Sportlerwahl des Jahrzehnts - Startnummer 1

Triathletin Angela Boczek lässt sich nicht unterkriegen

Angela Boczek mit Urkunde, Blumenstrauß und Pokal in der Hand und Medaille um den Hals.
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Goldmedaille um den Hals: Angela Boczek wurde 2017 Sportlerin des Jahres.

Angela Boczek kennt jede Disziplin des Triathlonsports - unter anderem die winterliche Version. Dafür konnte sie dieses Jahr sogar in Rotenburg üben.

Rotenburg – Triathlon Olympisch, Triathlon Sprint, Winter-Triathlon, Cross-Triathlon, Aquathlon, Duathlon und Cross-Duathlon – es gibt keine Disziplin im Triathlonsport, die Angela Boczek nicht beherrscht. Die Athletin des TuS Rotenburg gehört seit Jahren zur internationalen Spitze ihrer Altersklasse. Kein Wunder, dass sich die 59-Jährige bei zahlreichen Europa- und Weltmeisterschaften einen Namen gemacht hat. Um ihre gesamten Erfolge aufzuschreiben, bedarf es eines großen Zettels, denn gleich mehrfach stand sie bei nationalen und internationalen Titelkämpfen auf dem Siegerpodest. In ihrer Sammlung ist jede Medaillenfarbe gleich mehrfach zu finden.

Es ist daher auch nicht überraschend, dass sie bei der Sportlerwahl des Altkreises Rotenburg bereits Stammgast ist. Während sie 2016 Silber, 2018 und 2019 Bronze mit nach Hause genommen hatte, schnappte sich die vierfache Mutter für ihr erfolgreiches Jahr 2017 Gold. An jenen Abend erinnert sich Boczek noch gerne zurück. „Das war ein tolles Erlebnis. Ich konnte wegen der Scheinwerfer eigentlich gar nichts sehen und war so verblüfft, dass ich trotz der Konkurrenz gewonnen hatte. Der Triathlon ist leider in Rotenburg immer noch sehr klein, obwohl wir auch internationale Erfolge haben und die Sportart boomt. Ich war sprachlos und habe mich gefreut, dass die Leistung anerkannt wurde“, blickt die 59-Jährige stolz zurück.

„Sport-Rente“ ist noch in weiter Ferne

Während in den vergangenen Jahren immer regelmäßig über Boczeks Erfolge zu lesen war, ist es derzeit deutlich ruhiger um sie geworden. Wer dachte, sie hätte sich vom Leistungssport verabschiedet, liegt aber völlig falsch. Durch die anhaltende Corona-Krise musste sie ihre geplanten Wettkämpfe streichen und ihr Training entsprechend anpassen.

Für die Triathletin ist die „Sport-Rente“ noch in weiter Ferne. Sie kann es kaum erwarten, dass sie sich endlich wieder mit anderen Athleten bei Titelkämpfen messen kann. „Das Jahr ist noch schwer planbar. Mal abwarten, was stattfindet, wie weit die Impfungen sind und wie die Quarantäneregeln nach möglichen Auslandsreisen sind“, sagt Boczek. Aktuell ist es für sie noch ein Vorbereiten auf Tag X. Doch Motivationsprobleme hat sie deshalb keine. „Ich verliere das Ziel nicht aus den Augen. Ich will bei den Wettkämpfen immer möglichst schnell sein und um das Treppchen kämpfen“, betont die Rotenburgerin.

Über Stock und Stein: Triathletin Angela Boczek ist in den Cross-Disziplinen sehr erfolgreich.

Hoffnungen hat sie, dass die Weltmeisterschaften im Cross-Triathlon Anfang September in den Niederlanden sowie die Europameisterschaften in Rumänien stattfinden können. Im August ist derzeit noch die Triathlon-WM geplant, doch auf die Teilnahme muss die Medaillensammlerin auf jeden Fall verzichten. „Mangels Sponsor werde ich den Wettkampf sausen lassen. Das ist bei den Entfernungen dann doch nicht günstig, und ich habe ja eine große Familie“, erklärt die vierfache Mutter, die ihre Kinder ebenfalls mit dem „Triathlon-Virus“ angesteckt hat. Mittlerweile sind aber nicht mehr alle vier Geschwister aktiv. Besonders Kyra, Kjon und Keno hatten mit vorderen Platzierungen immer wieder auf sich aufmerksam gemacht. „Kjon begleite ich dieses Jahr bei seinen internationalen Wettkämpfen. Das wird mich mehr strapazieren, als wenn ich selbst starte“, erzählt die Triathletin schmunzelnd.

Um dann bei einer möglichen Wettkampf-Wiederaufnahme auch in Topform zu sein, spult die Rotenburgerin täglich ehrgeizig wie immer ihr Training herunter. Einzig das Schwimmen bleibt aufgrund der Bäderschließungen weiter auf der Strecke. Und da der Bullensee Mitte Februar noch komplett zugefroren war, dürfte einen Monat später die Wassertemperatur noch deutlich im einstelligen Bereich liegen. Selbst für die ehrgeizige Boczek kommt das Gewässer zwischen Rotenburg und Kirchwalsede als Trainingsort noch nicht infrage. „Jetzt in den Bullensee zu springen, ist mir auch mit Neoprenanzug definitiv zu kalt. Das wäre Überlebenstraining, und die Badewanne ist leider zu klein. Schwimmen ist momentan nicht möglich“, bedauert sie.

Ein sehr ungewohntes Bild: Triathletin Angela Boczek konnte Anfang des Jahres erstmals in den Rotenburger Wäldern auf Langlaufskiern unterwegs sein.

Die eisigen Temperaturen hatten aber auch einen Vorteil für die 59-Jährige. Dank der dicken Schneedecke konnte Boczek Anfang des Jahres ungewohnterweise direkt vor der Haustür eine Disziplin des Wintertriathlons trainieren. Während sie normalerweise aufgrund der Witterungsverhältnisse immer nur mit Skirollern auf Asphalt unterwegs sein kann, schnallte sie sich kürzlich ihre Langlaufskier unter. „Ich bin noch nie zuvor in Rotenburg Ski gefahren“, so die Welt- und Europameisterin im Wintertriathlon des Jahres 2018.

Aufgrund dieser beiden Titel beschreibt Boczek 2018 als ihr „bisher erfolgreichstes Jahr“. Bei der Weltmeisterschaft im Cross-Triathlon erreichte sie zudem noch den Silberrang. „Da war ich schon sehr stolz drauf. Die Strecke war für norddeutsche Flachlandindianer echt sehr schwer. Das Schwimmen im Meer war mit dem Quallenteppich eine echte Prüfung“, erklärt sie. Aber auch das Jahr 2017 ist in bleibender Erinnerung, schließlich startete sie erstmals auf Hawaii bei der X-Terra-WM. Beim härtesten Cross-Triathlon der Welt sicherte sie sich in ihrer Altersklasse 55 - 59 den beeindruckenden fünften Platz.

Glücklich im Ziel: Angela Boczek sicherte sich 2017 das Hawaii-Ticket für die X-Terra-WM.

Und wenn Boczek nicht gerade irgendwo in den hiesigen Wäldern bei einer ihrer unzähligen Trainingseinheiten anzutreffen ist, ist die HNO-Ärztin in ihrer Praxis im Einsatz. Langeweile ist bei ihr aufgrund des sportlichen und beruflichen Pensums weit gefehlt. Und wenn sie doch mal eine freie Lücke in ihrem Kalender hat, genießt sie die Zeit mit ihrem Hund oder ihren Katzen. Aber auch Gesellschaftsspiele stehen weit oben auf der Liste. Und sicherlich will Boczek auch dabei immer ganz vorne mit dabei sein.

Zahlen, Daten, Fakten: Angela Boczek

Geburtsort: Frankfurt.

Alter: 59 Jahre.

Aktueller Wohnort: Rotenburg.

Familienstand: Verheiratet, vier Kinder.

Beruf: HNO-Ärztin.

Sportart: Triathlon.

Sieg bei der Sportlerwahl: 2017.

Größte Erfolge: Winter-Triathlon: Weltmeisterin 2018, WM-Vierte 2019, WM-Siebte 2020, Vize-Europameisterin 2019, 2020; Cross-Triathlon: Vize-Weltmeisterin 2018, Europameisterin 2017, Vize-Europameisterin 2018, 2019, Europameisterin X-Terra Crosstriathlon 2018, WM-Fünfte 2017, Deutsche Meisterin 2017, 2018, 2019; Cross-Duathlon: Europameisterin 2017, 2019, Deutsche Meisterin 2017, DM-Zweite 2016, DM-Dritte 2018, Landesmeisterin der vergangenen vier Jahre; Aquathlon: WM-Fünfte 2018, Vize-Europameisterin 2019; Triathlon Olympisch: Zehnter Platz EM 2019, Landesmeisterin der vergangenen vier Jahre; Triathlon Sprint: WM-Zehnte 2017, EM-Fünfte 2017, EM-Neunte 2018, Deutsche Meisterin 2017, 2015, DM-Zweite 2016, Landesmeisterin der vergangenen vier Jahre; Duathlon: EM-Dritte 2016, Deutsche Meisterin 2017, DM-Zweite 2016, Landesmeisterin der vergangenen vier Jahre; Freiwasserschwimmen: EM-Zweite der Ärzte 2018; Duathlon und Triathlon der Ärzte: Deutsche Meisterin 2017, 2018, 2019.

Bisherige Vereine: TuS Rotenburg.

Aktueller Verein: TuS Rotenburg.

Hobbys: Triathlon, Gesellschaftsspiele, Skifahren, Wasserski, mein Hund, meine Katzen.

Ziele: Noch lange Triathlon betreiben können, dabei oben mitmischen und keine ernsten Verletzungen bekommen.

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