„Breitensport ist unser Fundament“

+
Der frisch gewählte Vorsitzende Ralf Hastedt erläutert sein Jugendkonzept für den JFV Rotenburg. Er ist davon überzeugt, dass der Verein künftig eine entscheidende Rolle spielt.

Rotenburg - Von Mareike Ludwig. Die ansteigenden, vielschichtigen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung tragen dazu bei, dass die Zahl fußballinteressierter Kinder zurückgeht.

Zudem fällt es den Vereinen immer schwerer, Trainer und Betreuer zu finden, die sich ehrenamtlich engagieren. Mit dieser Entwicklung haben sich auch der Rotenburger SV und der SV Fortuna Rotenburg beschäftigt, und sich dazu entschlossen, den Jugendförderverein (JFV) Rotenburg zu gründen. Wie das Konzept aussieht und ob der JFV A/O/Heeslingen als Konkurrent angesehen wird, darüber spricht der frisch gewählte Vorsitzende Ralf Hastedt im Interview.

Warum haben Sie sich dafür entschieden, die zeit- und nervenaufreibende Position des ersten Vorsitzenden auszuüben?

Ralf Hastedt:Meine Motivation sind an erster Stelle die Kinder und meine Überzeugung, dass wir diese durch den realen Teamsport auf die Zukunft vorbereiten. Teamarbeit, Integration, Respekt, fähigkeitsgerechte Förderung und Forderung sowie Siege erringen und Niederlagen erleiden, sind Erfahrungen, die unsere Kinder nicht wirklich am Joystick einer Spielekonsole mitbekommen, sondern nur auf dem Fußballplatz.

Noch vor einigen Jahren war es so, dass talentierte Nachwuchsfußballer den Weg in die Kreisstadt gesucht haben. Mittlerweile wechseln selbst Rotenburger in die umliegenden Ortschaften. Wie wollen Sie dieser Entwicklung entgegenwirken?

Hastedt:Wir müssen uns zunächst ansehen, warum die Kinder uns verlassen haben. Aus meiner Sicht sind es drei wesentliche Faktoren. Erstens konnten wir den leistungsorientierten und talentierten Spielern keine Perspektive geben. Zweitens haben sich die Kinder nicht gut aufgehoben gefühlt. Und drittens haben die Eltern dem Verein nicht mehr vertraut beziehungsweise konnten sich mit dem Verhalten und Vorgehen nicht mehr identifizieren. Im Ergebnis heißt das also: Der motivations- und fähigkeitsgerechte Einsatz der Kinder, die parallele Bereitstellung von Leistungs- und Breitensport, das Vermitteln von Werten unserer Gesellschaft und das Vertrauen der Eltern in den JFV Rotenburg sind wesentliche Aspekte unserer Arbeit.

Der ursprüngliche Plan sah vor, auch den SV RW Scheeßel mit ins Boot zu holen. Warum hat es nicht geklappt?

Hastedt:Die Vorstände der Stammvereine haben sich vor einiger Zeit zusammengesetzt und die Situation besprochen. Leider war der SV RW Scheeßel in seinen Überlegungen und Vorbereitungen noch nicht so weit. Aber was noch nicht ist, kann ja noch kommen. Wir sind offen für weitere Kooperationen.

Also ist es möglich, dass im Laufe der Zeit noch weitere Vereine dazustoßen?

Hastedt:Wie gesagt, wir sind offen für Kooperationen – in welcher Form auch immer. Allerdings könnten sich Grenzen durch eine Neuregelung im DFB ergeben, die uns nicht uneingeschränkt wachsen lässt. Wir werden sehen.

Die Gründung des JFV A/O/Heeslingen hatte damals gerade bei den umliegenden Vereinen für Aufregung gesorgt, weil sie fürchteten, ihre größten Talente zu verlieren. Können Sie bereits von ähnlichen Erfahrungen berichten?

Hastedt:Die Mobilität der Kinder ist heute so groß, dass Entfernungen kein Problem darstellen und Zeit und Kosten in Kauf genommen werden. Das heißt, ein Talent, das aus welcher Motivation auch immer wechseln möchte, bekommt auch die Gelegenheit dazu. Vielen dieser Talente fehlt am Ende aber die Zeit für das wichtigste im Kindesalter: die Schule. Wir bieten den Kindern der Umgebung einen begeisternden Sport und hochklassige Perspektiven in zentraler Lage und damit einen Zeitgewinn für die Aufgaben der Schule. Damit handeln wir im Sinne unserer Kinder.

Also haben Sie keine Befürchtungen, dass der JFV A/O/Heeslingen die größten Talente wegschnappt?

Hastedt:Nein, denn schon heute haben wir tolle Kicker im näheren Umfeld von Rotenburg. Unsere Aufgabe ist es, mit dem Gesamtangebot und den Perspektiven die Spieler und Eltern zu überzeugen. Rotenburg bietet mit seiner zentralen Lage, einer exzellenten Verkehrsanbindung, einer beneidenswerten Sportanlage, der Konzentration von Schulen und wirtschaftlicher Stärke beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Jugendfußball-Zukunft.

Der JFV A/O/Heeslingen kooperiert eng mit dem SV Werder Bremen und dem FC St. Pauli. Können Sie sich ähnliche Zusammenarbeiten vorstellen?

Hastedt:Es gibt ja bereits eine Partnerschaft zwischen dem RSV und dem SV Werder Bremen. Zusätzlich werden wir auch alle anderen umliegenden Vereine ansprechen und Kooperationsmöglichkeiten erörtern. Dieser Prozess wird von Thomas Hess, dem Leiter Sportkoordination und -Organisation, geführt, der selbst Jugendspieler bei Werder war. Aber zusätzlich wird es auch den intensiveren Austausch mit dem DFB-Stützpunkt in Zeven und anderen geben sowie die Zusammenarbeit mit Fußballschulen angestrebt.

Erwarten Sie Schwierigkeiten im Spagat zwischen Leistungs- und Breitenfußball?

Hastedt:Es wird schon eine Herausforderung, aber auch früher hat es immer erste, zweite und gegebenenfalls sogar dritte Mannschaften gegeben – so muss man das heute auch sehen. Meine Erfahrung zeigt, dass sich die Kinder auf dem Spielfeld sehr schnell in neu formierten Mannschaften zusammenfinden. Mir ist es besonders wichtig zu betonen, dass wir mit der gewählten Kombination alle Kinder begeistern und für den Sport gewinnen wollen. Dem Bereich Breitensport kommt dabei sogar eine besondere Bedeutung als Magnet für alle Jugendlichen zu. Er ist somit das Fundament unserer Jugendarbeit.

Ist es eine Idee, Benjamin Duray, Trainer der Oberliga-Mannschaft des RSV, in den JFV mit einzubinden?

Hastedt:Ich kenne die Planung von Benjamin Duray zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Er ist sicher ein Kandidat, der uns unterstützen könnte. Unabhängig von Benjamin werden wir in Zukunft eng mit der Oberliga-Mannschaft zusammenarbeiten, denn unsere Jungs sollen dieses Team ja in Zukunft stellen beziehungsweise unterstützen. Im Gegenzug erhoffen wir uns aber auch von den Oberliga-Spielern Verstärkung. Wie zum Beispiel durch Patenschaften oder als Trainer einer Jugendmannschaft.

Wo sehen Sie den JFV Rotenburg in drei Jahren?

Hastedt:In hohen Spielklassen im Leistungssportbereich ab der U 13. Teilweise auch auf Augenhöhe mit anderen Fördervereinen der Umgebung sowie eine gute personelle Besetzung in allen Mannschaften, insbesondere im Bereich Breitensport.

Familientag beim TV-Jubiläum

Familientag beim TV-Jubiläum

Feuerwehr-Wettkämpfe in Rechtern

Feuerwehr-Wettkämpfe in Rechtern

Gefahrgut-Unfall auf der Autobahn 1

Gefahrgut-Unfall auf der Autobahn 1

Amri-U-Ausschuss soll Fehler aufklären

Amri-U-Ausschuss soll Fehler aufklären

Meistgelesene Artikel

Rathjens Vertrag in Schneverdingen nicht verlängert

Rathjens Vertrag in Schneverdingen nicht verlängert

Verlieren verboten!

Verlieren verboten!

Der RSV ist mit einem Remis in Uelzen gerettet

Der RSV ist mit einem Remis in Uelzen gerettet

1:0 im Festival der Fehlschüsse

1:0 im Festival der Fehlschüsse

Kommentare