Karrierestart in der Wümmestadt

Zum Tod von Leichtathlet Frank Hensel: Eine ganz besondere Beziehung zu Rotenburg

Ende Februar hielt Frank Hensel eine launige Rede in Rotenburg.
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Ende Februar hielt Frank Hensel eine launige Rede in Rotenburg.

Die nationale und internationale Leichtathletik-Szene trauert um Frank Hensel. Der ehemalige Generalsekretär des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, der seine Karriere 1963 beim TuS Rotenburg begann, ist im Alter von 70 Jahren gestorben.

  • Frank Hensel starb im Alter von 70 Jahren nach schwerer Krankheit.
  • Noch im Februar trat er in Rotenburg auf und hielt eine launige Rede.
  • Beim TuS Rotenburg begann seine Leichtathletik-Laufbahn.

Rotenburg – Ende Februar weilte Frank Hensel, der ehemalige Generalsekretär des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), als Ehrengast bei Rolf Ludwigs großer Abschiedsgala und hielt eine launige Rede in der Rotenburger Pestalozzihalle. Es war einer seiner letzten Auftritte in der Öffentlichkeit. Neun Monate später, am Sonntag, ist Hensel im Alter von 70 Jahren nach schwerer Krankheit in Frankfurt gestorben. Das wurde dem Verband aus Familienkreisen mitgeteilt. Die Nachricht sorgt auch in der Wümmestadt für Trauer unter ehemaligen Weggefährten – insbesondere bei Rolf Ludwig, dem Noch-Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Rotenburger Sportvereine. Unter ihm hatte Hensel einst beim TuS Rotenburg mit der Leichtathletik begonnen.

Hensels Weg in die große, weite Welt der Leichtathletik – von 2015 bis 2019 war er sogar Vizepräsident des Europäischen Leichtathletik-Verbandes (EAA) – startete 1963 an der Wümme. Ein Jahr zuvor war der Mecklenburger hierher gezogen. Sein Vater unterrichtete am Ratsgymnasium und später an der Eichenschule Scheeßel. „Damals haben wir unser Wintertraining in einer kleinen Turnhalle gemacht – einmal die Woche altersübergreifend. Ich war damals der Jüngste, das Training hat Rolf teilweise geleitet“, erinnerte Hensel sich in einem Interview mit unserer Zeitung an seine Anfänge. „Ich bin da nie hingetrieben worden, hatte ein bisschen Talent – und der Erfolg war auch da.“ Als Teamkollegen nannte er unter anderem Peter Grewe, Holger Winkel und Jörg Mertins.

Frank Hensel war auch als Volleyballer erfolgreich

„Es war eine tolle Zeit mit ihm, er war drei Jahre lang quasi mein Ziehsohn“, blickt auch der acht Jahre ältere Rolf Ludwig gerne zurück. 1967 wechselte Hensel zum TSV Dorfmark und wurde Deutscher Mannschaftsmeister im Zehnkampf der Jugend (1968) und Junioren (1970/1971). Beim TuS Rotenburg blieb er aber noch einige Jahre als Volleyballer aktiv. „Wir haben da einen Durchmarsch bis in die Verbandsliga gemacht“, erzählte er.

Zwei, die sich seit weit mehr als 50 Jahren kannten und schätzten: Frank Hensel (l.) und Rolf Ludwig.

Während seines Studiums der Sportwissenschaft und Pädagogik lief Hensel ab 1972 für den USC Mainz auf und holte 1973 und 1975 den DM-Titel des Zehnkampf-Mannschaftsmeisters der Männer. Nach einer Dozententätigkeit an der Uni in Mainz war er als Trainer für den Berliner Leichtathletik-Verband und den Deutschen Leichtathletik-Verband tätig. 1998 folgte der Aufstieg zum Generalsekretär und -direktor des DLV, was er bis 2016 blieb. Bis zuletzt war er auch im Europäischen Leichtathletik-Verband tätig – er gehörte dem geschäftsführenden EAA-Präsidum an und war Vorsitzender der Kommission „Verbandsentwicklung der Mitgliedsnationen“. Als stellvertretender Aufsichtsrat-Vorsitzender des Organisationskomitees war Hensel maßgeblich am Erfolg der Leichtathletik-EM in Berlin 2018 beteiligt. Er wusste sich auf dem internationalen Parkett zu bewegen und führte für den europäischen Verband die Vertragsverhandlungen mit München, dem Austragungsort der European Championships 2022. „Eine EM im eigenen Land setzt unheimlich Kräfte bei Trainern und Athleten frei. So im Blickpunkt der Medien und der Öffentlichkeit zu stehen – das ist das, was unsere Sportart benötigt“, erklärte er im Februar im Gespräch.

„Für die Leichtathletik-Welt ist der Tod von Frank Hensel ein großer Verlust. Er hat sich viele Jahrzehnte und noch bis zuletzt in ganz unterschiedlichen Funktionen engagiert und genoss weltweit höchstes Ansehen“, sagt DLV-Präsident Jürgen Kessing. „Die deutsche und internationale Leichtathletik ist um eine große Persönlichkeit ärmer geworden“, betont auch DLV-Ehrenpräsident Clemens Prokop. „Er zeichnete sich vor allem durch seine große Menschlichkeit und seinen respektvollen Führungsstil mit hoher Kompetenz aus. Für jeden Einzelnen hatte er immer ein offenes Ohr, wenn es darum ging, Probleme zu lösen, und er erfreute sich großer Beliebtheit innerhalb der DLV-Belegschaft. Gleichzeitig war er ein erstklassiger Vermittler zwischen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Gremien, da er immer zielorientiert nach Lösungen gesucht hat“, schreibt der DLV in seinem Nachruf.

Die Verbindung nach Rotenburg und zu Rolf Ludwig riss nie ab

Auch die Verbindungen nach Rotenburg ließ Hensel nie abreißen, obwohl er längst in Hessen heimisch geworden war und in Langen zwischen Frankfurt und Darmstadt seinen Lebensmittelpunkt hatte. Die kleinen Vereine bezeichnete er als „Lebensadern im gesamten deutschen Sport“. Zu Rolf Ludwigs 60. Geburtstag schrieb er 2002: „Du hast zu den wenigen Menschen gehört, die sicher unbewusst, dafür aber nachhaltig meine Lebensplanung im Sinne der beruflichen Orientierung beeinflusst haben.“ Ludwig wiederum betont: „Er hat Rotenburg immer die Treue gehalten und war da, wenn man ihn brauchte.“ Er habe Hensel als jemanden wahrgenommen, der das offene Wort bevorzugte: „Er war einer, der immer klare Kante gezeigt hat. Was er gedacht hat, hat er auch gesagt.“

Im Februar brachte Hensel ein sportliches Geschenk mit – er lud Ludwig als seinen Ehrengast zur Leichtathletik-EM 2022 nach München ein und prophezeite ihm schon damals: „Dass du wirklich Abschied nimmst, kannst du mir nicht erzählen.“ Hat Ludwig aufgrund der Corona-Pandemie bisher auch nicht. Frank Hensel war es jedoch nicht mehr vergönnt, die EM zusammen mit seinem einstigen Trainer zu erleben.

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