen auch nicht geben, oder?

Den haben wir zurzeit komplett eingestellt. Da sind die Vorschriften viel zu hoch.

Lässt sich das ohne Turniere und Verkauf von Pferden durchhalten?

Einige Monate geht das, weil wir in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet haben. Aber wir müssen auf jeden Fall den Gürtel enger schnallen und hoffen, dass es möglichst schnell besser wird.

Glauben Sie, dass der Turnierkalender in den nächsten Monaten völlig durcheinandergerät? Und wann geht es überhaupt weiter?

Inzwischen glaube ich, dass in diesem Jahr turniermäßig gar nichts mehr laufen wird. Ich hatte einige internationale Turniere geplant. Die fallen schon aus. Vielleicht gibt es in Deutschland das eine oder andere Late-Entry-Turnier, damit wir die Pferde bewegen können. Doch die Auflagen werden sehr hoch sein.

Der Pferdemarkt ist im Moment sehr ruhig. Pferdehandel gehört ja zu Ihrem Geschäft dazu. Bricht er eventuell ein, da bei vielen Leuten nicht mehr das Geld für Pferde da ist?

Die sehr guten Pferde werden auch zukünftig teuer zu verkaufen sein, aber die anderen Pferde sicher nicht. Die Frage wird sein, wer sich nach der Corona-Krise überhaupt noch ein Reitpferd erlauben kann.

Haben Sie Angst, dass nach der Corona-Krise auch Ihr Turnierstall nicht mehr das ist, was er war?

Das wird wohl so sein. Wir alle müssen uns umstellen, aber es wird weitergehen. Im Moment ist allein wichtig, dass alle gesund bleiben. Alles andere, auch unser geliebter Reitsport, ist zweitrangig.

Das Interview führte Jürgen Honebein

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