3G, 2G oder 2G plus

Die Angst vor dem Worst Case: Was verhindert den erneuten Corona-Lockdown im Sport?

Handbälle liegen im Tornetz.
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Noch zappeln die Bälle im Netz – aber wird das auch in den nächsten Monaten so bleiben?

Droht dem Sport der erneute Lockdown oder können verschärfte Maßnahmen wie 2G oder 2G plus die Vereine davor bewahren? Die Sorgen der Amateursportler werden angesichts der aktuellen Corona-Lage wieder größer.

Rotenburg – Die Angst geht wieder um bei den Sportvereinen. Die Angst vor dem Corona-Déjà-vu. Die rasant steigenden Inzidenzzahlen wecken Erinnerungen an das vergangene Jahr, als ab November nichts mehr auf den Plätzen und in den Hallen ging und der Lockdown den Amateursport-Betrieb lahmlegte. Droht das Szenario erneut? Oder genügen einschränkende Maßnahmen?

„Ich glaube, die Saison wird erst einmal weiterlaufen, kann mir aber vorstellen, dass im Fußball konsequent auf 2G umgestellt wird“, sagt Lars Neugebauer, Corona-Beauftragter bei den Oberliga-Fußballern des Rotenburger SV. Wohlwissend, dass der Niedersächsische Fußballverband (NFV) nicht dafür bekannt ist, frühzeitig die Bremse zu ziehen. Noch bis 5. Dezember läuft die Qualifikationsrunde in der Oberliga, ehe es erst am 13. März mit Auf- und Abstiegsrunde weitergehen soll. Ein gewisser Puffer für Nachholspiele ist also vorhanden. In den Bezirksligen muss noch eine Woche länger durchgehalten werden.

Zwar gibt es immer wieder Spielabsagen wegen positiv getesteter Spieler, doch der große Unterschied zu 2020: Aufgrund der Impfungen sind die Ausfälle spürbar weniger geworden, auch weil Mannschaften nicht mehr automatisch geschlossen in Quarantäne geschickt werden. Somit ist die Anzahl der Nachholspiele überschaubar.

Im Rotenburger Stadion gilt bereits 2G

Neben dem Heeslinger SC und im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen setzt der RSV schon seit fast zwei Monaten auf die 2G-Regel im Stadion und lässt nur geimpfte und genesene Besucher rein – spürbare Zuschauerverluste gab es nicht. „Das war die richtige Entscheidung“, findet Neugebauer. Im Umkleidetrakt gilt neuerdings 3G, im Vereinsheim wurde ebenfalls auf 2G umgestellt. Wie es weitergeht und ob gar 2G plus (also geimpft oder genesen plus getestet) kommt – Neugebauer erhofft sich vom Corona-Gipfel von Bund und Ländern am Donnerstag Klarheit. „Keine einfache Entscheidung, die die Politik da zu treffen hat“, findet er.

Bis zum 12. Dezember sind auf Kreisebene Fußballspiele angesetzt. Heiko Meyer ist da spürbar pessimistisch: „Ich gehe davon aus, dass wir noch ein Spiel machen und dann ist es für die nächsten Monate vorbei. Dass wir noch unsere vier Spiele bis zur Winterpause durchkriegen, glaube ich nicht“, fürchtet der Coach des Fußball-Kreisligisten TV Stemmen auch vor dem Hintergrund des jüngsten Spielausfalls zwischen den Ligarivalen TSV Bülstedt/Vorwerk und TSV Karlshöfen. In Karlshöfen hatte es bei einem Spieler einen Impfdurchbruch gegeben. Bisher gibt es jedoch keinerlei Anzeichen, dass die Verbände einen Stopp ins Auge fassen.

Handball-Verband erarbeitet 2G-Konzept

Das trifft auch auf den Hallensport zu. Der Handball-Verband Niedersachsen (HVN) hat erste Maßnahmen ergriffen. „Die Zeichen aus der Politik sind mehr als eindeutig. Die 2G-Regelung wird verstärkt kommen und wir können nur jedem Akteur empfehlen, sich schnellstmöglich zu impfen, denn die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs muss unser aller Ziel sein“, sendet HVN-Präsident Stefan Hüdepohl einen Appell. Der Verband hatte eigens ein 2G-Konzept erarbeitet, was bereits in der Region Hannover Anwendung gefunden hat – nicht nur für Zuschauer, sondern auch für Trainerstab und Spieler ab 18 Jahren, im Wettkampf- sowie Trainingsbetrieb. Bisher gelte aber in „allen anderen Regionen weiterhin die 3G-Regelung“, betont Vizepräsident Spieltechnik Jens Schoof.

Der SV Beckdorf, Oberliga-Kontrahent des TuS Rotenburg, war bei seinen Heimspielen schon vor Wochen auf 2G „umgestiegen“ – die Kontaktverfolgung und Maskenpflicht entfiel. Die Rotenburger planen aktuell nicht mit diesem Modell – für die Nachholpartie am Freitag gegen den TuS Haren gilt weiter 3G in der Pestalozzihalle. „Wir fahren da ganz gut mit“, sagt Teammanager Johann Knodel. Er weiß aber: „Wenn der HVN sagt, er stellt auf 2G um – und die Regelung wird er irgendwann einführen –, dann müssen wir uns darauf einstellen. Die haben Angst vor dem erneuten Lockdown. Das wäre der Worst Case für den Verband und für uns.“

Basketballer haben 100-Prozent-Impfquote

Eine Sonderrolle nehmen wiederum die Zweitliga-Basketballerinnen der Avides Hurricanes sein. Sie gelten als Profiteam, durften unter Auflagen (regelmäßige Tests) im vergangenen Winter im Gegensatz zu den Amateurteams weitertrainieren und eingeschränkt sowie ohne Zuschauer ihre Punktspiele bestreiten. „Ich rechne damit, dass die Maßnahmen wieder verschärft werden. Ob Zuschauer generell ausgeschlossen werden, ob 2G plus kommt oder die generelle Einstellung des Spielbetriebes – ich halte nichts für ausgeschlossen“, meint Hauke Sievers, Abteilungsleiter der Hurricanes. Bei den Heimspielen gilt derzeit die 3G-Regel – „wir nehmen das sehr ernst und haben immer eine Person am Eingang, die das kontrolliert.“ Sievers berichtet, dass die Damen und Herren des Vereins eine 100-Prozent-Impfquote haben. Eine vorauseilende Einführung von 2G bei Zuschauern sei derzeit nicht geplant, aber sofort umsetzbar: „Das sind wir mittlerweile ganz gut geübt. Warten wir mal ab, was die nächsten Tage bringen.“

Darauf ist auch Coach Christian Greve gespannt. „Ich habe das Gefühl, dass wir durch die Wahl im Vakuum sind. Das kann gerade sehr viel verschleppen und dazu führen, dass es wieder Abbrüche gibt“, merkt er kritisch an und findet: „Man hätte schon viel mehr machen können, gerade was die Booster-Impfung angeht.“ Er sei von einer 2G-Plus-Lösung „eher angetan“ und könne sich vorstellen, dass seine Spielerinnen trotz Impfung künftig wieder vor den Spielen getestet werden. Ohnehin habe er allgemein beobachtet, dass „die Gesellschaft wieder sehr lax geworden“ sei, was Verhaltens- und Hygieneregeln anginge.

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