Anekdoten und Trainingseinblicke

Auf Beckenbauer hörte auch Zobel

Von der Tribüne aus beobachtete Rainer Zobel den Praxisteil in Rotenburg.
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Von der Tribüne aus beobachtete Rainer Zobel den Praxisteil in Rotenburg.

Rainer Zobel, einst mit dem FC Bayern München Landesmeister sowie als Trainer ein Weltenbummler, war zu Gast in Rotenburg. Mitgebracht hatte er spannende Anekdoten, einige Tipps sowie Michael Lindner und Gregor Trowitzsch.

Rotenburg – Wenn Rainer Zobel ins Erzählen kommt, dann wird‘s kurzweilig und amüsant. Nicht umsonst erschien vergangenes Jahr ein Buch über den Mann, der mit dem FC Bayern 1974 erstmals den Europapokal der Landesmeister gewonnen hat und später als Fußball-Trainer zum Globetrotter wurde – geschrieben von Hörfunkjournalist Albrecht Breitschuh, aufgewachsen in Hassendorf.

Unter den Augen von TGLR-Chef Gerd Rathjen (l.) und Michael Lindner übte der RSV das Umschaltspiel.

Einige Anekdoten gab der mittlerweile 72-jährige Zobel auch als Referent der Trainergemeinschaft Landkreis Rotenburg (TGLR) zum Besten. Das Sagen auf dem Platz des Ahe-Stadions überließ er an diesem Freitagabend aber Michael Lindner, dem Co-Trainer des Regionalligisten Lüneburger SK Hansa.

Rainer Zobel war früh da. In Braunschweig, wo er lebt, hatte er noch eine Schul-AG mit Zweit- bis Viertklässlern geleitet, sich dann auf den Weg gemacht – und war angekommen, als Hannover 96 noch im Ahe-Stadion trainierte. Hannover 96 – dort, wo für ihn 1968 die große Karriere begann, die ihn 1970 als defensiven Mittelfeldspieler zu den Bayern führte. „Ich konnte viel besser Fußball spielen, als ich es bei den Bayern durfte“, sagt Zobel rückblickend. Doch schnell hatte er begriffen, dass er fürs Rennen und Erobern der Bälle geholt worden war. Als er einmal einen langen Pass gespielt habe, „hat Franz Beckenbauer mir gesagt: ,Das machst du nicht, dafür bin ich zuständig.‘“

Auch zwischendurch beantwortete Michael Linder (r.) Fragen der Trainerkollegen.

Seine Profi-Laufbahn als Trainer, die ihn in sechs verschiedene Länder führte, beendete er 2015 in Ägypten, um 2016 den Braunschweiger Kreisligisten FC Wenden zu übernehmen. „Da musst du erst mal sehen, was können die überhaupt? Aber ich habe es geschafft, die Untrainierbaren zu trainieren“, erzählt Zobel lachend. Ende 2017 sprang er beim Lüneburger SK Hansa ein, dort bekleidet er mittlerweile die Rolle des Teamchefs: „Ich bin der Rudi Völler oder der Franz Beckenbauer des LSK.“

Den rund 40 Trainerkollegen in Rotenburg gab Zobel vor allem eines mit auf den Weg: „Ich kann nur das spielen, wozu die Spieler in der Lage sind. Das muss ich erkennen. Welche Spieler habe ich überhaupt? Der Trainer muss die Fähigkeiten seiner Spieler in den Vordergrund stellen.“ Besonders dann, wenn es – wie in unteren Klassen – kein Scouting und keine Analyse des Gegners gebe. „Wenn ich schnelle Spieler habe, muss ich den Gegner auch mal kommen lassen. Da bringt es mir nicht immer was, wenn man viel Ballbesitz hat“, betont Zobel und übt sogar Kritik am Deutschen Meister: „Ich finde, dass Bayern München, obwohl sie ja sehr erfolgreich waren, zu wenig aus seinen schnellen Spielern macht.“

Neuro-Athletik-Training als Aufwärmprogramm

Im praktischen Teil übernahm Gregor Trowitzsch, Athletiktrainer der Lüneburger, das für viele Beobachter ungewöhnliche Aufwärmprogramm – ein Neuro-Athletik-Training. Als Probanden standen die Oberliga-Kicker des Rotenburger SV zur Verfügung. Michael Lindner widmete sich dann dem Konter- und Umschaltspiel, begonnen mit einem Neun-gegen-Neun aufs Torquadrat. „Es gibt für gewisse Phasen des Spiels immer einen Fahrplan“, verdeutlicht der 45-jährige B-Lizenz-Inhaber. Rainer Zobel schautet sich die Sache hingegen von der Tribüne aus an.

Buchtipp

„Zobel – ein Glückskind des Fußballs“ von Albrecht Breitschuh ist erschienen im Arete-Verlag (ISBN 978-3-96423-049-2).

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