Ausnahme für kurze Zeit

Rotenburg leidet unter dem Haftmittelverbot

Der Griff in den Backetopf ist in den anderen Hallen der Oberliga üblich, in Rotenburg aber verboten. Aktuell gibt es jedoch eine Ausnahmeregelung. Foto: Freese
+
Der Griff in den Backetopf ist in den anderen Hallen der Oberliga üblich, in Rotenburg aber verboten. Aktuell gibt es jedoch eine Ausnahmeregelung.

Rotenburg - Fast 18 Monate ist der letzte Auswärtssieg nun her. Umso bitterer für die abstiegsgefährdeten Oberliga-Handballer des TuS Rotenburg, dass von ihren neun noch ausstehenden Saisonspielen gleich sechs auf fremden Parkett stattfinden. Dort, wo der Einsatz von „Backe“ gestattet ist – im Gegensatz zur heimischen Pestalozzihalle.

Das Haftmittelverbot besteht in dieser Klasse ausschließlich in Rotenburg, sorgt bei den Gegnern immer wieder für Kritik, trifft aber die Wümme-Sieben mindestens genauso hart. Schließlich konnte sie sich auf ihre Auswärtspartien bisher nie entsprechend mit Harz vorbereiten. Nun hatte der Landkreis als Eigentümer der Halle ein Einsehen. „Es gibt aktuell eine Ausnahmeerlaubnis für kurze Zeit“, teilt die Behörde mit. Vor dem Kellerduell bei der HSG Barnstorf/Diepholz „backt“ es in Rotenburg also.

Seit rund zwei Wochen ist die Klebe im Training erlaubt. „Damit die Jungs vor den vielen Auswärtsspielen ein besseres Gefühl und die nötige Sicherheit bekommen“, erklärt Teammanager Johann Knodel. Das bedeutet gleichzeitig aber auch, dass die Mannschaft nach ihren Übungseinheiten eine Extraschicht einlegt und gemeinsam die Halle schrubbt, um die Rückstände der „Backe“ zu beseitigen.

Das Haftmittelverbot besteht in allen neun Schulsporthallen des Landkreises. Es „trägt dazu bei, unseren Schülerinnen und Schülern sowie allen anderen Nutzern weiterhin eine saubere und gepflegte Halle zur Verfügung stellen zu können“, erklärt Christine Huchzermeier vom Landkreis und verdeutlicht: „Die Haftmittelspuren betreffen nicht nur den Hallenboden. Im Training oder bei Punktspielen verbleiben Haftmittelrückstände überall, zum Beispiel an den Bänken, in den Fluren, an den Türklinken, in den Umkleidekabinen, an den Sportgeräten.“ Zudem verweist der Landkreis darauf, dass eine Reinigung alleine nicht ausreiche: „Aus Erfahrung kann gesagt werden, dass es einen zweiten Reinigungsgang nach einigen Tagen geben muss, um die Halle sauber zu bekommen. Wenn nun generell mit Haftmittel gespielt und trainiert werden würde, entfällt die zweite Reinigung und die Halle sieht dann verschmutzt aus. Es würde auch nichts bringen, ein ,saubereres‘ Haftmittel vorzuschreiben, das sich leichter entfernen ließe, da die Gäste ihr eigenes Haftmittel verwenden.“

Für viele Handballer ist es jedoch ein komplett anderes Spiel, wenn sie ohne „Backe“ auskommen müssen. „Harz ist für Handballer wie Stollenschuhe im Fußball, Spikes beim Sprint, Magnesia im Turnen“, schrieb das Online-Portal „handball-world.de“ schon 2016.

Während in den unteren Klassen ohnehin ein Harzverbot besteht (dieses aber oftmals klammheimlich umgangen wird), gibt es in den Durchführungsbestimmungen der Oberliga eine Freigabe-Regelung, die auch von fast allen Vereinen genutzt wird. Ab der 3. Liga muss die Haftmittelnutzung sogar ausdrücklich gestattet sein. Für diesen Fall signalisiert der Landkreis übrigens sein Entgegenkommen: „Die Handballer wissen, dass, wenn aufgrund der Ligazugehörigkeit die Möglichkeit der Benutzung von Haftmitteln durch den jeweiligen Sportverband verpflichtend vorgeschrieben ist, der Landkreis dies mittragen würde. Sofern im Vorfeld eine Regelung über die Beseitigung der Haftmittelspuren mit dem Verein getroffen werden kann und diese eingehalten wird“, schreibt die Behörde. Doch an Aufstieg ist aktuell ja nicht zu denken. Es geht für Rotenburg gegen den Abstieg – ob mit oder ohne „Backe“.

Vor dem Spiel - Leyens denkt positiv 

Die Handballer des TuS Rotenburg reisen am Samstag zur HSG Barnstorf/Diepholz – „mal wieder ein Auswärtsspiel“, wie Coach Jörg Leyens kommentierte. Anpfiff des Kellerduells der Oberliga ist um 19 Uhr. „Wichtig ist, dass wir aus den Köpfen kriegen, dass wir auswärts lange nicht gewonnen haben“, betont der Trainer. Dafür habe er unter der Woche auch Maßnahmen neben dem Platz ergriffen. „Die Jungs sollten auf einen Zettel schreiben, warum sie Handball spielen und was sie dazu beitragen können, um das Optimum aus dem Team herauszuholen“, sagt Leyens. Wenn seine Mannen von den internen Ergebnissen nur die Hälfte umsetzen würde, „bin ich gegen Barnstorf mehr als optimistisch“, so Coach. Hinzu kommt: „Alle Spieler sind fit.“ (lo)

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Meistgelesene Artikel

Etwas „zu lieb“ ‒ Rotenburger SV in der Fairnesswertung ganz weit vorne

Etwas „zu lieb“ ‒ Rotenburger SV in der Fairnesswertung ganz weit vorne

Etwas „zu lieb“ ‒ Rotenburger SV in der Fairnesswertung ganz weit vorne
Fußball-Kreis Rotenburg: Vereine befürworten die beschlossene Unterbrechung der Saison

Fußball-Kreis Rotenburg: Vereine befürworten die beschlossene Unterbrechung der Saison

Fußball-Kreis Rotenburg: Vereine befürworten die beschlossene Unterbrechung der Saison
Auch Fußball-Kreis Rotenburg unterbricht die Saison frühzeitig wegen Corona und 2G-plus

Auch Fußball-Kreis Rotenburg unterbricht die Saison frühzeitig wegen Corona und 2G-plus

Auch Fußball-Kreis Rotenburg unterbricht die Saison frühzeitig wegen Corona und 2G-plus
Handball-Region Mitte Niedersachsen unterbricht die Saison ab sofort

Handball-Region Mitte Niedersachsen unterbricht die Saison ab sofort

Handball-Region Mitte Niedersachsen unterbricht die Saison ab sofort

Kommentare