Rotenburgs eingeflogene Nummer zwei fühlt sich wie zu Hause / „Ich möchte Profi werden“

Bosnische Küche für Kijametovic

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Aziz Kijametovic (vorne) fühlt sich bei Zlatan Burina und seiner Familie wohl – morgen spielt er zum vierten Mal für Rotenburg.

Scheessel - Von Matthias FreeseZum Mittag serviert Ferida Burina Hähnchen mit Reis nach bosnischer Art – ganz nach dem Geschmack von Aziz Kijametovic. „Genau wie zu Hause“, bemerkt der 16-Jährige, der den Tabellenführer der Tennis-Landesliga, den TC Grün-Weiß Rotenburg, auch morgen (11 Uhr) im Spiel beim Ottersberger TC wieder als Nummer zwei verstärkt und während seines Aufenthalts bei Coach Zlatan Burina und dessen Familie in Scheeßel Quartier bezogen hat.

Gestern in aller Frühe war Kijametovic in seiner Heimatstadt Tuzla in Bosnien-Herzegowina aufgebrochen, checkte in Belgrad ein und landete nach Zwischenstopp in München dann in Hannover. Ein ganz schöner Aufwand für ein Einzel und ein Doppel. „Aber für mich ist das eine große Erfahrung und hilft mir, mich zu verbessern“, sagt er über sein ungewöhnliches Engagement, das selbst in dieser Liga kein Novum mehr ist. So lässt der Bremer TV den Briten Scott Whitbread einfliegen.

Der Kontakt zu Kijametovic kam über dessen Heimtrainer Edin Spahic zustande – der ist ein alter Bekannter von Zlatan Burina, der ebenfalls aus Tuzla stammt. Burina ist begeistert von der Geduld des bosnischen Talents, auch wenn Kijametovic selbst gerade in diesem Punkt noch großen Verbesserungsbedarf sieht. Er nennt vielmehr seine Vorhand als große Stärke – und seine gute Beinarbeit. Kijametovic’ Ziel ist klar: „Ich möchte Profi werden und gebe dafür mein Bestes“, sagt er, schwärmt für Roger Federer und Wimbledon als den Ort, an dem er irgendwann gerne den Court betreten würde. „Die Voraussetzungen hat er. Aber Profi zu sein, das ist eine ganz andere Welt und erfordert sehr viel Disziplin“, weiß Zlatan Burina.

Kijametovic rangiert derzeit in der ITF-Weltrangliste der Junioren auf Platz 409 – „es könnte besser sein“, findet er und verweist darauf, dass er schon mal die Nummer 289 war. Aber es ist auch nicht ganz so einfach, Tennis und Schule unter einen Hut zu bekommen. „Es ist schon sehr hart, ich muss auch während meiner Reisen lernen.“ Sogar in der Wüste, in Doha/Katar, spielte er sich schon ins Finale vor, im bosnischen Mostar gewann er 2012 sogar ein ITF-Junior-Turnier. Eben diese Erfahrungen sind es auch, die ihn in der Landesliga zu einem zuverlässigen Punktegaranten und zur vielleicht besten Nummer zwei der Klasse machen. Im Training befindet er sich schon auf Augenhöhe mit Rotenburgs Nummer eins Semir Burina. „Mal gewinnt er, mal ich“, verrät dieser.

Dass sich die Grün-Weißen überhaupt mit einem jungen Profi aus dem Ausland verstärken (für den übrigens nur die Reisekosten anfallen), sorgt durchaus für Gesprächsstoff und kommt nicht bei jedem im Verein an. Das weiß auch Zlatan Burina. Und doch hat er gute Gründe für diesen Schritt: „Für mich als Trainer ist es wichtig, ein Niveau zu erreichen und zu halten, an das man dann auch die jungen Spieler aus dem eigenen Verein heranführen kann. Das lohnt sich also auch für mich und die anderen Jungs im Training, wenn Aziz kommt.“ Und ganz nebenbei ist es ja auch schöner, um den Titel mitzuspielen …

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