Halbzeit-Interview

Bothels Coach Schlifelner: „Wir sind in der Findungsphase“

Dennis Schlifelner an der Seitenlinie mit Händen in der Tasche.
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In dieser Saison ist Dennis Schlifelner noch der Trainer des TuS Bothel – mittelfristig sieht er sich aber in einer anderen Rolle.

Eigentlich war Dennis Schlifelner Sportlicher Leiter beim TuS Bothel. Inzwischen ist er seit mehr als einem Jahr Trainer. Wir ziehen deshalb mit ihm Halbzeit-Bilanz.

Bothel – Dennis Schlifelner macht keinen Hehl daraus, dass er sich über die freien Tage während der Winterpause freut. Er müsse dringend „durchatmen und entspannen“ sagt der Trainer des Fußball-Kreisligisten TuS Bothel nach der turbulenten Hinserie. Was genau so viel Kraft gekostet hat, wie sehr er sich über das Verpassen der Aufstiegsrunde ärgert und wie es mit ihm weitergeht, verrät der Botheler im Interview.

Vermissen Sie eigentlich schon den Fußball?

Ehrlich gesagt bin ich froh, dass momentn etwas Ruhe ist. Es war in den vergangenen Monaten alles etwas zu viel.

Was genau meinen Sie damit?

Bei uns ist im Führungsstab immer noch ein Posten vakant. Eigentlich war ich bis Oktober 2020 der Sportliche Leiter, bis ich das Traineramt übernommen habe. Zudem ist mein spielender Co-Trainer Torben Klinger verletzungsbedingt lange Zeit ausgefallen. Alle Aufgaben zu wuppen, ist sehr kräftezehrend. Es war sehr turbulent, das Pensum war schon enorm.

Denken Sie jetzt ans Aufhören?

Nein, auf keinen Fall. Ich stehe dem Verein auf jeden Fall weiter zur Verfügung, ich bleibe der ersten Herren definitiv erhalten. In welcher Funktion, wird sich in Zukunft klären. Ich bekleide aber nicht über die aktuelle Saison hinaus weiterhin beide Posten.

Wollen Sie wieder zurück in Ihre organisatorische Rolle oder bleiben Sie lieber Trainer?

Mir macht die Traineraufgabe sehr viel Spaß. Mittelfristig sehe ich mich aber in der Rolle des Sportlichen Leiters, da bin ich zeitlich flexibler und nicht an feste Tage gebunden.

Haben Sie denn schon einen Nachfolger auf dem Trainerposten im Auge?

Nein, bisher nicht. In der heutigen Zeit ist es alles andere als leicht, einen geeigneten Coach zu finden. Er muss auch zu uns passen.

Kommen wir auf die zurückliegende Hinserie zu sprechen. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?

Wir haben uns das Leben selbst unnötig schwer gemacht und entscheidende Punkte leider nicht geholt. Wir haben als Mannschaft gelernt, dass die Einstellungssache eine große Rolle spielt. Zudem ist unsere bisherige Torausbeute auf jeden Fall ausbaufähig.

Sie sprechen unnötige Punktverluste an. Wie sehr trauern Sie dem 1:1 gegen das abgeschlagene Tabellenschlusslicht TSV Gnarrenburg nach?

Das war ein Pflichtdreier, da müssen wir nicht drumherum reden. Das Unentschieden geht gar nicht, das war eine gefühlte Niederlage. Richtig bitter! Das darf uns niemals passieren.

Die letzten Ergebnisse sind dagegen durchweg positiv ausgefallen. Zehn Punkte aus fünf Spielen.

Ja, das stimmt mich für die Zukunft optimistisch. Ich bin der festen Überzeugung, dass in der Mannschaft mehr Potenzial steckt.

Die Aufholjagd hat allerdings nicht mehr gereicht, um noch die Aufstiegsrunde zu erreichen. Nun geht es in der Abstiegsrunde weiter. Wie verärgert sind Sie darüber?

Natürlich finde ich es sehr schade. Vor allem wäre es dann eine viel entspanntere Rückserie geworden. Es ist alternativlos. Es bringt jetzt nichts, in den Rückspiegel zu schauen. Wir müssen nun abliefern. Sicherlich wäre es reizvoll gewesen, die Aufstiegsaspiranten zu ärgern. Nun ist es unser Ziel, die Abstiegsrunde zu gewinnen.

Ihnen sind wichtige Säulen in der Mannschaft „weggebrochen“. Der langjährige Goalgetter Cedric Ahrens ist gar nicht mehr dabei, Defensivchef Sven Beyer kaum, Leistungsträger Gianfranco Cusimano steht nur sporadisch zur Verfügung. Wie schwer wiegen die „Abgänge“?

Sehr schwer natürlich. Das ist ein großer Verlust, den wir nicht so einfach auffangen können. ,Ceddi‘ war quasi unser letzter richtiger Knipser, uns fehlt ein echter Stürmer. Gianfranco ist im Frühjahr nach Hamburg gezogen, somit ist er leider nur noch unregelmäßig vor Ort.

Und warum spielt Sven Beyer „nur“ noch zweite Herren?

Wir hatten ein ehrliches und gutes Gespräch. Ich sehe ihn aufgrund seiner Verletzungen nicht mehr als Stammspieler für 90 Minuten in der ersten Mannschaft. Ich würde ihn aber sehr gerne im Trainerteam mit einbinden, denn er gehört definitiv ins Umfeld der Ersten. Die Türen stehen ihm offen, es liegt an ihm, was er künftig will. Momentan ist er noch in der Findungsphase.

Somit sind Christoph Meinke und Torsten Hoops von den „alten Hasen“ nur noch übrig geblieben. Fehlt dem Team mehr Routine?

Nein, würde ich nicht unbedingt sagen. Wir sind gerade in der Findungsphase. Wir haben beispielsweise mit Lennart Henke, Bjarne Stölpe oder Cedric Neuschwander in der Generation der Mitte 20er gute Leute. Das Potenzial ist auf jeden Fall da, es fehlt nur noch die Konstanz. In ein paar Jahren können sie aber definitiv in eine Führungsrolle reinwachsen.

Dennoch dreht sich im Spiel alles um Christoph Meinke, oder?

Ja, definitiv. Christoph ist unser Kapitän und enorm wichtig fürs Team. Er ist sehr flexibel einsetzbar und geht immer voran. Aber natürlich besteht ein Team aus elf Spielern. Christoph kann eine Partie nicht alleine bestreiten.

Christoph Meinke wurde schon im Sturm, im offensiven und defensiven Mittelfeld sowie als Innenverteidiger aufgestellt. Auf welcher Position ist er am stärksten?

Das hängt davon ab, wie fit er ist. Christoph hat leider immer mal wieder mit Leistenproblemen zu kämpfen und kann daher nicht problemlos 90 Minuten als Zehner eingesetzt werden. Er muss dann mit seinen Kräften mehr haushalten. Zudem ist es aber auch vom Gegner abhängig, wo Christoph am meisten gebraucht wird. Soll er eher die Bälle holen oder soll er sie verteilen?

Welcher Akteur hat Sie besonders positiv überrascht?

Für mich ist Jannis Koffmane (kam vor der Saison vom Ligarivalen Rotenburger SV II, Anm. d. Red.) die Entdeckung der Hinrunde. Ich hatte zwar im Vorfeld schon eine gewisse Hoffnung in ihn gesteckt, habe aber ehrlicherweise nicht damit gerechnet, dass er auf Anhieb so konstant seine Minuten abspult. Zusammen mit Cedric Neuschwander haben wir eine starke rechte Seite. Die beiden verstehen sich blind.

Von wem haben Sie indes mehr erwartet?

Da möchte ich keinen konkreten Namen nennen. Sicherlich muss der eine oder andere Spieler ehrgeiziger an die Aufgaben herangehen. Einige arbeiten sehr hart und akribisch, andere gehen leider nicht vorweg, sondern sind etwas bequemer.

Gehen Sie mit der gleichen Mannschaft in die Rückrunde?

Ja, wir bleiben so als Team zusammen. Keiner verlässt im Winter den Verein. Einzig Jesse Dijkstra möchte gerne künftig in der dritten Mannschaft spielen.

Damit haben Sie mit Sascha Denell nur noch einen Torwart. Sehen Sie darin kein Problem?

Sascha ist im Tor eine echte Bank. Sportlich gesehen ist es überhaupt kein Problem. Aber natürlich habe ich ein ungutes Gefühl, wenn bei einem Spiel kein Ersatzkeeper mit dabei ist. Es kann schließlich leider immer etwas passieren. Wobei Sascha schon richtig verletzt sein muss, ehe er sagt, dass er nicht mehr weiterspielen kann.

Und was würden Sie dann machen?

Dann haben wir mit Christian Riesebeck und Hendrik Meinke noch zwei Torhüter aus der zweiten Herren.

Kommt in der Winterpause ein neues Gesicht dazu?

Da kann ich noch nichts Konkretes sagen. Wir sind momentan im Austausch mit einigen potenziellen Neuzugängen, haben aber noch keine feste Zusage. Bei den Spielern verhält es sich wie beim Trainer – es muss menschlich und sportlich passen. Da bleiben wir unseren Weg treu. Wir schauen natürlich, was aus der eigenen Jugend hochkommt. Wir wissen aber auch, dass es nicht nur mit Eigengewächsen klappt. Wir sind nach außen offen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass wir für externe Spieler durchaus so etwas wie ein neuer Heimatverein werden können.

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