Rolf Ludwigs Abschiedsgala bietet fernsehreife Unterhaltung / „Mehr geht nicht“

Besser als bei Gottschalk

Gelungene Kostüme, überzeugende Stimmen – auch die Katzen aus „Cats“ streunten über die Bühne.
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Gelungene Kostüme, überzeugende Stimmen – auch die Katzen aus „Cats“ streunten über die Bühne.

Es war exakt 23.26 Uhr, als Rolf Ludwig in einem symbolträchtigen Akt die Bühne der Pestalozzihalle über die im Dunkeln liegenden Treppenstufen verließ – nach einer 266-minütigen Gala, die ihresgleichen suchte und nicht nur von der Länge her die legendären Thomas-Gottschalk-Shows übertraf. Der spektakuläre wie kurzweilige Samstagabend passte zur 60-jährigen Schaffenszeit des Sportfunktionärs aus Rotenburg, der sich aus allen Ämtern zurückziehen will und sich mit dieser nie dagewesen Veranstaltung das beste Abschiedsgeschenk bereitete. Und er ging mit der erstmals verliehenen silbernen Ehrenmedaille der Stadt Rotenburg – überreicht von Bürgermeister Andreas Weber.

Frank Hensel (l.) gratuliert Rolf Ludwig.

Rotenburg – „Es war eindrucksvoll. Mehr geht nicht“, sagte Ludwig, noch bevor Thorsten Finner mit seiner Gitarre die Bühne betrat und zum Abschluss „You‘ll never walk alone“ sang. Der 77-jährige Gastgeber stimmte mit ein und hatte – nicht zum ersten Mal an diesem Abend – Tränen in den Augen. Seine Tochter Saskia Ludwig hatte im Hintergrund die Fäden gezogen und für ein perfekt abgestimmtes Showprogramm gesorgt. Eine Lasershow, eine Videoleinwand, über die aufwendig erstellte Trailer und Bildelemente liefen, von der Hallendecke rieselnde Papierschnipsel – mehr ging wirklich nicht. 

Wenn der Olympia-Dritte leidet ... Dimitri Peters wird von Daniel Niedenthal in die Mangel genommen.

Die gelungene Moderation garantierten Sohn Oliver Ludwig sowie Carmen Ludwig („weder verwandt noch verschwägert!“). Ein Highlight jagte das nächste. Auf der einen Seite professionelle Musicalszenen aus „Die Eiskönigin“, „Cats“ und „König der Löwen“ (für die Christelle Gilles verantwortlich zeichnete), auf der anderen Seite lokale Acts wie die ins Schwarzlicht getauchten Streetworkout-Athleten. Und selbst der Olympia-Dritte von 2012, Dimitri Peters, ließ sich für einen Judo-Showkampf einspannen. 

Mit einer sehenswerten Choreografie wartete die Plan!x Dance Crew aus Schneverdingen auf.

Auch die 800 geladenen Gäste waren eingebunden – etwa als die Drum-Conversation aus Frankfurt zum Mitmachen an die Djembés bat. Uwe Grohn und Ismael Seck verstanden es, das Publikum mitzureißen. „Die Leute sagen, die Deutschen haben kein Rhythmusgefühl“, scherzte Seck. „Das stimmt nicht. Die brauchen nur eine afrikanische Starthilfe.“ 

Familienfoto auf der Bühne: Rolf Ludwig zwischen seinen Kinder Saskia und Oliver.

Die Gastredner hatten viel lobende Worte für Rolf Ludwig, Träger des Bundesverdienstkreuzes, mitgebracht – SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil überreichte zudem ein Werder- und ein Bayern-Trikot mit Unterschriften. Ohnehin hatten seine Worte eine ganz persönliche Note. „Ich bin ganz froh, dass ich nie versucht habe, einen Kunstrasenplatz gegen dich durchzusetzen“, merkte er in Anspielung auf Ludwigs Hartnäckigkeit an. Schließlich wird mit seinem Geld ein Winterrasen und keine Kunststoffvariante realisiert. 

Das Publikum rissen Uwe Grohn (l.) und Ismael Seck von der Drum-Conversation mit ihren Djembés mit.

Seine Wettschulden, versprach Klingbeil, löst er auch bei Ludwig ein: „Am 2. Mai gehen wir beide ins Stadion – Werder gegen Bayern.“ Frank Hensel, langjähriger Generalsekretär des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, brachte ebenfalls ein sportliches Geschenk mit – Ludwig ist sein Ehrengast bei der Leichtathletik-EM 2022 in München. 

Schneeflocken aus Papier rieseln beim Auftritt von Elsa aus dem Musical „Die Eiskönigin“ herunter.

Hensel hatte einst unter Ludwig mit der Leichtathletik begonnen und betonte: „Dass du wirklich Abschied nimmst, kannst du mir nicht erzählen.“ Ludwig tritt den Vorsitz bei der Arbeitsgemeinschaft Rotenburger Sportvereine im April an Antje Sieburg-Weiler ab und übergibt beim TuS Rotenburg kommissarisch an Utz Bührmann und Knut Nagel – sein Wunschkandidat ist Bürgermeister Weber. Und doch musste Ludwig zu fortgeschrittener Stunde Hensel recht geben: „Ich werde euch weiter unterstützen – und natürlich werde ich nicht von der Bühne gehen.“

Thorsten Finner sang „You´ll never walk alone“ für Rolf Ludwig.

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