Sportlerwahl des Jahrzehnts - Startnummer 10

Im Familienglück: Luka Bruns verschiebt seine Prioritäten

Luka Bruns hält den Pokal hoch.
+
Geschafft: Luka Bruns war „Sportler des Jahres“ 2013.

Rotenburg – Der Ball ist etwas größer geworden – er wird nicht mit der Hand, sondern mit dem Fuß gespielt. Luka Bruns, langjähriger Goalgetter der Oberliga-Handballer des TuS Rotenburg, gönnt sich und seinem Körper gerade eine Auszeit vom Leistungssport. Nach zehn Jahren „Knochenarbeit“ zog der einstige Sieger der Sportlerwahl 2013 vorerst einen Schlussstrich.

Da er aber nicht ganz ohne Schweißperlen auf der Stirn auskommt, hat er vorübergehend die Sportart gewechselt und trägt seit dem vergangenen Sommer Stollen- statt Hallenschuhe. Aufgrund der Corona-Krise stehen für den 26-Jährigen beim Rotenburger SV III in der 2. Fußball-Kreisklasse Süd bisher jedoch nur drei Einsätze zu Buche.

Ganz neu ist für Bruns das Fußballspielen nicht. In der Jugend war er bereits beim RSV aktiv und hatte es bis in die Kreisauswahl geschafft. Aber auch die Verantwortlichen beim Handball hatten Bruns‘ Können ebenfalls schnell entdeckt und ihm auch eine Einladung für die Kreisauswahl zukommen lassen. „Zu dem Zeitpunkt musste ich mich dann entscheiden, da der Zeitaufwand für mich zu heftig geworden wäre“, erinnert sich der Rotenburger, der daraufhin seine Fußballschuhe in den Schrank stellte.

HSV-Logo auf der Brust: Luka Bruns spielte bei den Hamburgern.

Im Sommer sei für den offensiven Mittelfeldmann der richtige Zeitpunkt gewesen, seine „Karriere“ im Fußball wieder aufleben zu lassen. „Die Leidenschaft zum Handball kann nichts ersetzen. Allerdings habe ich am Fußball sehr viel Gefallen gefunden – gerade das Spielen in den nicht leistungsbezogenen Klassen. Der Sieg steht nicht an vorderster Stelle, sondern der Spaß an der Sache. Es war mir schon immer ein Wunsch, mal nebenbei ein bisschen zu kicken“, erklärt Bruns.

Familie rückt mehr und mehr in Vordergrund

Während der Leistungssport seit der Jugend immer oberste Priorität hatte, haben sich seine Interessen mittlerweile etwas verschoben. Der 26-Jährige ist im vergangenen Sommer erstmals Vater geworden und hat zudem seine langjährige Freundin Jaqueline geheiratet. Daher genießt Bruns seine neu gewonnene Freizeit umso mehr. „Die Familie ist mehr und mehr in den Vordergrund gerückt, da sie doch häufig sehr kurz kam“, gesteht er. Und auch sein Beruf als Automobilkaufmann im Autohaus seines Vaters misst Bruns eine wichtige Bedeutung zu. „Ich will dem beruflichen Alltag mehr Verantwortung widmen und dort weiter vorankommen“, zeigt sich der Rotenburger ehrgeizig.

Das Ja-Wort gegeben: Luka Bruns hat im vergangenen Sommer seine Freundin Jaqueline geheiratet. Das Paar hat einen sechs Monate alten Sohn.

Seinem Fleiß hatte der Linkshänder es auch zu verdanken, dass er im Handball so weit gekommen ist. 2010 schaffte der Rechtsaußenspieler den Sprung zum damaligen Aushängeschild HSV Hamburg und spielte bei den Hanseaten ein Jahr in der B-Jugend und anschließend noch eine Saison in der A-Jugend-Bundesliga. Nach zwei Jahren kehrte der damalige Landesauswahlspieler zu seinem Heimatclub TuS Rotenburg zurück und zählte dort fortan zu den Leistungsträgern. Als A-Jugendlicher war er bereits fester Bestandteil des Herrenteams. „Ich wusste schon immer, was ich will. Ich wusste aber auch, was ich dafür geben muss“, blickt er zurück.

Für seine starken Leistungen und unzähligen Tore wurde er schließlich zum „Sportler des Jahres“ 2013 ausgezeichnet. „Meine Erinnerungen an den Abend sind nur noch vage. Ich war sehr aufgeregt, weil es unter anderem um mich und meine Leistungen ging. Ich weiß noch, wie spannend die Verkündung bis zur letzten Sekunde gemacht wurde. An meinem Tisch haben alle lautstark meinen Namen gerufen. Mit meinen damaligen 18 Jahren war das ein tolles Gefühl, dass auf einmal jeder mich erkannte, der sich für Sport interessiert. Aber die Honorierung für meinen Erfolg habe ich erst jetzt in den vergangenen Jahren verstanden“, blickt Bruns gerne zurück. Diese Auszeichnung sei für ihn auch in den Folgejahren stets ein Ansporn gewesen, seinen Sport in der Intensität weiter zu betreiben.

„Ein toller Zeitraum in meinem Leben“

Sein Erfolg setzte sich weiter fort. So schaffte er mit dem TuS Rotenburg dank seines Einsatzes, seiner Verbundenheit und seines Teamgeistes – wie er selbst seine Stärken beschreibt – den Sprung bis in die Oberliga. „Das, was ich hier in Rotenburg mitbekommen, mitgemacht und erlebt habe, ist für mich ein toller Zeitraum in meinem Leben. Auf diese Zeit kann ich immer stolz zurückblicken. Die Zeit war geprägt von vielen Erfolgen, mannschaftlicher Geschlossenheit und Loyalität zum Verein“, so Bruns.

Der ehrgeizige Handballer macht aber auch keinen Hehl daraus, dass er durchaus Schwächen hat und hin und wieder darüber nachdenkt, warum er es nicht noch mal bei einem anderen Verein höherklassig versucht hat. „Ich habe mich nie getraut, einen größeren Schritt zu versuchen, um eventuell dann hinzufallen und aus dem Fehler zu lernen. Ich bin, was das angeht, schon immer sehr vorsichtig gewesen“, gesteht er.

Die Prioritäten haben sich verschoben: Für Luka Bruns, langjähriger Goalgetter des Handball-Oberligisten TuS Rotenburg, stehen die Familie (hier mit seinem sechs Monate alten Sohn Lian auf dem Schoß) und der Job als Automobilkaufmann mittlerweile im Vordergrund.

Wie es künftig bei ihm weitergeht und wann er wieder beim Handball angreifen will, weiß der Rotenburger momentan selbst noch nicht so genau. „Sicher ist, dass ich wieder aktiv Handball im Verein spielen werde. Für die Zukunft habe ich mir vorgenommen, noch einige Jahre mit den Jungs aus der vergangenen Zeit mit viel Spaß zu spielen. Wann, in welcher Mannschaft und welcher Liga ist aber noch vollkommen offen. Aktuell genieße ich die Zeit, in der keine körperlichen Beschwerden zu merken sind und der ein oder andere Tag in der Woche noch nicht durch Sport verplant ist“, betont Bruns.

Die Gefahr, durch seine Auszeit „einzurosten“, besteht trotz der anhaltenden Corona-Krise bei dem Fitnessliebhaber aber nicht. Der Linkshänder geht regelmäßig Laufen oder schiebt fleißig den Kinderwagen mit Sohn Lian. „Wir machen unzählige Spaziergänge bei ordentlichem Tempo“, sagt der Familienvater und lacht. Ob er dabei auch einen Ball am Fuß hat oder aber prellend mit dem Ball unterwegs ist, hat Bruns nicht verraten.

Zahlen, Daten, Fakten: Luka Bruns

Geburtsort: Rotenburg.

Alter: 26 Jahre.

Aktueller Wohnort: Rotenburg.

Familienstand: Verheiratet, ein Kind.

Beruf: Automobilkaufmann.

Sportart: Handball.

Sieger bei der Sportlerwahl: 2013.

Größte Erfolge: Oberliga-Meister in der B-Jugend des HSV Hamburg, mit dem HSV Hamburg in der A-Jugend-Bundesliga gespielt zu haben, Teilnahme am Länderpokal mit der Landesauswahl Hamburg, Oberliga-Aufstieg mit dem TuS Rotenburg.

Bisherige Vereine: TuS Rotenburg, HSV Hamburg.

Aktuelle Vereine: TuS Rotenburg, Rotenburger SV.

Hobbys: Fitness, Handball, Fußball, Familien-Unternehmungen, Podcasts hören.

Ziele: Beruflich vorankommen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Ehemaliger Fußball-Profi Gütschow erzählt von Karriere und Trainer-Jobs

Ehemaliger Fußball-Profi Gütschow erzählt von Karriere und Trainer-Jobs

Ehemaliger Fußball-Profi Gütschow erzählt von Karriere und Trainer-Jobs
Marcel Costly hat es ohne Nachwuchsleistungszentrum in den Profifußball geschafft

Marcel Costly hat es ohne Nachwuchsleistungszentrum in den Profifußball geschafft

Marcel Costly hat es ohne Nachwuchsleistungszentrum in den Profifußball geschafft
Bobo – der Leader ist gelandet

Bobo – der Leader ist gelandet

Bobo – der Leader ist gelandet
Stach-Schwestern treffen sich in Marburg im Nationaltrikot

Stach-Schwestern treffen sich in Marburg im Nationaltrikot

Stach-Schwestern treffen sich in Marburg im Nationaltrikot

Kommentare