Beinahe Drittliga-Trainer

Ehemaliger Fußball-Profi Gütschow erzählt von Karriere und Trainer-Jobs

Torsten Gütschow steht auf der Treppe seines Hauses und hält sich am Handlauf fest. Neben ihm hängt ein Bild mit ihm drauf.
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Der doppelte Torsten Gütschow: Links auf dem Foto aus der Zeit als Fußball-Profi von Dynamo Dresden, rechts der Aktuelle.

Torsten Gütschow ist ein ehemaliger Fußball-Profi. Der Zevener trainierte zudem bereits einige Clubs aus der Region. Ein Job blieb ihm zuletzt verwehrt.

Zeven – Der „Dorfclub“ TSV Havelse spielt im gleichnamigen Stadtteil von Garbsen, was in der Nähe von Hannover liegt. Erst vor Kurzem setzten die Fußballer mit dem Aufstieg in die dritte Liga ein dickes Ausrufezeichen. Die Erfolgsgeschichte wurde jedoch etwas getrübt, weil es Meistercoach Jan Zimmermann zum großen Nachbarn Hannover 96 in die 2. Liga zog. Die Nachfolge gestaltete sich schwierig, denn 60 Bewerbungen mussten gefiltert werden. In die finale Auswahl schaffte es der Zevener Fußballlehrer Torsten Gütschow, hatte dann gegenüber Rüdiger Ziehl das Nachsehen.

Der ehemalige Torschützenkönig von Dynamo Dresden hatte gute Karten, konnte sich Hoffnungen auf den Job beim Drittliga-Aufsteiger TSV Havelse machen. „Ich habe mich ganz normal beworben und eine Rückantwort erhalten, dass meine Unterlagen vorliegen und geprüft werden. Dann erhielt ich eine Einladung nach Havelse. Dort kam es zum Gespräch mit Geschäftsführer Harry Wiesner“, so Gütschow, der sich anschließend mit einem guten Gefühl auf den Heimweg machte. „Ich erfuhr, dass ich es in die engere Auswahl geschafft hatte“, sagte der 58-Jährige. Der ärgste Konkurrent war Rüdiger Ziehl, der zuletzt die U 23-Regionalliga-Truppe des VfL Wolfsburg II trainiert hatte. Doch nicht Gütschow, sondern der 43-jährige Ex-Profi erhielt schließlich den Vorzug, und darf künftig den Aufsteiger coachen.

Die Spieler-Stationen des Torsten Gütschow

Im Verein

1980–1992 Dynamo Dresden

1992–1993 Galatasaray Istanbul

1993–1994 FC Carl Zeiss Jena

1994–1995 Hannover 96

1995–1996 Chemnitzer FC

1996–1999 Dynamo Dresden

In der Nationalmannschaft

1979 DDR U18

1981–1983 DDR U 21

1984–1990 DDR

Quelle: Wikipedia

„Dass sich die Verantwortlichen für Rüdiger entschieden haben, muss ich akzeptieren. Natürlich war ich enttäuscht, hatte mir sehr gute Chancen ausgerechnet“, gab Gütschow zu. Der hannoversche Vorstadt-Verein wäre eine ideale Adresse gewesen – mit nur einer Autostunde Anfahrt von seinem Wohnort. „Da hätte ich im besten Fall täglich pendeln können“, so Gütschow, der es in der Vergangenheit deutlich schlechter hatte. Der letzte Job beim abstiegsgefährdeten Regionalligisten Budissa Bautzen – gut 500 Kilometer von Zeven entfernt, sah nur eine Wochenend-Ehe vor.

„Ich wäre sehr glücklich gewesen, wenn ich fast täglich meine Frau und unsere Zwillingstöchter gesehen hätte“, so Gütschow, der als frisch gebackener Fußballlehrer 2003/2004 seine Premiere beim FC Oberneuland erlebte. Dort verpasste er knapp den Oberligaaufstieg und erhielt keinen neuen Vertrag. Dafür durfte er zwei Jahre später in der Samtgemeinde Zeven den ambitionierten Oberligisten TuS Heeslingen betreuen, erlebte eine atemberaubende Trainer-Karriere und schrieb Vereinsgeschichte. „Ich hatte eine sehr gute

Trainer im DFB-Pokal gegen Energie Cottbus

Mannschaft mit super Typen. Wir spielten starken Fußball und ließen das Waldstadion bald zur Festung werden“, unterstreicht der zweifache Dresdener DDR-Meister von 1989 und 1990. In seiner Auftaktsaison führte er die Heeslinger Truppe um Co-Trainer Benjamin Duray in eine stark besetzte Oberliga Nord.

Und nur zwei Spielzeiten später gelang der Sprung in die DFB-Hauptrunde. Dort scheiterten die Gastgeber in einem hochklassigen und harten Fight denkbar knapp mit 1:2 am damaligen Zweitligisten Energie Cottbus. Damit nicht genug: Gleich dreimal schaffte er es sportlich in die Regionalliga. Bitter und enttäuschend für den nicht nur bei den Fans sehr beliebten Coach: Der Verein erhielt keine Lizenz. Doch es kam noch schlimmer, als es nach der Saison 2013/2014 auch keine Oberliga-Lizenz mehr gab. Die Konsequenz: Torsten Gütschow musste gehen.

Torsten Gütschow arbeitete unter anderem auch als Trainer von Oberligist TuS Heeslingen.

In der Folgezeit keimte beim dreimaligen DDR-Oberliga Torschützenkönig (1989-1991) immer wieder Hoffnung auf, den Zuschlag für eine Chefstelle im Norden der Republik zu bekommen. Da wurde der 58-Jährige unter anderem als Aspirant des SV Oldenburg, FC Oberneuland oder VfV Hildesheim in der Fußball-Szene gehandelt. „Oldenburg war schon eine super Adresse. Dort hätte ich gerne gearbeitet, denn es wäre eine anspruchsvolle Herausforderungen gewesen“, sagte Gütschow.

Das ungebrochene Standing des früheren Goalgetters sorgte in den neuen Bundesländern für neue Aufgaben. Bei den Regionalligisten TSG Neustrelitz und Budissa Bautzen kämpfte er mit seinen Mannschaften eher gegen den Abstieg. Die Konsequenz waren zwei Entlassungen.

Der Wunsch bei seinem Herzensverein Dynamo Dresden, für den er von 1980 bis 1992 insgesamt 247 Spiele absolvierte und 116 Tore erzielte, einmal als Cheftrainer zu agieren, wurde ihm nicht erfüllt. „Darauf haben einige ehemalige Dynamo-Größen gewartet, ohne die Chance zu erhalten“, so Gütschow, der dennoch gerne nach Dresden reist und sich Spiele von der Ehrentribüne im Rudolf-Har-

Mit den alten Kollegen auf der Ehrentribüne

big-Stadion anschaut. „Ich habe eine Ehrenkarte, die lebenslang gilt. Dort schaue ich mit ehemaligen Kameraden wie Dixie Dörner, Ulf Kirsten oder Ralf Minge Ligaspiele an. Nach den Spielen sitzen wir immer noch zusammen, plaudern nicht nur über alte und erfolgreiche Zeiten“, erzählt Gütschow, der 2020 eine besondere Ehrung durch die Dynamo-Verantwortlichen erhielt. „Ich habe die meisten Tore für Dynamo Dresden geschossen und bin dafür ausgezeichnet worden“, so der 58-Jährige.

Der gebürtige Görlitzer schiebt nach der letzten Beurlaubung in Bautzen keinen Frust, findet gerade in seiner Familie den nötigen Halt. „Natürlich möchte ich wieder auf die Trainerbank zurück, doch da gehört schon ein wenig Glück dazu. Die sogenannten Laptop-Trainer stehen bei den Vereinsbossen eher im Fokus. Da ist nicht unbedingt die Erfahrung ein Vorteil. Ich finde, dass es zum Beispiel wichtig ist, eine Mannschaft topfit zu machen, die auf dem Platz brennt und mit viel Leidenschaft den Fans guten Fußball bietet. Doch am Ende müssen die Ergebnisse stimmen. Die Tabelle lügt nicht“, unterstreicht Gütschow.

Der Übungsleiter arbeitet zur Zeit in der IGS Zeven, führt Fußball AGs mit sechs bis achtjährigen Kids durch. Doch das Feuer brennt noch, um auf die Fußball-Bühne zurückzukehren. Da darf es auch ein Job im Nachwuchsbereich sein. „Die Arbeit in einem Bundesliga-Nachwuchszentrum würde ich sofort aufnehmen. Die Ausbildung mit jungen Talenten ist herausfordernd, spannend und macht einfach Spaß“, gibt Torsten Gütschow Ausblick auf eine mögliche Anstellung.

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