ARS-Boss Rolf Ludwig über 2016 und die Herausforderungen

„Gesundheitssport ist der Gewinner““

Rolf Ludwig (Mitte) ist niemand, der mit seiner Meinung hinter dem Berg hält – er ist auch bei den Spielen des Basketballerinnen stets emotional dabei. Und wenn ihm etwas nicht gefällt, ist es schon an seinem Mienenspiel zu erkennen. - Fotos: Freese
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Rolf Ludwig (Mitte) ist niemand, der mit seiner Meinung hinter dem Berg hält – er ist auch bei den Spielen des Basketballerinnen stets emotional dabei. Und wenn ihm etwas nicht gefällt, ist es schon an seinem Mienenspiel zu erkennen.

Rotenburg - Von Matthias Freese. Rolf Ludwig hält mit seiner Meinung nie hinterm Berg. Seit bald 40 Jahren steht er der Arbeitsgemeinschaft Rotenburger Sportvereine (ARS) vor, auch den TuS Rotenburg führt er bereits lange Zeit. Im Interview blickt der 74-Jährige auf das Jahr 2016 im Rotenburger Sport zurück, schaut ebenso kritisch wie visionär in die Zukunft und spricht auch schon mal über seinen sich anbahnenden Abschied als Sport-Boss.

Das Jahr 2016 geht in vielen Bereichen als Jahr zum Vergessen in die Geschichte ein. Wie fällt Ihr Fazit für den Rotenburger Sport aus?

Rolf Ludwig: Es ist sehr positiv gelaufen. Wir haben in der ARS bei den Vereinen eine Zuwachsrate von zwei Prozent an Mitgliedern. Insbesondere in den Ortschaften haben die Vereine zugelegt, die SG Unterstedt etwa im Fußball. Vor allem geht es aber beim Gesundheitssport rapide nach oben. Das ist der Gewinner.

Und die Hallen und Sportplätze reichen hierfür aus?

Ludwig: Wir haben in Rotenburg beste Voraussetzungen und schönste Sportanlagen – das ist eine gute Basis, eine Traumsituation, die findet man nicht in Süddeutschland, nicht in Bremen oder sonstwo. Und wir haben hier alles frei.

Der Rotenburger SV hätte aber gerne einen Kunstrasenplatz und Flutlicht im Stadion ...

Ludwig: Wir brauchen im Augenblick keinen weiteren Sportplatz und kein Flutlicht. Jetzt sind erstmal mal Tennis- und Reitverein dran, alle anderen sind total befriedigt. Wir leben hier in Rotenburg doch wie die Made im Speck – auch dank der guten Zusammenarbeit mit Bürgermeister und Landrat.

Sind Sie aber auch mit den erbrachten Leistungen in den Vereinen zufrieden?

Handball-Fan Rolf Ludwig: Nur selten verpasst er ein Heimspiel des Verbandsliga-Spitzenreiters TuS Rotenburg.

Ludwig: Ja. Wir haben im TuS Rotenburg die Aerobic-Abteilung, die wieder sehr erfolgreich war. Die Handballer haben sich auch weiter verbessert und sind der beste Beweis, wie es geht – die haben ein Top-Management, exzellente Trainer und die richtige Entscheidung getroffen, mit dem TV Scheeßel zusammenzuarbeiten. Und bei den Basketballerinnen gehe ich auch davon aus, dass sie in der Bundesliga bleiben.

Welchen Herausforderungen muss sich der Rotenburger Sport künftig verstärkt stellen?

Ludwig: Wir müssen mit den Schulen enger zusammenarbeiten, das ist noch unser Manko. Der Sport in den Schulen ist vernachlässigt worden. Die IGS bekommt jetzt einen hervorragenden Sportlehrer mit Bruno Gärtner, das Ratsgymnasium bemüht sich auch, die Kräfte im Sport zu intensivieren.

Aber die Ganztagsschulen bleiben ein großes Problem in der Trainingsarbeit mit Jugendlichen?

Ludwig: Die Kinder und Jugendlichen gehen uns verloren, weil sie ja auch erst um 16 Uhr zu Hause sind. Deshalb müssen Schule und Sportvereine gemeinsam Wege finden, um dagegenzusteuern, noch mehr AGs gründen. Mein persönlicher Traum wäre es ja, ein Sportinternat hier zu bekommen. Oder eine Hochschule für Sport, Gesundheit und Altenpflege in Rotenburg zu etablieren.

Das dürfte aber Zukunftsmusik sein. Welche aktuellen Sorgen gibt es sonst noch?

Ludwig: Ein Manko ist weiter, dass die Kosten wie Verbandsbeiträge oder Startgebühren steigen. Alles steigt und steigt, da muss auch mehr Geld in die Amateurvereine fließen, damit wir auch bessere Vergütungen für Übungsleiter bekommen. Wir haben uns mit dem Kreissportbund sehr gut verständigt, die bemühen sich gemeinsam mit uns.

Das heißt, die Vereine benötigen auch mehr Geld von der Stadt?

Ludwig: Ja. Wir haben ja schon die Zusage der Stadt, dass wir 2017 auch 10 000 Euro mehr bekommen – statt 48 000 also 58 000 Euro. Gut 20 000 Euro sind zudem aus meinen Stiftungen sowie den Stiftungen der Sparkasse und der Stadtwerke zu erwarten. Zusätzlich gibt es von der Stadt für Investitionsmaßnahmen ja noch Geld. Rotenburg ist also eine Sportstadt.

Die Stadt hat auch das Umkleidegebäude vom RSV gekauft. Was sagen Sie dazu, dass der Verein auch durch weitere Bemühungen kurz davor steht, schuldenfrei zu sein?

Ludwig: Wenn das so ist, würde es mich freuen. Es ist auch deshalb ein tolles Jahr, weil der RSV finanziell aus der Krise herauskommt. Wir haben es ja auch unterstützt, dass die Stadt das Umkleidegebäude kauft. Außerdem hat Paul Metternich Geld für den Verein reingeholt, das ist sehr anerkennswert.

Trotzdem ist der Fußball in der Kreisstadt nur noch die Nummer drei hinter Basketball und Handball ...

Ludwig: Ja, das ist richtig. Was mir beim Fußball noch fehlt, ist der Sport aus dem Herzen heraus. Die müssten ein bisschen mehr Herz zeigen, die Leute mitreißen. In den kleineren Ortsvereinen ist die Begeisterung teilweise stärker – ich habe mir das in Scheeßel, Bothel, Stemmen und Westerholz angeschaut. Und auch beim Handball sieht man ja, wie das läuft.

Sie sprechen da auch die Zuschauerzahlen an?

Ludwig: 100 Zuschauer beim RSV – das ist nicht ausreichend. Und auch beim Handball und Basketball könnte die Halle richtig voll sein. Das ist auch noch ein Problem, dass nicht alle Bewohner der Stadt den Sport wahrnehmen, daran müssen wir arbeiten.

Wurde eigentlich die Integration von Flüchtlingen vernachlässigt?

Ludwig: Die wurde nicht vernachlässigt. Der JFV Rotenburg hat eine ganze Menge im Fußball aufgenommen, auch bei der Leichtathletik, beim American Football und beim Judo sind einige. Außerdem sind die Jungs vom Streetworkout sehr intensiv dabei. Von den Frauen höre ich allerdings nichts.

Von wie vielen Flüchtlingen in den Vereinen sprechen wir denn aktuell?

Ludwig: Ich schätze zwischen 25 und 45. Es ist eine Quote von rund zehn Prozent, würde ich sagen. Wir sind jederzeit aufnahmebereit, die Leute müssen aber auch von selbst kommen.

Sie haben in fast 40 Jahren als ARS-Boss viele Erfolge miterlebt und Generationen begleitet. Wie sieht Ihre persönliche Planung aus?

Ludwig: In drei Jahren höre ich auf – bei der ARS und beim TuS Rotenburg. Das ist kein Geheimnis mehr. Dann kümmere ich mich nur noch um die Rolf-Ludwig- und die Grete-Lange-Stiftung und bin als Sponsor im Hintergrund tätig.

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