Sportverbände reagieren

Corona im Landkreis Rotenburg: Timeout 2.0 für Amateursport ab Montag

Die neuen Corona-Maßnahmen der Bundesregierung treffen den Amateursport hart. Wie gehen der Landkreis Rotenburg, die Vereine und die zuständigen Sport-Verbände damit um?

  • In einer Allgemeinverfügung hat der Landkreis Rotenburg Sporthallen für außerschulische Nutzung gesperrt.
  • Das Zweitliga-Basketballspiel der Avides Hurricanes gegen Alba Berlin fällt aus.
  • Die Sportverbände reagieren auf die neuen Maßnahmen der Bundesregierung.

Rotenburg – Ab sofort ist (vorerst) wieder Schluss: Der Landkreis Rotenburg hat am Mittwochabend aufgrund der steigenden Corona-Neuinfektionen und des zu hohen Inzidenzwertes von 43 Infizierten auf 100.000 Einwohner reagiert und in einer Allgemeinverfügung seine Sporthallen komplett für die außerschulische Sportausübung gesperrt. Damit ist der Trainings- und Spielbetrieb ab sofort verboten – das betrifft auch die Zweitliga-Basketballerinnen der Avides Hurricanes, die am Samstag in Rotenburg gegen Alba Berlin gespielt hätten.

LandkreisRotenburg (Wümme)
Bevölkerung163.372
Fläche2.070 km²
KreisstadtRotenburg (Wümme)

Sport unter freiem Himmel ist laut Landkreis Rotenburg dagegen ohne Nutzung der Umkleidekabinen und ohne Zuschauer an diesem Wochenende noch zulässig, bevor am Montag die am Mittwochabend verhängten Verbote der Bundesregierung in Kraft treten. Dazu zählt auch das Verbot des Amateursports bis Ende November.

Spiel gegen Alba Berlin fällt am Samstag aus

Zwar zählen die Avides Hurricanes als Zweitligist zum Profisport, doch hat der Landkreis Rotenburg keine Sonderregelung für diesen Bereich ausgesprochen, sondern die Hallen für alle Sparten geschlossen. In der Pressemitteilung des Landkreises heißt es: „Außerschulische Sportausübung in geschlossenen Räumlichkeiten ist untersagt, ausgenommen sind Fitnessstudios mit Hygienekonzept“. Damit besteht für die Hurricanes auch nicht die Möglichkeit, in eine Sporthalle der Stadt zu wechseln. „Das Spiel gegen Alba Berlin fällt aus. Die Weisung ist eindeutig, da gibt es nichts zu rütteln“, erklärt Utz Bührmann, Vorstandsmitglied der Hurricanes, auf Nachfrage.

Wie es danach mit den Basketballerinnen weitergeht, ist noch offen. In der Verfügung der Bundesregierung heißt es: „Profisport ist nur ohne Zuschauer erlaubt“. Damit dürften die Hurricanes am 7. November bei den Rheinland Lions in Bonn spielen. „Stand jetzt findet die Partie statt. Es sei denn, der dortige Landkreis oder das Gesundheitsamt stellen ebenfalls gesonderte Verbote auf“, meint Bührmann. Ab wann der Landkreis Rotenburg die Hallen wieder freigibt, steht noch nicht fest und hängt von der weiteren Corona-Entwicklung ab.

Eine Unterbrechung hätte für die Avides Hurricanes ein finanzielles Ausmaß. „Von der wirtschaftlichen Seite aus gesehen, hoffen wir natürlich, dass wir weiter spielen können. Wir beschäftigen Profispielerinnen und hauptamtliche Trainer. Da geht es nicht nur darum, dass eine Freizeitaktivität gestrichen wird, bei uns geht es um Einnahmen und Ausgaben“, erklärt das Vorstandsmitglied. Am Donnerstagabend trifft sich Bührmann mit den Trainern und den Vorstandsmitgliedern, um über das weitere Vorgehen zu sprechen.

TV Sottrum sagt alle Partien ab

Keine Hoffnungen auf einen weiteren Trainings- und Spielbetrieb können sich dagegen alle Vereine auf Amateurebene machen. Die ab Montag verhängten Maßnahmen der Bundesregierung lassen keine zwei Meinungen zu. „Institutionen und Einrichtungen, die der Freizeitgestaltung zuzuordnen sind, werden geschlossen. Dazu gehören der Freizeit- und Amateursportbetrieb mit Ausnahme des Individualsports. Fitnessstudios, Schwimm- und Spaßbäder werden geschlossen“, heißt es in dem Beschluss, der (vorerst) bis Ende November Bestand hat.

Gähnende Leere auf der Auswechselbank: Ab Montag gilt erneut ein generelles Verbot für den Amateursport. Aufgrund der steigenden Fallzahlen hat die Bundesregierung unter anderem diese Maßnahme am Mittwochabend beschlossen. Der Spielbetrieb ruht vorerst bis Ende November.

Der Niedersächsische Fußballverband (NFV) hatte noch am Montag seinen 33 Fußball-Kreisen mitgeteilt, dass aufgrund der unterschiedlichen regionalen Gegebenheiten hinsichtlich der Corona-Inzidenzwerte zunächst von einer flächendeckenden Aussetzung des Spielbetriebes abgesehen wird. „Aufgrund der extrem steigenden Infektionszahlen müssen wir jetzt zu einer Neubewertung kommen“, sagte NFV-Präsident Günter Distelrath am Mittwochvormittag.

Diese Entscheidung hat nun die Bundesregierung mit ihren Beschlüssen übernommen und den Spielbetrieb ab Montag eingestellt. Der NFV hatte nach der Bekanntgabe zu einer außerordentlichen Präsidiumssitzung geladen. „In den Gebieten Niedersachsens, wo die Corona-Situation eine Austragung der Partien zulässt, darf am Wochenende noch gespielt werden“, erklärte Distelrath hinterher.

NFV-Kreis Rotenburg setzt sofort alle Spiele

Der NFV-Kreis Rotenburg sieht die Entwicklung indes kritischer. „Wir haben beschlossen, bereits ab sofort alle Spiele abzusetzen“, teilt der Spielausschussvorsitzende Frank Michaelis mit. Diese Ansicht vertritt auch der TV Sottrum und zog ebenfalls losgelöst der Beschlüsse direkt am Mittwochabend die Reißleine. „Es gilt für uns alle, die Verbreitung des Coronavirus so schnell wie möglich zu verlangsamen. Der Vorstand hat daher beschlossen, über die Allgemeinverfügung des Landrates hinauszugehen und nicht nur den Hallensport einzustellen, sondern den gesamten Sportbetrieb“, erklärt Vorsitzender Jörn Leiding. Damit fallen alle Fußballspiele des TV Sottrum am Wochenende aus.

Von den Verboten ist der Handballsport der Region indes nur am Rande betroffen. Das Präsidium des Handball-Verbandes Niedersachsen (HVN) hatte nämlich bereits – losgelöst des Corona-Gipfels von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten – am Mittwochvormittag reagiert und aufgrund der Corona-Entwicklung mit sofortiger Wirkung den Spielbetrieb aller Klassen eingestellt. „Zunächst bis einschließlich 31. Dezember“, sagt Präsident Stefan Hüdepohl mit Blick auf die nach wie vor ständig steigenden Covid-19-Fallzahlen. Dieser Entscheidung folgen auch die untergeordneten Verbände, sodass der Handballsport in der Region bis Ende des Jahres in allen Klassen komplett auf Eis liegt.

Die Handball-Region Mitte Niedersachen (HRMN) hatte den Spielbetrieb bereits vergangene Woche bis Ende November abgesagt, verlängert das Verbot nun ebenfalls bis zum Jahresende. „Wir müssen mit einer Stimme sprechen, ansonsten macht es keinen Sinn. Wir machen uns doch unglaubwürdig, wenn wir uns nicht anschließen“, betont HRMN-Vorsitzender Steffen Mundt auf Nachfrage. Und er fügt erleichtert hinzu: „Wir stehen voll hinter der Entscheidung. Die Gesundheit steht an erster Stelle.“

Erst Mittwoch vergangener Woche hatte das HVN-Präsidium den Vereinen aus Regionen, die einen Inzidenzwert von mehr als 35 Neuinfektionen pro 100. 000 Einwohner innerhalb einer Woche melden, freigestellt, die Spiele auszutragen oder zu verlegen. Das gleiche Recht wurde Teams eingeräumt, die in Risikogebieten antreten sollten.

HVN und HRMN: Kein Spielbetrieb bis Jahresende

„Wir wollten den Mannschaften ein Höchstmaß an Freiraum einräumen. Jetzt haben die Vereine mit den Füßen abgestimmt. Die Abstimmung akzeptieren wir. Viele Vereine und auch Sportlerinnen und Sportler haben uns aufgefordert, Verantwortung zu zeigen und den Spielbetrieb auszusetzen. Diesem Wunsch tragen wir Rechnung, weil auch in den Gebieten ohne große Inzidenz
viele voller Verunsicherung und Furcht sind, sich beim Sport mit Corona zu infizieren. Dies ist angesichts der immer neuen Rekorde der Fallzahlen nachvollziehbar“, erklärt Hüdepohl die Entscheidung. Damit geht der HVN und die HRMN sogar noch einen Schritt weiter als die Bundesregierung und setzt den Spielbetrieb direkt bis Jahresende aus.

Die Bälle können wieder eingepackt werden: Rotenburgs Coach Nils Muche darf laut HVN-Beschluss aufgrund der Corona-Krise bis Jahresende keine Spiele mehr mit seinen Oberliga-Handballern bestreiten.

Der TuS Rotenburg zeigt sich über die Absage sehr erleichtert. „Das ist eine Bestätigung unserer Denkweise. Alles andere hätte keinen Sinn gemacht. Ich kann den Verband aber verstehen, dass er versuchen wollte, den Betrieb so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Bei den hohen Infektionszahlen kann die Saison aber nicht einfach so durchgezogen werden“, sagt Rotenburgs Teammanager Johann Knodel.

Wann und wie der Spielbetrieb tatsächlich wieder aufgenommen wird, ist laut Pressemitteilung offen. Hüdepohl: „Kein Mensch weiß, wie sich die Pandemie weiterentwickelt.“ Die Spieltechniker hätten bereits angefangen, verschiedene Modelle zu diskutieren – angefangen bei der Austragung der Meisterschaft in einer Einfachrunde bis hin zur Verkleinerung der Staffeln mit Ermittlung der Meister und Absteiger in Play-off-Spielen. „Das ist alles noch Zukunftsmusik“, weiß der Präsident.

Rubriklistenbild: © Oetjen

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