Nationalspielerin konzentriert sich auf 3x3-Basketball

Gebürtige Rotenburgerin Svenja Brunckhorst nimmt die Olympischen Spiele in Tokio ins Visier

Bis Jahresende trägt Svenja Brunckhorst noch das Wasserburger Camouflage-Trikot.
+
Bis Jahresende trägt Svenja Brunckhorst noch das Wasserburger Camouflage-Trikot.

Svenja Brunckhorst wurde in Rotenburg geboren, lebte in Scheeßel und startete beim TSV Wasserburg mit zehn Jahren ihre Basketball-Karriere, die sie bis in die Nationalmannschaft führte. Nun hat sie ein neues Ziel: Die Olympischen Spiele in Tokio, bei denen sie im 3x3-Basketball starten möchte. Vorher gastiert sie am Mittwoch mit Wasserburg noch bei den Avides Hurricanes.

  • Basketball-Nationalspielerin Svenja Brunckhorst kehrt für ein Spiel nach Scheeßel zurück.
  • Ab Januar gilt ihr Augenmerk den Olympischen Spielen in Tokio.
  • Auch für die Zeit nach dem Basketball hat sie bereits vorgesorgt.

Scheeßel – Fünf Jahre ist es mittlerweile her. Damals lief Svenja Brunckhorst zuletzt in einem Pflichtspiel mit dem TSV Wasserburg in Scheeßel auf. Im Punktspiel der ersten Liga gab es für den Deutschen Meister einen 87:63-Erfolg. Dass die 29-Jährige nun, am Mittwoch (19.30 Uhr), erneut in der alten Heimat zum Korb zieht, liegt nicht nur an der Auslosung, die den Zweitliga-Basketballerinnen der Avides Hurricanes im Achtelfinale des DBBL-Pokals diesen äußerst attraktiven Gegner beschert hat. Auch die Corona-Pandemie spielt eine Rolle. Ohne sie würde Brunckhorst nicht mehr für das Team vom Inn spielen, sondern längst ein neues, spannendes Projekt verfolgen. Die Nationalspielerin will sich für die Olympischen Spiele 2021 in Tokio qualifizieren und konzentriert sich deshalb ab Januar komplett auf 3x3-Basketball. Die Streetball-Variante wird olympisch.

3x3 wird olympisch

Von der Straße zu Olympia: 3×3-Basketball hat seinen Ursprung im Streetball. Es stehen jeweils nur drei Spieler pro Team auf dem Outdoor-Court, wobei auf nur einen Korb mit einer Angriffszeit von zwölf Sekunden gespielt wird. Im Juni 2017 erklärte das Internationale Olympische Komitee, dass die Spielform 3×3 mit den (auf 2021 verlegten) Spielen in Tokio olympisch wird.

„Ich habe mir gedacht, ich brauche noch mal was anderes, einen neuen Input für mich persönlich, eine Veränderung“, erzählt Svenja Brunckhorst. Das Tokio-Ticket und die neue Art des Basketballs waren da genau der richtige Anreiz. „Ich habe noch nie eine Olympia-Quali gespielt. Und die Chance ist da realistischer“, sagt sie mit Blick auf die 5x5-Nationalmannschaft. Noch sind vier Startplätze zu vergeben – drei davon beim Qualifikationsturnier im Mai in Graz. Für diesen Traum kehrt Brunckhorst Anfang des neuen Jahres in den Norden zurück. In Hannover ist die neue Basis, dort wird sie Quartier beziehen, ebenso wie Stefanie Grigoleit und Luana Rodewald, die das gleiche Ziel haben. Weitere potenzielle Kandidatinnen für das zu bildende Nationalteam sollen folgen.

Lang ist‘s her: Svenja Brunckhorst 2004 beim Treffen mit Christoph Treblin von der BG ‘89.

„3x3 ist im Kommen, ich wollte dem ein Gesicht geben und zeigen, dass es ein Sport ist, auf den man schauen sollte“, erklärt Brunckhorst ihren Ambitionen. „Da ist es doch wichtig, dass welche von uns, aus der Nationalmannschaft, den Schritt gehen, sodass es auch schnell professionell aufgezogen wird. Wir sind in Deutschland ja noch in den Babyschuhen. Ich möchte da mitgestalten.“ In Niedersachsens Landeshauptstadt wurde im vergangenen Sommer der erste offizielle 3x3-Court in Deutschland eröffnet, hier soll demnächst auch ein Bundesstützpunkt entstehen. Gecoacht werden Brunckhorst und ihre Mitspielerinnen von Matthias Weber, der vor etlichen Jahren auch schon mal kurze Zeit bei der BG ‘89 Jugendtrainer war. Er wurde vom Deutschen Basketball-Bund (DBB) eigens für diese neue Disziplin zum Bundestrainer befördert. Der erste Anlauf im September musste aufgrund der Corona-Pandemie noch unterbrochen werden, die Spielerinnen durften sich daraufhin bis Jahresende einem Verein anschließen. Klar, dass Brunckhorst sich für den TSV Wasserburg entschied, mit dem sie schon sechsmal Deutscher Meister wurde. „Das ist ein Win-win-Situation für beide Seiten“, sagt sie. Die Aufbauspielerin hält sich auf hohem Niveau entsprechend fit und hilft dem Team mit ihrer Erfahrung.

Zur Person

Geboren wurde Svenja Brunckhorst 1991 in Rotenburg, doch bereits im Alter von zehn Jahren verließ sie mit ihrer Familie ihren Wohnort Scheeßel und zog nach Wasserburg am Inn. Beim TSV Wasserburg entwickelte sie sich zu eine der besten deutschen Basketballerinnen. Der Point Guard durchlief sämtliche Nationalmannschaften und debütierte 2013 im A-Team der Frauen. Die Wasserburgerinnen verließ sie für einen Wechsel zum USC Freiburg (2011/2012), Cadi La Seu (Spanien, 2016/2017) und Cavigal de Nice (Frankreich, 2017/2018), um aber stets zurückzukehren. Mit den Oberbayern wurde sie sechsmal Deutscher Meister. 2019 holte sie den nationalen Titel im 3x3-Basketball mit Ama Degbeon, Sonja Greinacher und Emma Stach. Brunckhorst hat Internationales Management studiert und mit einem Master abgeschlossen. maf

„Ab dem neuen Jahr werden wir uns dann komplett in Hannover vorbereiten“, erzählt Brunckhorst. „Es ist ein bisschen wie ein Individualsport – eine kleine Mannschaft, kein Verein dahinter. Viele Sachen müssen wir für uns selbst regeln.“ 3x3-Basketball erinnert auch in dieser Hinsicht ein wenig an den Aufstieg des Beachvolleyballs vor fast 30 Jahren.

„Unsere Trainerin ist eine Perfektionistin“, sagt Svenja Brunckhorst (l.) über Sidney Parsons.

2019 feierte Svenja Brunckhorst bereits ihren ersten Erfolg beim 3x3 – zusammen mit der früheren Hurricanes-Stammkraft Emma Stach, Ama Degbeon und Sonja Greinacher holte sie in Hamburg den DM-Titel. Vom herkömmlichen Basketball will sie sich deshalb aber nicht komplett lösen. „Ich spiele ja auch noch in der 5x5-Nationalmannschaft“, betont sie. Im Februar stehen weitere Spiele in der EM-Qualifikation an, aktuell befindet sich Deutschland auf Kurs Richtung Endrunde im Juni in Spanien und Frankreich. „Ich möchte das Fünf-gegen-fünf noch nicht aufgeben. Da mache ich dann also den Switch“, meint die 29-Jährige, die sich nach ihrem mit dem Master abgeschlossenen Studium im Fach Internationales Management ab Februar in Wirtschaftspsychologie einschreiben will.

Ans Karriereende denkt Svenja Brunckhorst noch nicht

Ans Karriereende denkt Brunckhorst aktuell aber noch nicht. „Früher, als ich 20 war, habe ich gesagt, dass ich mit 30 aufhöre. Jetzt bin ich 29 und es macht noch Spaß. Der Körper gibt es auch noch her, in den letzten sieben, acht Jahren habe ich nicht ein Spiel verpasst. Ich würde noch gerne zwei, drei Jahre spielen, will aber auch sehen, den Transfer langsam hinzubekommen. Ich mag neue Herausforderungen und bin, glaube ich, gut aufgestellt“, blickt sie optimistisch in ihre Zukunft nach dem Basketball.

Greve: „Was am Ende oben auf der Tafel steht, ist zweitrangig“

Keine Zeit zum Träumen: Im Achtelfinale des DBBL-Pokals haben die Zweitliga-Basketballerinnen der Avides Hurricanes am Mittwoch (19.30 Uhr in Scheeßel, Zuschauer nicht erlaubt) keine realistische Chance gegen den Tabellenzweiten des Oberhauses, Rekordmeister TSV Wasserburg. Christian Greve denkt bei den Zielen gar nicht erst an eine Überraschung. „Es geht mehr darum, alles an Leidenschaft, Energie und Herz aufs Feld zu werfen. Was am Ende oben auf der Tafel steht, ist zweitrangig“, formuliert es der Coach.

Die personelle Situation könnte sich gegenüber der 49:84-Niederlage bei den Rheinland Lions leicht entspannen. Guard Anna Suckstorff fehlt weiter mit Achillessehnenproblemen, bei Melda Tölle rechnet Greve aber mit einem Einsatz, auch wenn der Schädel nach einem Schlag an die Stirn „noch ein bisschen brummt“. Ob US-Profi Maddie Simon trotz Bänderverletzung aufläuft, entscheidet sich im Training – „wir gucken, ob es sinnvoll erscheint“, sagt der Coach. Ein kurzfristiges Comeback von Kapitänin Pia Mankertz (Auszeit wegen Referendariatsprüfung) schließt er aus: „Es gibt noch keine Gespräche, wann der Einstieg erfolgen soll.“ maf

Nur eines stört sie derzeit – die aktuellen Umstände, unter denen gespielt wird: „Ich darf mal wieder zurückkehren. Aber so ist es natürlich nicht dasselbe Gefühl, weil meine Familie nicht zuschauen kann.“ Großeltern, Tanten und Onkel wohnen noch in der Region, dürfen am Mittwoch aber nicht auf der Tribüne Platz nehmen, weil Zuschauer nicht erlaubt sind. Die Wasserburgerinnen werden übrigens erst am Mittwoch anreisen, dann aber in Rotenburg übernachten. „Da ist ein kurzes Hallo aus der Entfernung hoffentlich drin“, glaubt Svenja Brunckhorst.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Was bei einem Kaiserschnitt auf Frauen zukommt

Was bei einem Kaiserschnitt auf Frauen zukommt

Meistgelesene Artikel

Basketball-Zweitligist verpflichtet Schinkel und holt Saidi zurück

Basketball-Zweitligist verpflichtet Schinkel und holt Saidi zurück

Basketball-Zweitligist verpflichtet Schinkel und holt Saidi zurück
Klindworth wird Ironman-Dritter auf Lanzarote

Klindworth wird Ironman-Dritter auf Lanzarote

Klindworth wird Ironman-Dritter auf Lanzarote
5:4 in Hamburg - Nun träumen Rotenburger Tennis-Herren vom Titel

5:4 in Hamburg - Nun träumen Rotenburger Tennis-Herren vom Titel

5:4 in Hamburg - Nun träumen Rotenburger Tennis-Herren vom Titel
Bentz und Bellmann bringen‘s

Bentz und Bellmann bringen‘s

Bentz und Bellmann bringen‘s

Kommentare