Utz Bührmann legt Zahlen offen / Anreise per Flugzeug / Lotto neu im Hurricanes-Sponsorenpool

„Das klingt erstmal dekadent“

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Ständiger Austausch: Utz Bührmann (l.) im Gespräch mit Vorstandskollege Christoph Treblin.

Scheeßel - Von Matthias Freese. Utz Bührmann ist der Mann für die Zahlen und Verträge bei den Erstliga-Basketballerinnen der Avides Hurricanes und ein Mann des offenen Wortes. Vor dem Saisonstart spricht das 43-jährige Vorstandsmitglied Finanzen – im Hauptberuf Betriebsprüfer des Finanzamtes – über den Etat, das Sponsoring und die erstmalige Anreise per Flugzeug.

Herr Bührmann, der letzte Erstliga-„Ausflug“ war eher verkorkst und endete mit dem Abstieg. Ist so eine Saison mit Trainerwechsel, dem Austausch von Spielerinnen und verletzungs- sowie krankheitsbedingten Ausfällen noch einmal denkbar?

Utz Bührmann: Ich denke, die vielen Ausfälle zum Ende hin haben uns damals das Genick gebrochen. Davor sind wir auch diese Saison nicht gefeit. Eine Pia Mankertz wäre längerfristig nicht zu ersetzen, auch der Ausfall einer Amerikanerin nicht. Alle anderen Begleitumstände schließe ich dieses Mal jedoch aus. Da sind wir auf der sicheren Seite, denn wir wissen, was unsere Spielerinnen können.

Das heißt, der Kader ist gut genug für die erste Liga?

Bührmann: Im Kader stehen nun 15 Spielerinnen – wir haben eine tiefe Bank, so wie wir es noch nie gehabt haben. Von der individuellen Klasse können sieben, acht locker erste Liga spielen, aber auch die anderen brauchen wir. Mehr können wir mit unseren Etat gar nicht haben. Wir haben bewusst auf die Einbindung der eigenen Jugend und längerfristige Verträge mit den amerikanischen Leistungsträgerinnen gesetzt, um mit einem eingespielten Team mit sinnvollen Verstärkungen weiterzumachen.

Der Etat ist aber höher als in der Zweitliga-Saison, oder?

Bührmann: Ja. Wir sind rund 40000 Euro drüber und liegen bei 220000 Euro.

Ist das mehr als vor zwei Jahren in der ersten Liga?

Bührmann: Da waren es ungefähr 180000 Euro. Vor sechs Jahren hatten wir nicht mal die Hälfte von dem, was wir jetzt haben. Da waren wir wirklich klein und hatten in der zweiten Liga den niedrigsten Etat. Aber wir haben auch jetzt nie eine Chance gegen den TSV Wasserburg, den Krösus der Liga. Auch einige andere Vereine haben mehr Geld, das merkt man in den Verhandlungen, die man mit den Agenten und Spielerinnen führt. Ich denke, wir liegen inzwischen im unteren Drittel oder im Mittelfeld. Die dritte Amerikanerin konnten wir uns leisten, eine Katarina Flasarova auch – wir haben das Team finanziell und sportlich aufgerüstet, aber wir machen keine Experimente und verschulden uns nicht.

Aber die Reise nach Wasserburg per Flugzeug ist drin.

Bührmann: Das ist eine einfache Milchmädchenrechnung. Busfahrt und Übernachtung hätten uns 2000 Euro gekostet. Wir zahlen jetzt für den Flug und die Miet-Vans 2300 Euro. Da brauchten wir nicht groß zu überlegen. Das klingt erstmal dekadent, aber macht Sinn. Wir hätten das auch für andere weite Auswärtsfahrten gerne gemacht, aber da lagen wir mit den Spielzeiten außerhalb der Start- und Landezeiten.

Sind Sie eigentlich gerne die Nummer eins im Norden oder hätten Sie – wie früher – lieber weitere Clubs aus der Gegend in der Liga mit drin gehabt?

Bührmann: Natürlich haben auch wir mehr von einem Lokalderby wie gegen Osnabrück. Das ist quasi eine Hassliebe, das ist immer besser, als wenn du nach Bad Aibling musst. Außerdem: Je weiter die Fahrten desto teurer.

Aber es ist ja schon so, dass die Hurricanes nach dem Aufstieg neue Sponsoren dazugewonnen haben, oder?

Bührmann: Die Hauptsponsoren haben alle ihren Beitrag ein bisschen erhöht. Da ist die Avides Media AG, unser Haupt- und Namenssponsor, die Sparkassen Scheeßel und Rotenburg-Bremervörde, die Stadtwerke Rotenburg sowie Lotto als neuer Partner. Zudem haben wir zehn neue Sponsoren dazubekommen – alle im Bereich von 1000 bis 2000 Euro. Und Julia Reisen kommt uns bei den weiten Auswärtsfahrten auch sehr entgegen. Unseren Sponsoren müssen wir für ihr Vertrauen dankbar sein, wir haben es mit zielstrebiger Arbeit und dem versprochenen sofortigen Wiederaufstieg zurückgezahlt.

Mit Lotto Niedersachsen ist erstmals auch ein überregionales Unternehmen dabei. Wie haben Sie das geschafft?

Bührmann: Wir haben schon seit zwei Jahren versucht, da ranzukommen. Ich denke unser Alleinstellungsmerkmal, dass wir die einzige Mannschaft sind, die erste Liga spielt, war ausschlaggebend.

Wie wichtig ist es, dass Sie auch in Sachen Sponsoring „über den Tellerrand“ schauen?

Bührmann: Nur aus der Region bekommen wir das Geld nicht zusammen, das ist ziemlich ausgereizt.

Angenommen, es würde zu langfristigen Verletzungen kommen, könnten Sie denn noch nachbessern?

Bührmann: Wenn es Not tut, könnten wir zur Rückrunde noch reagieren. Dadurch, dass unsere Sponsoren aufgestockt haben und der Zuschauerzuspruch letzte Saison größer als erwartet war, haben wir Reserven aufgebaut. Allerdings möchte ich da ungern rangehen, den Puffer kann man immer gut gebrauchen.

Was hat sich seit dem letzten Erstliga-Aufenthalt verändert?

Bührmann: Wir haben es vorher nicht schlecht gemacht, wir haben jetzt aber noch zwei Jahre mehr Erfahrung und die ganze Organisation besser verteilt, feste Teams, die für bestimmte Dinge zuständig sind.

Welche Funktion hat eigentlich Christoph Göx, der sich noch in der letzten Erstliga-Saison als Manager eingebracht hat, aktuell?

Bührmann: Er hat sich aus zeitlichen Gründen aus dem operativen, dem täglichen Geschäft ziemlich zurückgezogen, ist aber weiter im Vorstandsteam dabei.

Und eine Liveübertragung der Spiele im Internet gibt es auch wieder.

Bührmann: Ja, in der ersten Liga müssen wir wieder einen Livestream anbieten. Wolf Schmidt macht den Kameramann, im Wechsel werden Mascha und Nele Treblin sowie Sebastian Roy und Ronald Völker kommentieren. Wir haben in Rotenburg jetzt einen 50000er DSL-Anschluss liegen, in Scheeßel sogar einen Glasfaseranschluss. Unsere Übertragungsqualität wird optimal sein, da sind wir ganz vorne in der Liga dabei.

Gibt es sonst auch besondere Anforderungen, die Sie erfüllen müssen?

Bührmann: Sonst gibt es keine großen Neuerungen. Ein Parkettboden steht zwar weiter in der Ausschreibung drin, die Vorgabe wird aber seit Jahren ausgesetzt. Solche Investitionen kann man im Frauen-Basketball auch nicht realisieren.

Und wie lautet jetzt die sportliche Zielsetzung der Hurricanes?

Bührmann: Wenn es richtig gut laufen sollte und ich einen Wunsch von der Basketball-Fee frei hätte, würde ich gerne nach dieser Saison auf dem sechsten Tabellenplatz stehen. Dann würden wir beim nächsten Season-Opening kein Heimspiel verlieren. Aber ganz im Ernst: Es zählt allein der Klassenerhalt. Alles andere wäre super und auch die Play-offs sind im Budget für die Saison bis zu einem Halbfinale grundsätzlich schon abgedeckt. Die Play-offs sind aber keine Pflicht! Natürlich kann man Erfolg nicht planen – aber hart dafür arbeiten tun wir trotzdem!

Kader der Avides Hurricanes in Steckbriefen

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