„Teamplay ist das nicht“

Chambers läuft richtig heiß

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D’Asia Chambers (am Ball) brachte mit ihren Aktionen die Hurricanes zurück ins Spiel – am Ende aber vergebens.

Scheeßel - Von Matthias Freese. Jetzt ist auch diese Serie dahin! Bisher hatten die Basketballerinnen der Avides Hurricanes noch nie ein Bundesliga-Heimspiel gegen den BC Marburg verloren, im fünften Vergleich ging’s aber schief.

Nach einem Katastrophen-Start hatte Neuzugang D’Asia Chambers das Schlusslicht zwar auf die Überholspur gebracht, doch am Ende war der Tank leer. Mit der 65:80 (35:38)-Heimniederlage in Scheeßel findet somit eine Negativserie ihre Fortsetzung: Seit zehn Spielen sind die Hurricanes ohne Sieg. Sie werden wohl die Abfahrt Richtung zweite Liga nehmen müssen.

Der Spielverlauf war am besten an Rolf Ludwigs Gemütszustand abzulesen – wie ein Rumpelstilzchen zeterte der Vorsitzende des TuS Rotenburg ob des 17-Punkte-Rückstandes (6:23/9.). Als die Aufholjagd begann, reagierte auch der 74-Jährige himmel-hoch jauchzend. Doch am Ende regierte die Verbitterung. „Die Mannschaft hat keine Kondition und keinen Teamgeist. Da sind keine Emotionen drin. Die sollen sich lieber in der zweiten Liga erholen“, schimpfte Ludwig. Christoph Treblin, Vorstand Sport der Hurricanes, sah das etwas anders: „Das kannst du der Mannschaft nun wirklich nicht absprechen, dass sie nicht mit dem ganzen Herzen dabei ist“, bezog er Position. „Und im zweiten und dritten Viertel tobte die Halle doch.“

Wohl wahr, zwischen der zehnten und der 29. Minute spielten sich die Hurricanes in einen Rausch, rissen mit – vielmehr war es D’Asia Chambers, die so richtig heiß lief, es nun auf eigene Faust versuchte, wie beim Streetball zockte und mit ihrer Solo-Show extrem erfolgreich war. Die Amerikanerin erzielte allein im zweiten Viertel, das mit 27:15 gewonnen wurde, 15 Punkte, kam am Ende auf 23 und dominierte wie ein T-Bone-Steak auf dem Teller – die Mitspielerinnen waren da quasi die Beilage. Landsfrau Janae Young ließ sich am meisten anstecken, steuerte bis zur Pause zwei Dreier zum 35:38 bei und brachte die Hurricanes mit ihrem vierten erfolgreichen Wurf aus der Distanz erstmals in Führung – 46:45 (25.).

Bis zum 58:52 durch Petra Zaplatova schwammen die Gastgeberinnen auf dieser Welle (29.), dann erhielt das Selbstbewusstsein die entscheidenden Dämpfer. „Wir sind vom Kopf her noch nicht bei 100 Prozent. Das Selbstvertrauen ist nicht hoch, es ist zu wackelig“, erklärte Coach Mahir Solo. Kurz vor Ende des dritten Durchgangs glich Katie Yohn per Dreier aus, unmittelbar nach Wiederbeginn brachten Tonisha Baker und Svenja Greunke die Lahnstädterinnen ebenfalls per Dreier mit 64:58 in Führung. „Da sind wir wohl schlecht vorbereitet gewesen. Wir haben uns auf andere Leute konzentriert“, bemerkte Laura Rahn. „Und wir machen dann nicht nur einen Fehler, sondern vier, fünf hintereinander. Das kostet so viel Kraft, das wieder aufzuholen.“

Es ist zum Schreien: Kapitänin Pia Mankertz (am Ball, gegen Paige Bradley) konnte die Niederlage auch nicht verhindern.

Solo mochte das erste und ebenso schlimme letzte Viertel (8:23/7:22) unmittelbar nach dem Spiel nicht bewerten – „da muss ich erst das Video sehen“, meinte er. Laura Rahn merkte aber kritisch und gefrustet an: „Teamplay ist das nicht, was wir spielen.“

Auffällig auch: Während die Hurricanes ihre zuletzt beängstigend hohe Turnover-Quote mit elf Ballverlusten einigermaßen im Griff hatten, erinnerte das Rebound-Verhalten eher an eine schüchterne Schülermannschaft. Mit 37:20 dominierte Marburg hier – einzig Young (neun) und Chambers (sechs) kamen auf gute Werte. Centerin Tabytha Wampler, die nach ihrem Mittelfußbruch noch rund drei Wochen einen Gehschuh tragen muss, wurde da schmerzlich vermisst. „In der Situation ist es nicht so leicht. Ohne Große kannst du da nicht gewinnen“, bemerkte auch Ex-Coach Tomas Holesovsky. Er hatte sich das Spiel von der Tribüne aus angeguckt und hielt anschließend einen längeren Plausch mit Marburgs Trainer Patrick Unger. Sein siegloser Nachfolger weilte währenddessen beim Team in der Kabine und haderte nach der fünften Niederlage unter seiner Regie: „Da ist es schwer, ein schönes Wochenende zu haben.“

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