89-Jähriger begleitet Basketballerinnen seit Jahren

Herbert Rathjen ‒ sein Platz bei den Hurricanes ist in Reihe eins

Herbert Rathjen hält einen Basketball über seinen Kopf.
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Immer gut gelaunt: Herbert Rathjen aus Scheeßel ist der älteste Fan der Avides Hurricanes – und einer der treuesten.

Bei den Heimspielen ist er stets dabei, bei manchem Auswärtsspiel auch: Der Scheeßeler Herbert Rathjen (89) ist der wohl älteste und einer der treuesten Fans der Avides Hurricanes. Und er packt auch immer noch mit an.

Scheeßel – Schlechte Laune kommt Herbert Rathjen nicht ins Haus! „Ich erlebe ihn immer fröhlich, freundlich und positiv. Und das Schelmische, was er hat, lebt er auch noch aus“, sagt Coach Christian Greve nach all den Jahren, die er den rüstigen Rentner kennt. „Ich ärgere mich nie“, betont der 89-jährige Scheeßeler selbst. Daran ändern auch Niederlagen der Avides Hurricanes beim wohl ältesten Fan und „Stammkunden“ des Basketball-Zweitligisten nichts.

„Er hat nie schlechte Laune“, bestätigt sein Sohn Detlef Rathjen, der sich bei den Hurricanes ums Catering sowie den Auf- und Abbau kümmert und während des Spiels noch auf die Trommel eindrischt. „Das ist so, weil er Interesse an allen Sachen hat. Er macht sogar noch jeden Samstag Holz mit uns.“ Herbert Rathjen nickt und ergänzt, natürlich lachend: „Wenn es mal eine Buddel Bier gibt, bin ich auch dabei. Und eine Frikadelle.“ Beides gehört für ihn dazu, wenn am Wochenende die Spiele der Hurricanes anstehen. Herbert Rathjen zieht dann seinen schwarzen Hurricanes-Hoodie über, nimmt die Klatschpappe in die Hand und setzt sich am liebsten in die Nähe seines Sohnes. „Immer in der ersten Reihe, immer beim Aufsichtsrat, als Adjutant“, scherzt er. Und das nun schon seit einigen Jahren.

Herbert Rathjen hat die Spielerinnen-Wohnungen jahrelang renoviert

Dabei hatte der gebürtige Westerholzer, der als jüngstes von elf Kindern aufgewachsen ist und früh ohne Mutter auskommen musste, bis ins hohe Alter eigentlich nichts mit Basketball am Hut. Selbst hatte der für die Bundesbahn tätige Maler nie Sport betrieben, sondern „immer nur den Pinsel geschwungen“. Lange Jahre begleitete er den Sohn regelmäßig zum Fußball. Erst, als die Enkelkinder Annelen, Marlene, Luisa und Flemming Basketball spielten, zog es ihn in die Halle. „Verstehen tue ich da gar nichts von. Ich weiß nur, dass der Ball in den Korb muss“, gesteht Rathjen.

Vor rund zwölf Jahren „entdeckte“ er die Frauen für sich. Das wiederum hing auch damit zusammen, dass seine Fähigkeiten beim regelmäßigen Renovieren der Spielerinnen-Wohnungen im ehemaligen Internatsgebäude gefragt waren. „Ich kann nicht Nein sagen. Und wo Arbeit ist, da bin ich auch.“ Also brachten sie gemeinsam die Zimmer „auf Vordermann – zu jeder neuen Saison“, wie Detlef Rathjen erzählt. „Ich habe Wände gespachtelt und tapeziert“, wirft der Senior ein.

Auch in der Halle war er beim Aufbau lange Jahre tätig. Sein Spezialgebiet: Die Werbung auf den Mittelkreis kleben. Das war aufgrund der Bläschenbildung unter der Klebefolie nicht so einfach. „Keiner konnte am Anfang den Mittelkreis tapezieren – außer Herbert“, sagt der „Experte“ selbst. Und auch heute noch hängt Herbert Rathjen die Hinweisschilder für die anstehenden Spiele in Rotenburg und Scheeßel mit auf und ist morgens mit dabei, wenn vor den Heimpartien die Halle spielbereit gemacht wird. „Er sorgt für gute Laune und treibt seinen Sohn manchmal an“, verrät Coach Greve schmunzelnd und findet: „Er gehört zum Inventar dazu. Ein großartiger Mensch.“

Er gehört zum Inventar dazu. Ein großartiger Mensch.

Coach Christian Greve über Herbert Rathjen

Was ihn über all die Jahre beim Basketball gehalten hat? „Die Spannung, der ganze Zusammenhalt. Jeder kennt einen“, betont er. Dabei scheute und scheut Herbert Rathjen auch manch Auswärtsfahrt nicht. In der ersten Liga ging es sogar bis nach Nördlingen runter. „Auch in Chemnitz waren wir“, erzählt er. „Man hat schon was erlebt.“ Die „beste Fahrt“ sei für ihn ohne Frage die nach Braunschweig im Frühjahr 2014 gewesen, als im Play-off-Finale die Rückkehr ins Oberhaus gelang. Erst der Aufstieg, dann die Party im Bus, die aufgrund des defekten Gefährtes zunächst auf dem Parkplatz stattfand und kurzzeitig von einem Polizeibesuch wegen Ruhestörung unterbrochen wurde – und später an der Raststätte Allertal weiterging. Beim Zwischenstopp bekam Rathjen von den Spielerinnen die Papp-Krone aus dem dortigen Schnellrestaurant aufgesetzt. „Seitdem ist er der König von Allertal“, berichtet Detlef Rathjen.

2014 erlebte Herbert Rathjen (neben Nicole Wirschke) in Braunschweig den Aufstieg live mit.

Auch in der aktuellen Zweitliga-Saison waren sie bereits in Braunschweig und Wedel. Zum Spiel nach Osnabrück wollen sie ebenfalls. „Da komme ich mit. Meine Frau sagt immer: ,Fahr´ bloß mit, dann habe ich meine Ruhe‘“, erzählt Herbert Rathjen. Seit 62 Jahen ist er schon mit seiner Gisela verheiratet. Ob diese Touren in seinem Alter nicht anstrengend seien? „Ich bin 30 Jahre Rentner – dem macht nichts aus“, entgegnet er in seiner typischen Art.

Besondere Erinnerung an die Amerikanerin Janae Young

Die Verbindung zur Damenmannschaft war und ist trotz personeller Umbesetzungen stets eine herzliche. Centerin Anacia Wilkinson, so erzählt er, „winkt jedes Mal, wenn sie mich sieht. Ich komme mit allen gut klar. Sogar mit meiner eigenen Frau.“ Pia Mankertz, Andrea Baden und Hannah Pakulat kennt er sogar schon seit ihren Anfängen bei den Hurricanes. Auch die Amerikanerin Janae Young „mochte ich immer gerne“. Was vielleicht auch mit einer Besonderheit zu tun hat: Als es in der Saison 2016/2017 gegen den Abstieg ging, starteten die Hurricanes eine durch Spenden mitfinanzierte Rückholaktion. „Da haben wir zusammengelegt – auch Herbert“, verrät Detlef Rathjen.

Zu seinem 80. Geburtstag war die Mannschaft im September 2012 übrigens extra vor der Auswärtsfahrt noch in der Rosenstraße vorgefahren, um ihm ein Präsent vorbeizubringen. „Und zum 85. habe ich ein T-Shirt bekommen“, erinnert er sich und hält es in Ehren.

Am liebsten in Reihe eins, gleich neben der „Musik“: Herbert Rathjen (M.) unterstützt mit Klatschpappe, sein Sohn Detlef Rathjen (r.) bedient die Trommel.

Bei der Einschätzung der aktuellen Mannschaft zeigt Herbert Rathjen dann, dass er doch mehr vom Sport versteht, als er zugibt. „Meister werden sie wohl nicht. Aber die Play-offs sollen sie wenigstens schaffen“, wünscht er sich. Wenn‘s nicht klappt: Herbert Rathjen wird mit Sicherheit nicht böse sein. „Der Bessere soll gewinnen. Nach Möglichkeit meine Mädels, aber ärgern tue ich mich nicht“, betont er.

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